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Wirtschaft

Börsenbeben

Was gegen einen Trump-Crash spricht

Der Nordkorea-Konflikt eskaliert, die Börsen stürzen ab. Investoren trennen sich im großen Stil von US-Aktien - und wenden sich Europa zu. Doch die Angst vor einem Mega-Crash ist übertrieben.

REUTERS

Börsenhändler in New York

Von
Samstag, 12.08.2017   13:48 Uhr

Die Aktienmärkte glichen in den letzten Monaten einem Bergsee: spiegelglattes Wasser, kein Wind, ab und zu Sonnenstrahlen. Wie in Zeitlupe plätscherten die Börsen vor sich hin - die internationalen Indices schlugen weder in die eine noch in die andere Richtung groß aus. Kürzlich verglich ein Banker der Deutschen Bank Chart zeigenin einer Marktanalyse die bisherigen Sommermonate mit den Zuständen in den Sechzigerjahren, als an der Wall Street monatelang nichts passierte.

Doch mit der Korea-Krise ist auf einen Schlag die Nervosität an den Märkten zurück. Donald Trumps Drohungen erschüttern weltweit die Aktienmärkte. Der Leitindex S&P 500, der die 500 wichtigsten Unternehmen der USA umfasst, sackte am Donnerstag um rund 1,5 Prozent ab. Das hört sich nach nicht viel an, solch ein Minus hat es aber zuletzt vor drei Monaten gegeben. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters schrumpfte der globale Börsenwert binnen weniger Tage um insgesamt etwa eine Billion Dollar. Anleger suchen nach Sicherheit: Der Goldpreis - die Krisenwährung schlechthin - stieg innerhalb weniger Tage auf ein Zwei-Monats-Hoch.

Tatsächlich fürchten sich immer mehr Anleger vor Donald Trump und seinem unberechenbaren Kurs. Kurz nach seinem überraschenden Wahlsieg galt er noch als Dealmaker, der die Wirtschaft ankurbelt - er hatte eine "phänomenale" Steuerreform und ein gigantisches Infrastruktur-Investitionsprogramm angekündigt. Doch bisher hat der Präsident nichts davon umgesetzt. "Die Trump-Euphorie ist an den Märkten längst verpufft", sagt Thomas Mayer vom Storch Research Institute.

AP

Donald Trump

Da verwundert es nicht, dass den US-Börsen zuletzt etwas die Luft ausging. Denn beim genauen Hinsehen zeigt sich, dass nur noch wenige große Aktien die US-Börsen nach oben zogen. Mehr als 50 Prozent des diesjährigen Anstiegs des US-Leitindex Dow Jones gehen auf nur drei Aktien zurück: Apple, Boeing und McDonalds. "Die Vielzahl der anderen Aktien hingegen entwickelten sich in diesem Jahr auffällig schlecht", sagt Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG.

Investoren kaufen vermehrt europäische Papiere

Hinzu kommt: Die Stimmung am Devisenmarkt hat sich in den vergangenen Monaten komplett gegen den Dollar gedreht. Der Euro-Dollar-Kurs steuerte zuletzt noch in Richtung Parität, doch inzwischen hat der Dollar Chart zeigen seit Jahresbeginn rund zehn Prozent an Wert verloren.

Einige Investoren haben sich deshalb bereits im großen Stil von US-Aktienpaketen getrennt und kaufen nun vermehrt europäische Papiere, um sich gegen mögliche Schocks in den USA abzusichern. Aber ist die Furcht vor Trump überhaupt begründet? Ist Trump, abgesehen von seinem unberechenbaren Kurs in der Nordkorea-Krise, wirklich ein Risiko für die Börsen?

Beim Blick auf die ökonomischen Kerndaten zeigt sich, dass es der US-Wirtschaft insgesamt recht gut geht. Die US-Firmen fahren stabile Gewinne ein, die Arbeitslosigkeit befindet sich auf Rekordtiefstand, und die Wirtschaft wächst moderat.

Ökonomen bemängeln aber die Qualität des Aufschwungs. Im US-Arbeitsmarkt wurden zuletzt hauptsächlich neue Jobs mit geringen Löhnen geschaffen - es fehlt also eine starke Triebfeder für den Konsum, der die Wirtschaft nach oben ziehen könnte. Das zeigt auch der Blick auf die Auto-Absatzzahlen, die im Juli sogar noch deutlich schwächer waren als erwartet, und auch die Aktivität am Immobilienmarkt ist weiter enttäuschend.

Diese Schwächen reichen allerdings nicht aus, um die Börse in den Abgrund zu reißen. "Die US-Wirtschaft könnte durchaus einen neuen Wachstumsimpuls vertragen, aber sie präsentiert sich derzeit nicht als besonders krisenanfällig", sagt Mayer.

Eine US-Konjunktur, die auf wackeligen Beinen steht, könnte die Kurse sogar stabilisieren: Eine schwache US-Konjunktur ist nicht zwangsläufig schlecht für die Börsen. Schließlich würden damit alle Ankündigungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hinfällig, abrupt aus ihrer expansiven Geldpolitik auszusteigen. Zinserhöhungen würden Kredite verteuern und so die Konjunktur abwürgen.

