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Wirtschaft

Spielzeughändler

Toys R Us meldet Insolvenz an

Toys R Us hat einen Insolvenzantrag eingereicht. Die US-Spielzeug-Handelskette hat hohe Schulden angehäuft und leidet unter der Onlinekonkurrenz. Die Läden bleiben aber geöffnet.

DPA

Toys R Us-Filiale auf dem Times Square in New York (2014)

Dienstag, 19.09.2017   10:38 Uhr

Der US-Spielzeughändler Toys R Us hat in den USA bei einem Gericht in Richmond Insolvenz angemeldet. Man habe Gläubigerschutz beantragt, teilte das Unternehmen am späten Montagabend mit. Zudem sei es gelungen, Zusagen über eine Finanzierung über drei Milliarden Dollar zu erhalten. Die weltweit rund 1600 Filialen blieben geöffnet, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Die neuen Kredite stellt demnach ein Konsortium unter Führung der US-Bank JP Morgan zu Verfügung, sie müssen vorrangig bedient und noch vom Gericht genehmigt werden. Vom Insolvenzantrag betroffen sind nur die Geschäfte des Konzerns in den USA und Kanada. Die einzelnen Ländergesellschaften etwa in Europa bleiben davon unberührt, teilte der Konzern mit.

Das sogenannte "Chapter 11"-Verfahren, das Toys R Us nun nutzt, dient der Sanierung eines Unternehmens - nicht der Abwicklung. Es bietet Schutz vor den Forderungen von Gläubigern, um Verbindlichkeiten neu organisieren und damit wieder schultern zu können. Der Betrieb läuft dabei weiter, in vielen Fällen überlebt ein Unternehmen auch langfristig. Ein Beispiel ist die Insolvenz des Autoherstellers General Motors im Jahr 2009.

Bereits seit Längerem war über eine Insolvenz von Toys R Us spekuliert worden. So hätten Spielzeughersteller ihre Lieferungen aus Sorge um die Zahlungsfähigkeit von Toys R Us bereits begrenzt, berichtet die "Financial Times". Die langfristigen Schulden des Konzerns belaufen sich auf fünf Milliarden Dollar. Allein im kommenden Jahr werde demnach 400 Millionen Dollar an Schulden fällig.

Toys R Us leidet vor allem unter der Konkurrenz der Onlinehändler - und unter der schon viele Jahre zurückliegenden Übernahme durch Finanzinvestoren. 2005 hatten Investoren um Bain und KKR den Konzern für 7,5 Milliarden Dollar gekauft und wie in derartigen Transaktionen üblich dem Unternehmen die Schulden aufgebürdet.

Zuletzt machte das Unternehmen im zweiten Quartal einen Verlust von 164 Millionen Dollar bei einem Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar. Am Montag hatten mit Standard & Poor's und Fitch zwei Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit des Unternehmens herabgestuft. Der 1948 gegründete US-Konzern betreibt insgesamt rund 1600 Toys R Us und Babies R Us-Märkte weltweit, davon rund 875 in den USA. In Deutschland betreibt der Konzern 66 Filialen, in Österreich 15 und in der Schweiz zehn.

Die Insolvenz in Eigenverwaltung ermöglicht dem Konzern nach US-Recht nun eine Umschuldung. Viele Einzelhändler versuchen im Insolvenzverfahren, ihre unrentablen Läden zu schließen und das Onlinegeschäft auszubauen. Auch im Falle von Toys R Us laufen die Geschäfte erst einmal weiter, die Kredite werden aber zunächst nicht mehr bedient. Alleine in diesem Jahr haben bereits mehr als ein Dutzend amerikanische Ketten wie Payless, Gymboree oder Perfumania Gläubigerschutz beantragt.

"Heute bricht eine neue Ära an", lässt sich Toys R Us-Chef Dave Brandon in der Mitteilung des Konzerns zitieren. Die Hoffnung ruht nun auf dem anstehenden Weihnachtsgeschäft, in dem der Konzern rund 40 Prozent seiner Jahresumsätze macht.

fdi/dpa-AFX

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