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Wirtschaft

Insolvenzverwalter

Sanierungsexperte Piepenburg soll Solarworld retten

Babcock, Pin, SinnLeffers: Horst Piepenburg hat viele gescheiterte Unternehmen geführt. Nun ist er zum Insolvenzverwalter bei Solarworld berufen worden. Dort läuft die Produktion vorerst weiter.

DPA

Solarworld-Insolvenzverwalter Horst Piepenburg (2009)

Freitag, 12.05.2017   20:01 Uhr

Nach dem Insolvenzantrag des Solarherstellers Solarworld soll Horst Piepenburg das Unternehmen mit insgesamt 3300 Beschäftigten retten. Das Amtsgericht Bonn bestellte den Düsseldorfer Anwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Piepenburg gilt als erfahrener Sanierungsexperte.

Der 63-jährige hat sich mit erfolgreichen Einsätzen einen Namen gemacht. So schaffte er es 2002 beim insolventen Oberhausener Babcock-Konzern, trotz der Pleite die Mehrzahl der rund 21.000 Jobs zu retten. "Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate", wird Piepenburg zitiert. Auch an den Sanierungsverfahren bei der Modekette SinnLeffers oder dem Briefdienstleister Pin war er beteiligt.

Vorerst läuft die Produktion bei Solarworld weiter, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Künftig muss aber Piepenburg entscheiden, ob etwa neues Material nachgekauft werden darf. Am Freitag stellten unter anderem auch die Solarworld-Töchter in Sachsen und Thüringen Insolvenzanträge. Auch für sie wurde Piepenburg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Seine wichtigste Aufgabe dürfte nun die Suche nach einem Investor sein.

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Solarworld: Aufstieg und Fall des Frank Asbeck

"Mit meinem Team werde ich mich nun zügig mit der aktuellen Lage des Unternehmens auseinandersetzen", sagte Piepenburg. Zunächst werde man sich darum kümmern, dass Löhne und Gehälter für die Monate Mai, Juni und Juli über die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes sichergestellt werden. Von wesentlicher Bedeutung sei jetzt, den Geschäftsbetrieb so reibungslos wie möglich aufrechtzuerhalten.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sicherte bei einem Besuch des erst vor einigen Jahren eröffneten Werks in Arnstadt die Unterstützung des Landes zu. Hier beschäftigt Solarworld nach eigenen Angaben noch 735 Mitarbeiter. Am sächsischen Standort Freiberg arbeiten demnach 1260 Beschäftigte, in der Konzernzentrale in Bonn rund 250. Hinzu kommt unter anderem ein großer US-Standort.

DPA

Solarworld-Standort in Arnstadt (Thüringen)

Solarworld hatte am Donnerstag Insolvenz für die Konzernmutter Solarworld AG angemeldet. Das Unternehmen macht für sein Scheitern vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis in den Keller gedrückt hätten - doch die Insolvenz ist teilweise auch selbst verschuldet. (Lesen Sie hier eine Analyse zu Solarworlds Insolvenz.)

Der für viele Anleger und Mitarbeiter überraschende Insolvenzantrag beschäftigt auch die Finanzaufsicht BaFin. Es werde geprüft, ob die Anleger rechtzeitig über drohende Risiken informiert worden seien, sagte eine BaFin-Sprecherin. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geht es dabei darum, ob der bisherige Firmenchef Frank Asbeck das Überschuldungsrisiko in der Bilanzpressekonferenz nur wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag heruntergespielt habe.

Asbeck verteidigte seine Informationspolitik. Er sei selbst von der Zuspitzung der Krise überrascht worden, sagte er dem Wirtschaftsmagazin "Capital". Am Freitag teilte Asbeck mit: "Wir werden dem vorläufigen Insolvenzverwalter gründlich und zügig zuarbeiten und ihn tatkräftig unterstützen."