Alles steht und fällt mit der Geldpolitik der Fed

Die Aktienmärkte befinden sich damit noch immer in der Spätphase eines Boomzyklus, der nun schon seit acht Jahren andauert. Angetrieben durch die ultralockere Geldpolitik der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB), die nach der Finanzkrise Milliarden in die Märkte pumpten, stiegen weltweit die Aktienkurse immer weiter. Dass die Fed jetzt jäh die Zinsen extrem anhebt, ist daher unwahrscheinlich. Sie dürfte hingegen ihrem Kurs der moderaten Zinserhöhungen treu bleiben und damit die Kurse der Aktien oben halten. "Bevor es zum endgültigen Ausstieg aus dieser expansiven Geldpolitik kommt, dürften Jahre vergehen", sagt Ehrhardt.

Dennoch warnen einige Experten vor US-Aktien, weil diese inzwischen sehr teuer seien. Tatsächlich sind etwa die Aktien im Leitindex S&P 500 im Durchschnitt mit dem etwa 22-fachen ihres Jahresgewinns bewertet und liegen damit knapp über ihren historischen Bewertungsdurchschnitt. Einige US-Titel haben gar Bewertungsniveaus erreicht, die an die gefährlichen Crash-Jahre 1929 und 2001 erinnern.

Historische Vergleiche greifen aber zu kurz, sagt Tillmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan Asset Management. Gleichzeitig bleiben die Inflationsraten niedrig. Das dürfte die Zentralbanken motivieren, die Leitzinsen niedrig und die Geldpolitik weiter expansiv zu halten. Anzeichen für eine Blase gebe es nicht. Klar sei aber auch: "Aufgrund der hohen Bewertungen sind unsere Renditeerwartungen deutlich bescheidener als in den Vorjahren."

Und trotz dieses geringeren Renditepotenzials gibt es zur Aktie nach wie vor keine Alternative, weil Staatsanleihen und Festgeld nur mickrige Renditen abwerfen. Dass es zu Aktienverkäufen großer Investorengruppen kommt, ist deshalb unwahrscheinlich. "Irgendwo müssen sie ihr Geld ja anlegen", sagt Fondsmanager Ehrhardt.

Abgesehen von der Eskalation des Konflikts mit Nordkorea, spricht derzeit also nicht viel für einen anhaltenden Gegenwind an den Börsen. Und wie ein Blick auf die Historie zeigt, sind politische Krisen für die Anleger oftmals am Ende glimpflich ausgegangen: Als Anfang der Sechzigerjahre der Kalte Krieg wegen der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen auf Kuba beinahe eskalierte, rauschten die Börsen zunächst in den Keller, bevor sie weitermachten wie zuvor und neue Rekordstände erklommen.

insgesamt 54 Beiträge
Layer_8 12.08.2017
1. Trump-Crash
Der größte Trump-Crash wäre ein Crash mit Nuklearwaffen. Dagegen sind alle denkbaren Börsencrashs Pillepalle
Der größte Trump-Crash wäre ein Crash mit Nuklearwaffen. Dagegen sind alle denkbaren Börsencrashs Pillepalle
pegasus2012 12.08.2017
2. Wer sind die Profiteure ?
Wer profitiert denn alles von den abgestürzten Kursen und in welcher Verbindung stehen diese Personen zu Donald Trump?
Wer profitiert denn alles von den abgestürzten Kursen und in welcher Verbindung stehen diese Personen zu Donald Trump?
galder_wetterwachs 12.08.2017
3. Geschäftsmann
Trump. Wer weiß, was der Trumpclan durch die Börsenbewegungen für Gewinne einfährt. Vielleicht ist das alles nur "Insiderhandel" mit künstlich erzeugten Problemen.
Trump. Wer weiß, was der Trumpclan durch die Börsenbewegungen für Gewinne einfährt. Vielleicht ist das alles nur "Insiderhandel" mit künstlich erzeugten Problemen.
haraldreile 12.08.2017
4. Langweilig, aber
lukrativ. War nicht wie ein glatter Bergsee( der wäre schon lange ausgelaufen), sondern stieg und stieg, praktisch ohne Korrektur in einem Jahr um über 17 %. Der DAX hingegen nur etwa 10 %, auch nicht schlecht aber, da sehe ich [...]
lukrativ. War nicht wie ein glatter Bergsee( der wäre schon lange ausgelaufen), sondern stieg und stieg, praktisch ohne Korrektur in einem Jahr um über 17 %. Der DAX hingegen nur etwa 10 %, auch nicht schlecht aber, da sehe ich jetzt kein großes Investieren ausländischer Fonds.
hm2013_3 12.08.2017
5. die Medien sollten endlich
mit Mr Trump zusammen arbeiten, anstelle sich andauernd gegen ihn stellen. Natürlich hat er Recht, wenn er etwas gegen die Diktatoren in Nordkorea oder Venezuela sagt. Man darf auch nicht vergessen, es geht nicht nur um Mr Trump, [...]
mit Mr Trump zusammen arbeiten, anstelle sich andauernd gegen ihn stellen. Natürlich hat er Recht, wenn er etwas gegen die Diktatoren in Nordkorea oder Venezuela sagt. Man darf auch nicht vergessen, es geht nicht nur um Mr Trump, sondern die gesamte US-Regierung. Ich wünsche mir, dass die hiesigen Medien endlich vernünftig werden und die USA wieder als Freund betrachten.

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