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Wirtschaft

Autokartell

Daimler soll VW mit Selbstanzeige zuvorgekommen sein

Neue Wendung im Kartellskandal der deutschen Autoindustrie: Laut einem Medienbericht könnte Daimler VW mit einer Selbstanzeige zuvorgekommen sein - und damit auf Straffreiheit hoffen.

REUTERS

Daimler-Logo

Montag, 24.07.2017   18:28 Uhr

Im Kartellskandal der deutschen Autoindustrie könnte Daimler mit seiner Selbstanzeige bei den Wettbewerbsbehörden Volkswagen zuvorgekommen sein. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR hat sich der in Stuttgart ansässige Daimler-Konzern deutlich früher als VW an die Behörden gewandt.

Die Praxis detaillierter, über Jahrzehnte andauernder Absprachen zwischen den Autobauern Porsche, Audi, VW, BMW und Volkswagen hatte der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe aufgedeckt.

Daimler könnte darauf hoffen, ohne Strafe davonzukommen, sollte die Brüsseler EU-Kommission Geldbußen wegen verbotener Absprachen verhängen.

Nach den EU-Bestimmungen wäre für VW dann noch ein Strafnachlass in Höhe von maximal 50 Prozent möglich. Und das auch nur dann, falls VW zusätzlich zu den von Daimler eingereichten Unterlagen weitere "Beweismittel mit erheblichem Mehrwert" vorgelegt hätte.

Für die fünf betroffenen deutschen Autobauer geht es um sehr viel Geld. Die EU-Kommission hatte erst 2016 gegen vier Lkw-Unternehmen Geldbußen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro verhängt.

Die Selbstanzeige von Volkswagen wegen möglicher Kartellverstöße stammt vom Juli 2016. Daimler soll sich nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Insider deutlich früher an die Wettbewerbsbehörden gewandt haben. Der schwäbische Hersteller hatte von 2011 an, als das Lkw-Kartell aufgeflogen war, seine Geschäftspolitik nach und nach geändert.

In den Folgejahren zog sich Daimler zumindest teilweise aus jenen Arbeitskreisen der fünf großen deutschen Autohersteller zurück, die heute als mögliches Kartell gelten. BMW und Daimler sowie Volkswagen mit den Töchtern Audi und Porsche sollen in zahlreichen Arbeitsgruppen gemeinsame Strategien beispielsweise für Dieselfahrzeuge entwickelt haben. Das soll zu Manipulationen bei der Schadstoffreinigung von Dieselautos und somit zur Abgasaffäre geführt haben.

beb

insgesamt 48 Beiträge
rabkauhala 24.07.2017
1. Na super, ...
... wenn jetzt nicht schnell und transparent gehandelt wird - nicht nur durch die EU sondern gerade auch durch die "deutsche Justiz" (Ich weiss, ein grosser Lacher angesichts des bisherigen Vorgehens der Instanzen gegen [...]
... wenn jetzt nicht schnell und transparent gehandelt wird - nicht nur durch die EU sondern gerade auch durch die "deutsche Justiz" (Ich weiss, ein grosser Lacher angesichts des bisherigen Vorgehens der Instanzen gegen die Automafia und gegen das KBA, das alles erst Möglich machte!) denn wenn die Amerikaner (haben schon m.W. schon > 15 Mrd kassiert) mit den Verbrechern fertig sind, und die sind schnell, wird nix mehr übrig sein, das Fell schon längst abgezogen und die Knochen abgenagt. Danke für die Trägheit liebe Regierung.
echoanswer 24.07.2017
2. Das ist das neue Geschäftsmodell
Jahrelang betrügen, sich dann selbst anzeigen, weil man weiß, dass alles vertuscht wird. Den Zeitpunkt einer Selbstanzeige kann man bei der deutschen Justiz selbst wählen. Auch Jahr zurück. Alles gut. Deutschland bleibt der [...]
Jahrelang betrügen, sich dann selbst anzeigen, weil man weiß, dass alles vertuscht wird. Den Zeitpunkt einer Selbstanzeige kann man bei der deutschen Justiz selbst wählen. Auch Jahr zurück. Alles gut. Deutschland bleibt der Betrügerstaat, wie wir in lieben.
klyton68 24.07.2017
3. Es wird passieren,
was seit 2008 zum guten Ton gehört. Es passiert gar nix oder der Steuerzahler bezahlt. To big to fail.
was seit 2008 zum guten Ton gehört. Es passiert gar nix oder der Steuerzahler bezahlt. To big to fail.
ardbeg17 24.07.2017
4.
aha, das ist also der Grund, warum alle anderen Hersteller einwandfrei saubere Diesel gebaut haben. Und dass ausgerechnet VW, Audi und Porsche zusammengearbeitet haben sollen, ist wirklich unfassbar.
aha, das ist also der Grund, warum alle anderen Hersteller einwandfrei saubere Diesel gebaut haben. Und dass ausgerechnet VW, Audi und Porsche zusammengearbeitet haben sollen, ist wirklich unfassbar.
Freidenker10 24.07.2017
5.
Den letzten beißen die Hunde. ;-) Unser Rechtssystem ist schon klasse! Wer Gefahr läuft mit seinen Steuerhinterziehungen aufzufliegen zeigt sich einfach selbst an und alles ist gut. Wenn ein Konzern besch***t muss er sich auch [...]
Den letzten beißen die Hunde. ;-) Unser Rechtssystem ist schon klasse! Wer Gefahr läuft mit seinen Steuerhinterziehungen aufzufliegen zeigt sich einfach selbst an und alles ist gut. Wenn ein Konzern besch***t muss er sich auch nur schnell genug selbst anzeigen ( vermutlich gab es Anzeichen das der Betrug auffliegt! ) und schon ist auch hier alles gut! Zetsche darf seine Millionen behalten und auch sonst wird Dank der deutschen Protektion nichts schlimmeres passieren! Aber wehe eine Kassiererin lässt ne Pfandflasche mitgehen, dann blüht der Rechtsstaat richtig auf...

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