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Wirtschaft

Razzien wegen Abgasaffäre

Ermittler haben Audi-Chef Stadler im Visier

Bei Razzien an Standorten des Audi-Konzerns wurde auch nach persönlichen Notizbüchern und Smartphones von Konzernchef Rupert Stadler gefahndet. Das geht aus dem Durchsuchungsbeschluss hervor, der dem SPIEGEL vorliegt.

REUTERS

Rupert Stadler

Von und
Samstag, 18.03.2017   14:02 Uhr

Am vergangenen Mittwoch, unmittelbar vor der Präsentation der Jahreszahlen des Konzerns, durchsuchten mehr als hundert Polizisten und Staatsanwälte die Audi-Zentrale in Ingolstadt, das Werk in Neckarsulm, den VW-Konzernsitz in Wolfsburg und sieben weitere Standorte. Auch Privaträume wurden durchsucht.

Insgesamt 47 Personen listet der Durchsuchungsbeschluss namentlich auf, bei denen die Beamten während ihrer Aktion nach "Korrespondenz, insbesondere E-Mail-Verkehr, soweit sie Bezug zum Sachverhalt haben", suchen sollten.

Unter den genannten Managern befinden sich viele Entwickler, aber auch die ehemaligen Audi-Vorstände Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz, sowie Audi-Chef Rupert Stadler. Es wurde auch nach Aufsichtsrats- und Vorstandsprotokollen gesucht. Die genannten Manager gelten derzeit noch nicht als Beschuldigte.

Anlass der Durchsuchungen sind die Abgasmanipulationen bei Dieselmotoren. Die Staatsanwaltschaft München II hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung eingeleitet.

Die Staatsanwälte erhoffen sich von ihrer Durchsuchungsaktion Aufschluss über Planung, Entscheidungsabläufe, den Informationsfluss und den Vertrieb der Autos im Zusammenhang mit der Betrugssoftware in den USA. Die Ermittler werfen Audi vor, mindestens 80.000 Autos verkauft zu haben, die mit einer "unzulässigen Abschaltvorrichtung" zur Abgasregulierung ausgestattet waren. Audi habe somit Fahrzeuge beworben und veräußert, die den US-Auflagen nicht genügten und die Erwerber zu einem Kaufpreis verpflichtet, der durch die Mängel deutlich über dem Wert des veräußerten Fahrzeuges lag.

Konkret geht es dabei um den Verdacht des "Betrugs oder Betrugs in mittelbarer Täterschaft" nach Paragraf 17 Absatz 1 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb, heißt es in dem Beschluss des Amtsgerichts München vom 6. März. Audi hatte nach der Durchsuchungsaktion, die am Tag der Bilanzpressekonferenz stattfand, erklärt, das Unternehmen unterstütze die Aufklärung des Vorgangs.

