Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Widerstand der Eigentümer

Porsche und Piëch zweifeln an VWs Verkaufsplänen

Volkswagen-Chef Matthias Müller will Teile des Konzerns verkaufen. Doch nun kommen ihm die VW-Eigentümer in die Quere. Familiensprecher Wolfgang Porsche und Cousin Hans Michel Piëch sehen den Plan skeptisch.

Ulrich Baumgarten via Getty Images

VW-Chef Matthias Müller (l.) mit Wolfgang Porsche (m.) und Hans Michel Piëch (r.) (Archivbild)

Von , Frankfurt
Dienstag, 12.09.2017   14:37 Uhr

Volkswagen soll schlanker werden - zumindest, wenn es nach Matthias Müller geht. Doch der Konzernchef muss für seine anvisierten Verkäufe von Konzernteilen nicht nur den Widerstand der Arbeitnehmerseite überwinden. Auch seine wichtigsten Eigentümer sind nicht überzeugt von den Plänen des Managers.

"Aktuell sehe ich keine Notwendigkeit, sich von Teilen des Konzerns zu trennen", sagte Wolfgang Porsche, Sprecher des Familienclans Porsche und Piëch, dem SPIEGEL am Rande der VW-Auftaktshow zur Automesse IAA in Frankfurt. "Das steht derzeit nicht im Fokus. Das Thema ist im Aufsichtsrat auch noch nicht behandelt worden."

Sein Cousin Hans Michel Piëch sieht ebenso keinen Handlungsbedarf. "Ich bin mit der jetzigen Struktur zufrieden", sagte der Bruder des einstigen Konzernpatriarchen Ferdinand Piëch. "Wenn es Vorschläge für Abspaltungen vonseiten der Konzernspitze gibt, schauen wir uns das an."

Zuvor war Müller mit seinen Überlegungen, Töchter und Geschäftsbereiche des VW-Konzerns abzugeben, die aus seiner Sicht nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, auf eine Blockade durch die Arbeitnehmerseite gestoßen. Sie will Abspaltungen schon im Vorfeld verhindern. So hatten die Arbeitnehmervertreter sich klar gegen die Idee ausgesprochen, den Motorradhersteller Ducati zu verkaufen.

Müller hatte kürzlich seine Pläne für eine deutliche Restrukturierung des Unternehmens erneuert. Ein neues Team arbeite aktiv am Verkauf mehrerer Konzernbereiche, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehörten, hatte er betont.

Nicht zum Kerngeschäft könnten bei VW theoretisch Firmenteile mit einem Umsatzanteil von bis zu rund 20 Prozent gehören - auch wenn es nach Aussagen aus dem Konzern nicht darum gehe, tatsächlich ein Fünftel des Konzernumsatzes durch Verkäufe abzustoßen.

Doch schon so bringen die Verkaufsüberlegungen Unruhe in den Konzern, und im Aufsichtsrat hat Müller damit einen schweren Stand.

"Es gibt wichtigere Themen"

Familienoberhaupt Porsche bügelt Verkaufspläne vorerst ab. "Es gibt wichtigere Themen", sagte er. Es sei vorerst zentral, dass der mit den Arbeitnehmervertretern für die Marke VW ausgehandelte Zukunftspakt in allen Bereichen umgesetzt werde. "Wir sollten den Fokus auf die Profitabilität des Konzerns richten. Die Marke VW hat zwischenzeitlich viel erreicht, aber man darf jetzt nicht nachlassen."

Mit dem sogenannten Zukunftspakt will VW die Kosten drastisch senken - durch Gehaltskürzungen und Mehrarbeit bis hin zu Entlassungen, mit denen das Unternehmen Tausende Stellen abbauen will. So soll die Marke VW, die unter zu geringen Gewinnmargen leidet, die Kraft für milliardenhohe Investitionen in neue Antriebe wie Elektromobilität und den Aufbau neuer Mobilitätsdienste gewinnen.

