Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Vertragsabschluss angekündigt

Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin

Nun steht es fest: Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Lufthansa-Chef Spohr spricht von einem "großen Tag" für sein Unternehmen. Die Aktien beider Unternehmen reagieren mit Kurssprüngen.

Getty Images

Flugzeuge von Lufthansa und Air Berlin

Donnerstag, 12.10.2017   13:39 Uhr

Die Lufthansa und Air Berlin unterzeichnen nach Lufthansa-Angaben heute einen Kaufvertrag für große Teile des Unternehmens. Für 12 Uhr sei der Notartermin geplant, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Berlin. "In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in ein paar Stunden mit der Unterschrift besiegeln", sagte er. Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb war seitdem nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert.

Die Aktien beider Unternehmen reagierten mit Kurssprüngen auf die Entscheidung. Der Kurs der Lufthansa-Aktie legte am Morgen um fast drei Prozent auf 25,34 Euro zu - das war der höchste Stand seit Anfang 2001. Für die zuletzt besonders schwer gebeutelten Papiere von Air Berlin ging es in der Spitze um fast 51 Prozent nach oben.

Lufthansa werde von Air Berlin "voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren", hatte Spohr zuvor der "Rheinischen Post" bestätigt und damit die Pläne des Unternehmens bekräftigt.

Während der Übernahme wird die Lufthansa im Betrieb noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müssen. "Wir werden das irgendwie hinbekommen", sagte Spohr . Das werde aber nicht ohne "Ruckeleien" gehen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurückgeholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrtbundesamt aufwendig. Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Fotostrecke

Chronik in Bildern: Aufstieg, Sinkflug und Absturz von Air Berlin

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. "Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus. Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen", sagte er in einem Interview. Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. "Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu." Eurowings als kostengünstige Zweitmarke arbeite "eigenständig und wird alles tun, die Jets zu füllen".

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB "nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich". Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

Nachruf auf Air Berlin: Einfach eine Nummer zu groß

hej/dpa

insgesamt 75 Beiträge
Klarstellung 12.10.2017
1. Ticketpreise
Schon jetzt dominiert der Kranich auf einigen Slots und hat die Preise deftig angezogen, siehe Verbindung nach Breslau. Bin mal gespannt wie sich in nächster Zeit die Ticketpreise weiter entwickeln, schön wäre es dabei den [...]
Schon jetzt dominiert der Kranich auf einigen Slots und hat die Preise deftig angezogen, siehe Verbindung nach Breslau. Bin mal gespannt wie sich in nächster Zeit die Ticketpreise weiter entwickeln, schön wäre es dabei den Kunden mal wieder in den Mittelpunkt des Geschehens zu setzen und hier durch guten Bordservice und Pünktlichkeit zu punkten statt für Streik und Missmut zu sorgen.
joG 12.10.2017
2. Das wurde von Anfang an vermutet...
.....und befürchtet. Für Deutschland und seine Bürger ist das nicht gut, da dadurch viel weniger Konkurrenz zu höheren Preisen führt. Das sollte uns alle ärgern und ist ein sichtbares Symptom dessen, was and Deutschland [...]
.....und befürchtet. Für Deutschland und seine Bürger ist das nicht gut, da dadurch viel weniger Konkurrenz zu höheren Preisen führt. Das sollte uns alle ärgern und ist ein sichtbares Symptom dessen, was and Deutschland bezüglich seines Handelsbilanzüberschusses weltweit verurteilt wird. Es ist eine politisch geführter nicht-tariffäres Handelshemmnis der Art, wie man sie hinterlistig hier hat, so dass sie nur Fachleuten auffallen und dem Volk kaum im Gedächtnis bleiben, wenn Jubel um deutsche Fairness und Exportweltmeisterschaft gefeiert werden.
henry.miller 12.10.2017
3.
Die Lufthansa und ihre Töchter haben alles fest im Griff und auf vielen Strecken sind die Preise deutlich gestiegen. Das war ja auch eher eine gelenkte Insolvenz, direkt rüber zur LH
Die Lufthansa und ihre Töchter haben alles fest im Griff und auf vielen Strecken sind die Preise deutlich gestiegen. Das war ja auch eher eine gelenkte Insolvenz, direkt rüber zur LH
lollipoppey 12.10.2017
4. Stillschweigen
Jetzt fühlen sich die bestätigt, die sich vorab bereits beschwert hatten, dass die Lufthansa als Käufer von AirBerlin bereits feststand. Das ganze Verkaufsverfahren ist so unaufgeregt und stillschweigend über die Bühne [...]
Jetzt fühlen sich die bestätigt, die sich vorab bereits beschwert hatten, dass die Lufthansa als Käufer von AirBerlin bereits feststand. Das ganze Verkaufsverfahren ist so unaufgeregt und stillschweigend über die Bühne gelaufen, dass es einen aufgrund des großen Interesses an AirBerlin mit unterschiedlichsten Käufern schon wundert. Wo ist die Monopolkommission, die sich im Vorlauf so kritisch zu einer Übernahme durch die Lufthansa äußerte? Für den Kunden wird es am Schalter zukünftg wahrsscheinlich teurer. Für den Verbraucher ist es daher sicherlich nicht die beste Lösung.
thomas0815-1 12.10.2017
5. Glückwunsch
Die Aktionäre werden Freudensprünge machen. Wen interessieren dann noch ver...alberte PAXe (gestern war im SPON von ca. 190000 zu lesen, deren Tickets verfallen, ohne Ersatz) und tausende Mitarbeiter die ihre Jobs verlieren bzw. [...]
Die Aktionäre werden Freudensprünge machen. Wen interessieren dann noch ver...alberte PAXe (gestern war im SPON von ca. 190000 zu lesen, deren Tickets verfallen, ohne Ersatz) und tausende Mitarbeiter die ihre Jobs verlieren bzw. die Gnade erhalten bei LH/EW, zu wesentlich schlechteren Konditionen, arbeiten zu dürfen. Jetzt müssteceigentlich nur noch die LH in eine Steueroase verlegt werden (wie wäre es mit Irland - zwei Fliegen mit einer Klappe...) und dann wäre alles im Sinne des Profite optimal. Für alle die das gut finden: ja ich weiß, das soll Marktwirtschaft sein, mit sozial hat das aber nichts mehr zu tun. Und "frei" ist diese auch nicht mehr, es war ein abgekatertes Spiel. Es ist dann doch Raubtierkapitalismus.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP