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Wirtschaft

Möglicher Insiderhandel von Chef Kengeter

Deutsche Börse will Millionenstrafe zahlen

Hat Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter Insiderhandel betrieben? Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden nach einer Millionenzahlung wohl eingestellt. Ob der Konzernchef bleiben darf, ist weiter unklar.

REUTERS

Carsten Kengeter

Mittwoch, 13.09.2017   23:40 Uhr

Die Deutsche Börse will mit der Zahlung einer Strafe von 10,5 Millionen Euro das Ermittlungsverfahren gegen ihren Konzernchef Carsten Kengeter aus der Welt schaffen. Vorstand und Aufsichtsrat des Frankfurter Börsenbetreibers stimmten der Zahlung des Bußgelds zu, das die Staatsanwaltschaft Frankfurt für die Einstellung weiterer Ermittlungen gefordert hatte. Dem Deal muss das zuständige Amtsgericht Frankfurt noch zustimmen. Die Vorwürfe erstrecken sich neben der Person Kengeters auch auf das Unternehmen Deutsche Börse.

Gegen Kengeter wird wegen eines Aktiengeschäfts aus dem Dezember 2015 ermittelt - das war gut zwei Monate, bevor der geplante und letztlich gescheiterte Zusammenschluss mit der Londoner Börse (LSE) öffentlich gemacht worden war. Der Vorwurf ist, dass der Manager bereits im Sommer 2015 entsprechende Gespräche mit der LSE geführt hatte und in diesem Wissen in großem Stil Aktien der Deutschen Börse kaufte. Der Aufsichtsrat der Börse hatte die Vorwürfe als haltlos bezeichnet. (Mehr zu den Vorwürfen lesen Sie hier.)

Vertragsverlängerung bleibt unklar

Das Unternehmen teile die Vorwürfe zwar nach wie vor nicht, habe sich aber im Sinne des Unternehmenswohls dazu entschlossen. Eine Belastung durch Ermittlungsverfahren für den Konzern solle so vermieden werden. Die Ermittlungen gegen Kengeter dürften gegen Auflagen eingestellt werden, hieß es weiter vom Unternehmen.

Kengeters Zukunft als Börsenchef gilt als eng verknüpft mit dem Ausgang der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Sein Dreijahresvertrag läuft Ende März 2018 aus und wurde vom Aufsichtsrat bislang nicht verlängert. Nun hieß es von der Deutschen Börse, das Gremium entscheide erst über eine Vertragsverlängerung, wenn die Staatsanwalt ihre Ermittlungen und die Finanzaufsicht Bafin ihre Prüfung abgeschlossen hätten.

ehh/dpa/Reuters

insgesamt 14 Beiträge
MisterD 13.09.2017
1. Tolle Sache...
mit Insiderhandel wahrscheinlich 50 Millionen EUR verdient, jetzt 10 Mio EUR Strafe zahlen und noch nicht mal vorbestraft sein... vergleichbar ist das mit Betrug oder Bankraub, wo man einen Teil der Beute als Strafe bezahlt, den [...]
mit Insiderhandel wahrscheinlich 50 Millionen EUR verdient, jetzt 10 Mio EUR Strafe zahlen und noch nicht mal vorbestraft sein... vergleichbar ist das mit Betrug oder Bankraub, wo man einen Teil der Beute als Strafe bezahlt, den Rest behalten darf und dann noch nicht mal als vorbestraft gilt... ein interessantes Konzept...
gelbesvomei 13.09.2017
2. Kengeter handelt als Insider ...
und profitiert persönlich und gesetzeswidrig davon, während sein Arbeitgeber, die Deutsche-Börse-AG, die Strafe für sein Vergehen zahlt. In der echten Welt würde ich denken, dass da Geld der Aktionäre veruntreut wird - in [...]
und profitiert persönlich und gesetzeswidrig davon, während sein Arbeitgeber, die Deutsche-Börse-AG, die Strafe für sein Vergehen zahlt. In der echten Welt würde ich denken, dass da Geld der Aktionäre veruntreut wird - in der Finanzwelt gelten selbstverständlich gaaanz andere Maßstäbe ...
dereineuwe 14.09.2017
3. freigekauft?
in welch perversen gesellschaft leben wir eigentlich wenn sich schwerkriminelle mit dem geld von aktionären freikaufem lassen können? kriegt er auch noch nen dicken bonus dafür dass er nicht in den knast muss?^^
in welch perversen gesellschaft leben wir eigentlich wenn sich schwerkriminelle mit dem geld von aktionären freikaufem lassen können? kriegt er auch noch nen dicken bonus dafür dass er nicht in den knast muss?^^
malakowturm 14.09.2017
4. Seriosität der Deutschen Börse
Wenn man das Handling der Insiderverstöße der Deutschen Börse gegenüber ihrem Vorstandsvositzenden betrachtet, kommen große Zweifel an der Serosität des Börsenbeteeibers auf - das sieht eher nach arabischem Basar als [...]
Wenn man das Handling der Insiderverstöße der Deutschen Börse gegenüber ihrem Vorstandsvositzenden betrachtet, kommen große Zweifel an der Serosität des Börsenbeteeibers auf - das sieht eher nach arabischem Basar als milliardenscherwem Wertpapiermarktplatz. Die Insiderregeln sind damit nur noch ein Fall fürs WC
michael.krispin 14.09.2017
5. gilt die Zahlung einer privaten Strafe des CEO nicht als Veruntreuung?
Bin gespannt wie der Vorstand hier entlastet werden will. Die paar Millionen sollten doch Peanuts sein als Ersatz fuer einen laengerem Urlaub im Bundeshotel dieses sauberen Herren.
Bin gespannt wie der Vorstand hier entlastet werden will. Die paar Millionen sollten doch Peanuts sein als Ersatz fuer einen laengerem Urlaub im Bundeshotel dieses sauberen Herren.

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