In der Entwicklung neuer Antriebe habe Volkswagen in der Vergangenheit einiges verpasst, moniert Familiensprecher Porsche. "Wir haben viele Fehler gemacht. Da gibt es nichts zu deuteln." Dass es zudem sogar zu Manipulationen von Dieselmotoren im Konzern gekommen ist, hat den Clan-Chef erschüttert. "Für mich war dieses Thema ein Schock", sagte er. "Das hätte ich nie für möglich gehalten."

insgesamt 27 Beiträge
scorpionx 12.09.2017
1. Es sind nur Vorstände und die kann man feuern!
Vorstand Müller ist m.E. nach sowieso der falsche Mann am falchen Platz. Er und der Audi Vorstand erhören erst mal bis zu Klärung des "Diesel Betruges" in den Knast. Es kann nicht sein, dass in den USA ein [...]
Vorstand Müller ist m.E. nach sowieso der falsche Mann am falchen Platz. Er und der Audi Vorstand erhören erst mal bis zu Klärung des "Diesel Betruges" in den Knast. Es kann nicht sein, dass in den USA ein Mitarbeiter einsitzt und hier mit Hilfe der Politik Lobby und Mutti auf der IAA Champus geschlürft wird! Es geht das nicht!
Medienkritiker 12.09.2017
2. Herr Müller hat recht...
Die Teile des Konzerns, welche ohnehin nur als Profitbremsen anzusehen sind, müssen veräußert werden. Dies ist umso wichtiger, als dass mit der Fokussierung auf "neue Antriebe" ein neuer Verlustbringer ansteht...
Die Teile des Konzerns, welche ohnehin nur als Profitbremsen anzusehen sind, müssen veräußert werden. Dies ist umso wichtiger, als dass mit der Fokussierung auf "neue Antriebe" ein neuer Verlustbringer ansteht...
rainer_daeschler 12.09.2017
3. Wachsame Eigentümer
Die Großaktionäre werden schon gemerkt haben, dass diese Verkaufsmaßnahme in erster Linie der Rettung der Vorstandsboni gilt und nicht dem Konzern. Damit ließen sich die Verluste durch Strafzahlungen in den USA abfedern. [...]
Die Großaktionäre werden schon gemerkt haben, dass diese Verkaufsmaßnahme in erster Linie der Rettung der Vorstandsboni gilt und nicht dem Konzern. Damit ließen sich die Verluste durch Strafzahlungen in den USA abfedern. Volkswagen wäre dann eine Nummer kleiner, aber das Topmanagement weiterhin gut bezahlt.
AlterKnochen 12.09.2017
4. Der Anfang vom Ende
Die werden VW jetzt einfach nur zu Grunde richten. Die Autoindustrie in Deutschland wird insgesamt vor die Hunde gehen. Als nächstes kommt jetzt erst einmal Elektrokarren-Aktionismus, wie sich das schon für die kommende IAA [...]
Die werden VW jetzt einfach nur zu Grunde richten. Die Autoindustrie in Deutschland wird insgesamt vor die Hunde gehen. Als nächstes kommt jetzt erst einmal Elektrokarren-Aktionismus, wie sich das schon für die kommende IAA ankündigt. Dann wird man feststellen, das dass alles nichts bringt, die Kunden das nicht mitmachen und dann ist der Ofen auch schon bald aus. Und klar, schläft die Konkurrenz nicht, die baut ja auch weiter Atomkraftwerke während Deutschland dort nichts mehr zu sagen, zu erfinden oder zu verkaufen hat. So wird es dann auch für den Verbrennungsmotor kommen. Die anderen haben ihn und freuen sich das Deutschland draußen ist. Ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie das nach der Wahl los gehen wird. Erst mal 1000% auf den Diesel. Dann Fahrverbote bis der Arzt kommt. Wer eine E-Karre kauft, bekommt sie fast geschenkt, kommt damit bloß nicht weit. Da wird der Irrsinn der Energiewende sicher noch übertroffen werden. Merkel macht das schon. In Sachen desaströser Entscheidungen hat sie ja nun inzwischen einige Übung und lässt übles ahnen.
kuddemuddel 12.09.2017
5. Zukunftspakt
"Mit dem sogenannten Zukunftspakt will VW die Kosten drastisch senken - durch Gehaltskürzungen und Mehrarbeit bis hin zu Entlassungen, mit denen das Unternehmen Tausende Stellen abbauen will." So sieht also die Zukunft [...]
"Mit dem sogenannten Zukunftspakt will VW die Kosten drastisch senken - durch Gehaltskürzungen und Mehrarbeit bis hin zu Entlassungen, mit denen das Unternehmen Tausende Stellen abbauen will." So sieht also die Zukunft für die Mitarbeiter aus. Offensichtlich müssen sie die Suppe auslöffeln, die ihnen die Manager eingebrockt haben. Alle im Konzern sind wegen dem Dieselskandal empört und fassungslos. Aber das man die Verantwortlichen zur Rechenschaft zieht, dafür reicht die Empörung dann doch nicht.

Verwandte Artikel

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP