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Wirtschaft

Fehlschlag Emissionshandel

Großindustrie macht 25 Milliarden Euro mit Luftverschmutzung

Wer die Luft verschmutzt, soll zahlen - das war die Idee des Emissionshandels. Nun zeigt sich: Die Luft ist kaum besser geworden, viele Großkonzerne aber reicher. Nach Informationen des SPIEGEL machen sie Milliarden mit Gratiszertifikaten.

DPA

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg

Freitag, 02.12.2016   18:06 Uhr

Die europäische Großindustrie hat durch Sonderrechte im EU-Emissionshandelssystem in den vergangenen Jahren 25 Milliarden Euro Extraeinnahmen abgeschöpft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Nichtregierungsorganisation Carbon Market Watch (CMW), die dem SPIEGEL vorliegt. Basis der Untersuchung waren Unternehmenszahlen energieintensiver Konzerne in den 20 wirtschaftsstärksten EU-Ländern. Untersucht wurde der Zeitraum zwischen 2008 und 2015.

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(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Die Zahlen zeigen, wie leicht aus Schmutz Geld zu machen ist, und wie sehr das von der Lobby weichgekochte CO2-Handelssystem versagt hat", sagt Agnes Brandt von CMW. Das liegt an den kostenlosen Emissionszertifikaten, die Staaten an Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie Stahl oder Zement verteilen durften. Da die Konzerne mehr bekamen, als sie brauchten, fluten sie das System mit Verschmutzungsrechten.

Zudem reichen viele trotz der Gratiszertifikate Emissionskosten, die ihnen noch gar nicht entstanden sind, bereits an Kunden weiter. Keinem Land kamen diese Lücken des Systems mehr zugute als Deutschland, wo die Schwerindustrie laut Studie mit 4,7 Milliarden Euro profitierte. Allein die Zementriesen LafargeHolcim und HeidelbergCement (mit der Tochter Italcementi) strichen laut CMW gut 1,7 Milliarden Euro ein. Der Effekt dieses Ausverkaufs: Eine Tonne CO2 in die Luft zu blasen, ist im Moment mit rund 4,50 Euro kaum teurer als ein großer Becher Kaffee.

Das Klimaziel, bis 2030 rund 40 Prozent weniger CO2 auszustoßen als 1990, ist Experten zufolge kaum mehr zu erreichen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Donnerstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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nkl

insgesamt 125 Beiträge
fin2010 02.12.2016
1. die gute Nachricht:
die Konzerne machen viel weniger Dreck, als gedacht. Die schlechte: den dürfen dafür jetzt andere machen.
die Konzerne machen viel weniger Dreck, als gedacht. Die schlechte: den dürfen dafür jetzt andere machen.
stefan.martens.75 02.12.2016
2. Ein wunderbares Beispiel für Lobbyismus
Eine an sich gute Idee zum Umweltschutz wird in den Mühlen unseres Parteien und Politsystems zu einer wahren Goldgrube für die Verschmutzungsindustrie. Anstatt für Verschmutzung zu zahlen bekommt jeder umsonst Zertifikate, die [...]
Eine an sich gute Idee zum Umweltschutz wird in den Mühlen unseres Parteien und Politsystems zu einer wahren Goldgrube für die Verschmutzungsindustrie. Anstatt für Verschmutzung zu zahlen bekommt jeder umsonst Zertifikate, die der normale Verschmutzer an den richtig fiesen Verschmutzer für echtes Geld weiter verkaufen kann.
rjb26 02.12.2016
3. ich verstehe das nicht?
was ist jetzt schon wieder falsch? es läuft foch genau so wie die CDU Truppenund andere Wirtschaftslobbyisten es haben wollten. Steuergelder in die Kassen der Konzerne bzw. der lieben Freunde aus den Vorständen. Mit Umweltschutz [...]
was ist jetzt schon wieder falsch? es läuft foch genau so wie die CDU Truppenund andere Wirtschaftslobbyisten es haben wollten. Steuergelder in die Kassen der Konzerne bzw. der lieben Freunde aus den Vorständen. Mit Umweltschutz hatte das nie was zu tun und war nie beabsichtigt.
habu 02.12.2016
4. Gut gemeint ist eben nicht gut gemacht
Wenn das Ideologie-verblendete Gehirn Ideen gebiert, dann endet es meistens so. Das kann man an der gesamten Energiewende studieren. Aus den Kosten einer Kugel Eis für jeden wurden schmerzhafte Mehrkosten für jeden Haushalt. Die [...]
Wenn das Ideologie-verblendete Gehirn Ideen gebiert, dann endet es meistens so. Das kann man an der gesamten Energiewende studieren. Aus den Kosten einer Kugel Eis für jeden wurden schmerzhafte Mehrkosten für jeden Haushalt. Die Solardächer verteilen um von Nord nach Süd (und überkompensieren damit sogar den Länderfinanzausgleich) und von Arm zu Reich. Die Windräder müssen abgeschaltet werden, weil das Netz sonst zusammenbricht, der Netzausbau hinkt Jahrzehnte hinterher, Speichertechnologien gibt es nicht. Aber wir sind die Vorreiter der Weltenrettung. Wie gesagt, gut gemeint ist nicht gut gemacht - und schlecht gemacht ist schlechter als gar nichts zu tun.
Pfuerzken 02.12.2016
5. So lange es...
....möglich ist aus Umweltverschmutzung ein Vermögen zu machen, so lange wird niemand ernsthaft etwas dagegen u hernehmen....das gleiche gilt für eine Milliarden-Schwere Armutsindustrie aus Bildungseinrichtungen und Sozialen [...]
....möglich ist aus Umweltverschmutzung ein Vermögen zu machen, so lange wird niemand ernsthaft etwas dagegen u hernehmen....das gleiche gilt für eine Milliarden-Schwere Armutsindustrie aus Bildungseinrichtungen und Sozialen Einrichtungen die einen auf Barmherzigkeit machen, aber in jedem Sozialmilieugeschädigten nur den Profit sehen.
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