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Wirtschaft

Lufthansa-Chef Spohr über Air Berlin

"Wir gehen von sinkenden Ticketpreisen aus"

Steigen die Ticketpreise, wenn die Lufthansa die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin übernimmt? Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagt Nein. Von einem angeblichen Monopol könne keine Rede sein.

AFP

Lufthansa-Chef Carsten Spohr

Donnerstag, 12.10.2017   07:11 Uhr

Nach Ansicht von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr führt das Aus der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin nicht zu steigenden Ticketpreisen auf breiter Front. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus. Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte Spohr der "Rheinischen Post". Preiserhöhungen auf einzelnen Strecken schließt der Lufthansa-Chef aber nicht grundsätzlich aus.

Lufthansa werde von Air Berlin "voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren", sagte Spohr und bekräftigte damit Pläne des Unternehmens.

Kunden hatten sich zuletzt gesorgt, dass es im Zuge der Aufteilung der insolventen Airline bei innerdeutschen Flügen zu höheren Preisen kommt, da die Lufthansa durch die Übernahme Marktanteile gewinnen und so höhere Preise durchsetzen könnte.

Doch laut Spohr habe die Lufthansa weltweit einen Marktanteil von drei Prozent und in Europa von 14 Prozent. "Von einem angeblich drohenden Monopol kann keine Rede sein", sagte er. Außerdem werde man sich im Konzern mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da, wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu." Eurowings als kostengünstige Zweitmarke arbeite "eigenständig und wird alles tun, die Jets zu füllen".

Der Lufthansa-Chef kündigte zugleich ein Angebot an, "um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben". Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Knapp zwei Monate nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin wird am Donnerstag eine Entscheidung über die Aufteilung Air Berlins erwartet. Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt.

hej/dpa-AFX

insgesamt 27 Beiträge
gruebi01 12.10.2017
1. Die Ticketpreise steigen, wenn LH das Monopol zugeschanzt wird
Man vergleiche die Strecken Zürich - Hamburg oder Zürich - Hannover vor und nachdem die LH AirBerlin als Konkurrenten ausschaltete. Und so wird es auf allen Strecken kommen, auf denen der LH das Monopol von der deutschen Politik [...]
Man vergleiche die Strecken Zürich - Hamburg oder Zürich - Hannover vor und nachdem die LH AirBerlin als Konkurrenten ausschaltete. Und so wird es auf allen Strecken kommen, auf denen der LH das Monopol von der deutschen Politik zugeschanzt wird.
peter79x 12.10.2017
2.
Die Ticketpreise sind innerdeutsch bereits deutlich gestiegen, was bereits Gegenstand von Presseartikeln war. Der Umgang mit der Wahrheit ist auf Managementebene ein ganz anderer, als beim arbeitenden Volk.
Die Ticketpreise sind innerdeutsch bereits deutlich gestiegen, was bereits Gegenstand von Presseartikeln war. Der Umgang mit der Wahrheit ist auf Managementebene ein ganz anderer, als beim arbeitenden Volk.
foerster.chriss 12.10.2017
3.
Es geht nicht um Lufthansas Marktanteil in Europa und der Welt, sondern um den in Deutschland. Der dürfte auf über 90% steigen... "Eurowings als kostengünstige Zweitmarke arbeite "eigenständig und wird alles tun, [...]
Es geht nicht um Lufthansas Marktanteil in Europa und der Welt, sondern um den in Deutschland. Der dürfte auf über 90% steigen... "Eurowings als kostengünstige Zweitmarke arbeite "eigenständig und wird alles tun, die Jets zu füllen"." Vor allem wird Eurowings alles machen, mit dem sich die Rendite des gesamten Konzerns steigern lässt, also Ticket Preise erhöhen, und mitnichten die Lufthansa-Preise versauen und in Konkurrenz treten - genau so, wie es bereits praktiziert und kaum anders zu erwarten wäre. Wen will Spohr hier eigentlich verar***en?
toledo 12.10.2017
4. Wäre interessant zu erfahren
welchen Marktanteil die Lufthansa in Deutschland denn nach der Air Berlin Übernahme hat. Dieser Prozentanteil wäre wichtig. Nicht der von weltweit und Europa.. Und das eine Konzerntochter Eurowings der Lufthansa wirklich [...]
welchen Marktanteil die Lufthansa in Deutschland denn nach der Air Berlin Übernahme hat. Dieser Prozentanteil wäre wichtig. Nicht der von weltweit und Europa.. Und das eine Konzerntochter Eurowings der Lufthansa wirklich Konkurrenz macht das glaubt wohl nur Herr Spohr..
ffmfrankfurt 12.10.2017
5.
Was soll er auch anderes sagen? Soll er von sich aus zugeben, dass die Lufthansa in Bälde ein Monopol haben wird? Die ganze Übernahme von Air Berlin ist ein abgekartetes Spiel mit der Politik was mich regelrecht empört.
Was soll er auch anderes sagen? Soll er von sich aus zugeben, dass die Lufthansa in Bälde ein Monopol haben wird? Die ganze Übernahme von Air Berlin ist ein abgekartetes Spiel mit der Politik was mich regelrecht empört.

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