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Wirtschaft

Dieselskandal

Interne Dokumente belasten Audi-Chef Stadler

Für Audi-Chef Stadler wird es eng: Interne Papiere belegen, dass der Abgasbetrug mit Dieselmotoren generalstabsmäßig vorbereitet wurde. Techniker warnten: "In den USA höchst kritisch."

REUTERS

Audi-Chef Rupert Stadler

Von und
Freitag, 17.02.2017   17:32 Uhr

Offiziell will Audi-Chef Rupert Stadler nichts von der Manipulation von 80.000 Dieselmotoren gewusst haben, doch die Zweifel daran wachsen: Nach Informationen des SPIEGEL haben Audi-Techniker bereits in den Jahren 2007 und 2008 die "Einführung zweier Betriebsmodi" vorgeschlagen, um die strengen Abgasnormen einhalten zu können. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 8/2017
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Auf dem Prüfstand sollten die Stickoxide bestmöglich gereinigt werden, zu ">90%", beim normalen Fahrbetrieb dagegen nur zu "30-70%". Der geplante Betrug ist auf mehreren Schaubildern einer internen Präsentation ("SCR Systementwicklung") festgehalten, die dem SPIEGEL vorliegt. Damit niemand die Brisanz der vorgeschlagenen Lösung verkennt, haben Techniker eine Zeile im Text extra unterstrichen: "In den USA höchst kritisch."

Belastet wird Stadler auch durch die Aussagen des beurlaubten Motorenentwicklers Ulrich Weiß. Demnach gab es bei Audi eine langwierige Auseinandersetzung zwischen Vertriebsleuten auf der einen und Motorenentwicklern auf der anderen Seite über den Einsatz der verbotenen Motorensoftware.

Festgehalten sind die Diskussionen in Protokollen und Präsentationen mehrerer hochkarätiger Arbeitskreise im Audi-Konzern. Hans-Georg Kauffeld, der Anwalt des Motorenentwicklers, sagte vor Gericht, einige der Arbeitskreise seien Stadler direkt zugeordnet gewesen. Der Audi-Chef habe die entsprechenden Protokolle gekannt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Donnerstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 94 Beiträge
axel_roland 17.02.2017
1. Ich hoffe auf persönliche Konsequenzen
Der Betrug am Kunden ist eine Sache - schlimmer finde ich, dass hier mit dem Wohl der Arbeitnehmer des ganzen Konzerns gespielt wurde und offensichtlich gegen die Warnung von Technikern agiert wurde. Wenn Techniker vor etwas [...]
Der Betrug am Kunden ist eine Sache - schlimmer finde ich, dass hier mit dem Wohl der Arbeitnehmer des ganzen Konzerns gespielt wurde und offensichtlich gegen die Warnung von Technikern agiert wurde. Wenn Techniker vor etwas warnen, dann hat das Gründe. Deswegen sind sie Techniker und keine Politiker: Sie legen Fakten auf den Tisch. Auch unbequeme. Diese Tatsache arrogant unter den Tisch fallen zu lassen, muss für die Entscheider drastische Konsequenzen mit Signalcharakter haben.
stefan.grimm 17.02.2017
2. Dass die oberste Führungsebene...
...nichts gewusst haben soll, ist extrem unwahrscheinlich. Denn gerade Untergebene sichern sich ja bei solchem Handeln auch ab. Da dies wieder nur Scheibchenweise und mit Hilfe einer kritischen Presse an die Öffentlichkeit [...]
...nichts gewusst haben soll, ist extrem unwahrscheinlich. Denn gerade Untergebene sichern sich ja bei solchem Handeln auch ab. Da dies wieder nur Scheibchenweise und mit Hilfe einer kritischen Presse an die Öffentlichkeit gelangt, zeigt, dass VW/Audi nicht wirklich aus den Vorfällen gelernt hat.
eule_neu 17.02.2017
3. Skandal bringt wieder Ordnung in den Vorstand
Der Audi Chef Stadler wir wohl seine Posten räumen müssen und sich bei der anscheinend guten Protokolllage wohl mit einem Staatsanwalt unterhalten müssen. Tränender Augen wird dieser Mann Audi wohl nicht verlassen, [...]
Der Audi Chef Stadler wir wohl seine Posten räumen müssen und sich bei der anscheinend guten Protokolllage wohl mit einem Staatsanwalt unterhalten müssen. Tränender Augen wird dieser Mann Audi wohl nicht verlassen, schließlich sind ja im Konzern für Führungskräfte gute Millionenabfindungen und dementsprechende Pensionen vorgesehen. Nun ja, es ist nicht immer einfach mit der Moral ...
dipl.inge83 17.02.2017
4. Wer glaubt
das in solchen Unternehmen auch nur ein Handschlag ohne Anweisung durch den Vorgesetzten geschieht, hält die Läden wahrscheinlich immer noch für innovativ o.ä.. Die uralte SCR-Thematik geistert schon seit Urzeiten durch die [...]
das in solchen Unternehmen auch nur ein Handschlag ohne Anweisung durch den Vorgesetzten geschieht, hält die Läden wahrscheinlich immer noch für innovativ o.ä.. Die uralte SCR-Thematik geistert schon seit Urzeiten durch die Branche. Aber wie durch ein Wunder heißt es beim Modellwechsel ( und der einhergehenden Anpassung an verschärfte Abgasnormen) jedesmal: die Jungs von der Rolle haben nochmal gerechnet, wir schaffen's haarscharf ohne Harnstoff! Schon x mal erlebt.
juris 17.02.2017
5.
Daraus kann man folgern, dass die Betrüger des VW-Konzerns der Unterstützung der deutschen Politik und Justiz sicher waren. Man kann auch seit Jahren sehen, dass die deutsche Politik und Justiz keinerlei Interesse an der [...]
Daraus kann man folgern, dass die Betrüger des VW-Konzerns der Unterstützung der deutschen Politik und Justiz sicher waren. Man kann auch seit Jahren sehen, dass die deutsche Politik und Justiz keinerlei Interesse an der Aufklärung der Abgas-Affäre hat. Deutschland ist eine Bananenrepublik.

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