fdi/dpa

insgesamt 41 Beiträge
Persipanstollen 12.05.2017
1. Der übliche Insolvenzbausatz
Wie üblich eine geplante Insolvenz aus dem Baukasten. Kreativität ist nicht zu erwarten. Wäre aber auch absurd zu glauben, dass man das Geschäftsfeld erweitert und zB die nordafrikanische Wüste mit Solarparks zupflastert, [...]
Wie üblich eine geplante Insolvenz aus dem Baukasten. Kreativität ist nicht zu erwarten. Wäre aber auch absurd zu glauben, dass man das Geschäftsfeld erweitert und zB die nordafrikanische Wüste mit Solarparks zupflastert, oder zB Windräder verkauft, die bei Frost, Agrarlandschaften mit warmer Luft vor dem Kälteschock bewahren ? Solarworld muss schon vom Namen her teure Solarpanels im Gourmetqualität produzieren und das schließt sich aus. Fazit, Unternehmen die ihr Produkt im Namen verankern sind von ihrer Gründung an zur Insolvenz verdammt und sollten verboten werden.
ziehenimbein 13.05.2017
2. Bitte nichts retten!
Dieser Firma sind jahrelang Milliarden in den Rachen geworfen worden. Gelder die der Staat jedem kleinen Stromkunden einfach so weggenommen hat. Solarworld und alle die eine PV-Anlage besitzen sind in meinen Augen nur Abzocker, [...]
Dieser Firma sind jahrelang Milliarden in den Rachen geworfen worden. Gelder die der Staat jedem kleinen Stromkunden einfach so weggenommen hat. Solarworld und alle die eine PV-Anlage besitzen sind in meinen Augen nur Abzocker, wenn sie den Strom nicht überwiegend selbst nutzen. Die Mitarbeiter können ja bei der Pkw-Maut anfangen, da sind sie dann genau so sinnlos. Überteuerte nicht wirklich innovative Technik aus Deutschland braucht man nirgendwo.
competa1 13.05.2017
3. Erklären Sie mir mal..
..wie die Milliarden vom Stromkunden bei Solarworld gelandet sein sollen.
Zitat von ziehenimbeinDieser Firma sind jahrelang Milliarden in den Rachen geworfen worden. Gelder die der Staat jedem kleinen Stromkunden einfach so weggenommen hat. Solarworld und alle die eine PV-Anlage besitzen sind in meinen Augen nur Abzocker, wenn sie den Strom nicht überwiegend selbst nutzen. Die Mitarbeiter können ja bei der Pkw-Maut anfangen, da sind sie dann genau so sinnlos. Überteuerte nicht wirklich innovative Technik aus Deutschland braucht man nirgendwo.
..wie die Milliarden vom Stromkunden bei Solarworld gelandet sein sollen.
spon_3511963 13.05.2017
4. Was mich wirklich Intressiert
was so ein Insolvenzverwalter egal ob die Sache positiv oder andersrum ausgeht,verdient.
was so ein Insolvenzverwalter egal ob die Sache positiv oder andersrum ausgeht,verdient.
MiniDragon 13.05.2017
5. Anderes Fazit
Die Lehre, welche die für dieses Desaster verantwortlichen Politiker ziehen sollten: Bei jeder Art von Subvention, (jede Subvention macht per se die Selbstregulierung der marktwirtschaftlichen Kräfte partiell [...]
Zitat von PersipanstollenWie üblich eine geplante Insolvenz aus dem Baukasten. Kreativität ist nicht zu erwarten. Wäre aber auch absurd zu glauben, dass man das Geschäftsfeld erweitert und zB die nordafrikanische Wüste mit Solarparks zupflastert, oder zB Windräder verkauft, die bei Frost, Agrarlandschaften mit warmer Luft vor dem Kälteschock bewahren ? Solarworld muss schon vom Namen her teure Solarpanels im Gourmetqualität produzieren und das schließt sich aus. Fazit, Unternehmen die ihr Produkt im Namen verankern sind von ihrer Gründung an zur Insolvenz verdammt und sollten verboten werden.
Die Lehre, welche die für dieses Desaster verantwortlichen Politiker ziehen sollten: Bei jeder Art von Subvention, (jede Subvention macht per se die Selbstregulierung der marktwirtschaftlichen Kräfte partiell unwirksam), muß die Gültigkeit der dafür geschaffenen Gesetze zeitlich befristet werden. Nur so wird es möglich , die grundsätzlich immer drohende Fehlallokation von Kapital und Gehirnschmalz zu begrenzen. Wäre das von einem grünen Physik- und Sportlehrer kreierte deutsche EEG zeitlich befristet gewesen, dann stünden heute nicht so viele Menschen vor dem unrühmlichen Ende eines gescheiterten Berufslebens und dem Abgleiten ins gesellschaftliche Prekariat: http://www.faz.net/aktuell/politik/gesellschaftsstudie-prekariat-statt-unterschicht-1385650.html Und die Grüne Partei müßte wahrscheinlich weniger befürchten, von unverbesserlichen Altliberalen und Völkischen absorbiert zu werden. :-)
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