Endlich verständlich

insgesamt 49 Beiträge
joke61 18.03.2017
1. die gesamte Abgasaffäre ist ein
Armutszeugnis unserer politischen Führung. Immer wieder wurden Auswege gefunden Überhöhte Werte mit geltendem Recht in Einklang zu bringen. Man hat den Akteuren qausi die Vorlagen zum Betrug geliefert. Übrigens heute immer [...]
Armutszeugnis unserer politischen Führung. Immer wieder wurden Auswege gefunden Überhöhte Werte mit geltendem Recht in Einklang zu bringen. Man hat den Akteuren qausi die Vorlagen zum Betrug geliefert. Übrigens heute immer noch. Nach der Aussage von AM beim Untersuchungsausschuss, welche schon sehr fragwürdig war, hat Sie sich ja noch öffentlich für Dieseltechnologie ausgesprochen, jedoch kein Wort zu den eigentlich leittragenden, denen jetzt in großen Städten der Betrieb eines Dieselfahrzeugs untersagt wird. Erst als Umweltkanzlerin vor den Eisbergen feiern lassen um anschließend an der weiteren Verschlechterung aktiv beteiligt zu sein. Sorry, auch wenn jetzt Staatsanwälte anfangen Verantwortliche zu ermitteln, wird das sicher im Sande Verlaufen. Bestraft wird nur der Verbraucher der einen Diesel fährt!
Profdoc1 18.03.2017
2. Ja, es ist eine Unterstellung.
Aber, mit Verlaub, es ist in einem ehemaligen System Piech/Winterkorn schlichtweg nicht denkbar, dass die oberste Führungsriege nicht informiert war. In internen Runden wurden auf Vorstandsebene über Schraubendurchmesser [...]
Aber, mit Verlaub, es ist in einem ehemaligen System Piech/Winterkorn schlichtweg nicht denkbar, dass die oberste Führungsriege nicht informiert war. In internen Runden wurden auf Vorstandsebene über Schraubendurchmesser diskutiert. Dann will selbiger nicht über einen derart groß angelegten, strategisch geplanten Betrug informiert worden sein? Das ist als Gedankengang infantil und naiv zugleich.
Profdoc1 18.03.2017
3. Sorry.....
Politisch ist es ein EU-Thema, aber eine Bundeskanzlerin (oder Kanzler) persönlich dafür verantwortlich zu machen, ist schlichtweg am Thema vorbei. Im übrigen gibt es eine klare Teilung von Legislative, Judikative und [...]
Zitat von joke61Armutszeugnis unserer politischen Führung. Immer wieder wurden Auswege gefunden Überhöhte Werte mit geltendem Recht in Einklang zu bringen. Man hat den Akteuren qausi die Vorlagen zum Betrug geliefert. Übrigens heute immer noch. Nach der Aussage von AM beim Untersuchungsausschuss, welche schon sehr fragwürdig war, hat Sie sich ja noch öffentlich für Dieseltechnologie ausgesprochen, jedoch kein Wort zu den eigentlich leittragenden, denen jetzt in großen Städten der Betrieb eines Dieselfahrzeugs untersagt wird. Erst als Umweltkanzlerin vor den Eisbergen feiern lassen um anschließend an der weiteren Verschlechterung aktiv beteiligt zu sein. Sorry, auch wenn jetzt Staatsanwälte anfangen Verantwortliche zu ermitteln, wird das sicher im Sande Verlaufen. Bestraft wird nur der Verbraucher der einen Diesel fährt!
Politisch ist es ein EU-Thema, aber eine Bundeskanzlerin (oder Kanzler) persönlich dafür verantwortlich zu machen, ist schlichtweg am Thema vorbei. Im übrigen gibt es eine klare Teilung von Legislative, Judikative und Exekutive. Wir leben nicht mehr im Kaiserreich.
westliche_doppelmoral 18.03.2017
4. Den Managern...
wurde genug Zeit gelassen (warum eigentlich?) um belastendes Material zu vernichten. Würde mich nicht wundern, wenn am Ende keinem was nachgewiesen werden kann. So wie meistens. Und nun macht mal schön mit den Boni-Exzessen [...]
wurde genug Zeit gelassen (warum eigentlich?) um belastendes Material zu vernichten. Würde mich nicht wundern, wenn am Ende keinem was nachgewiesen werden kann. So wie meistens. Und nun macht mal schön mit den Boni-Exzessen weiter.
landei23 18.03.2017
5. Die einzigen die WIRKLICH leiden,
sind die, die von den Abgasen krank werden. Diese Menschen sind Opfer. Die Verantwortlichen in den Konzernen, die passiv zusehenden Politiker, die bequemen Verbraucher die Verantwortung an andere abschieben - das sind die Täter. [...]
sind die, die von den Abgasen krank werden. Diese Menschen sind Opfer. Die Verantwortlichen in den Konzernen, die passiv zusehenden Politiker, die bequemen Verbraucher die Verantwortung an andere abschieben - das sind die Täter. Die Täter sollten bestraft werden: Verantwortliche in den Konzernen mit Strafverfolgung, die Politiker mit Nicht-Wahl, die Verbraucher mit höheren Kosten und / oder Zwang zu weniger rücksichtslosem Verhalten.

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