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Wirtschaft

US-Technologiefirmen

Ebay und Netflix sollen bei Steuern getrickst haben

Ebay und Netflix erwirtschafteten 2016 Milliarden, sollen in Großbritannien laut einem Bericht jedoch nur 1,9 Millionen Euro Steuern gezahlt haben. Ihr internationales Unternehmensgeflecht steckt dahinter.

DPA

Ebay Hauptsitz San Jose, Kalifornien

Donnerstag, 12.10.2017   17:47 Uhr

Der US-Handelskonzern Ebay hat 2016 laut einem Bericht umgerechnet 1,8 Millionen Euro Steuern im Vereinigten Königreich gezahlt. Zuvor habe Ebay seinen Aktionären gegenüber angegeben, dort umgerechnet 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet zu haben, berichtet die britische "Financial Times" ("FT") . Im britischen Handelsregister waren demnach jedoch nur ein Umsatz von 222 Millionen und ein Gewinn von 8,4 Millionen Euro vermerkt.

Erklären lässt sich der Unterschied von fast 900 Millionen Euro Umsatz laut Zeitung wohl durch die geschickte Verrechnungen zwischen Tochterfirmen, die das US-Handelsunternehmen in verschiedenen Ländern betreibt. Demnach könnten Gebühren eine Rolle spielen, die Ebay für Verkäufe im Vereinigten Königreich bekommt - die allerdings in der dortigen Steuererklärung nicht auftauchen, sondern ausschließlich in die Bilanz des Mutterkonzernes eingehen. Ebay Chart zeigen erklärte dagegen laut "FT", dass die zusätzlichen Einnahmen aus Marketing- und Werbeleistungen für die schweizerische Geschäftseinheit des Konzerns stammen.

Ähnlich geschickt versteuert dem Bericht zufolge der Streaming-Dienstleister Netflix seine Gewinne - und zahlte 2016 weniger als 200.000 Euro an den britischen Staat. Mit seinen 6,5 Millionen Abonnenten dürfte Netflix Chart zeigen 2016 im Vereinigten Königreich etwa 440 Millionen Euro umgesetzt haben, schätzt eine Londoner Analysefirma, auf die sich die "FT" beruft.

Der britische Steuerbericht führt den Angaben zufolge allerdings nur ein Zwanzigstel der genannten Summe auf, umgerechnet 22 Millionen Euro Umsatz. Wie die "FT" berichtet, verbucht die US-Firma britische Einnahmen über eine Tochtergesellschaft in den Niederlanden und senkte ihre Steuern in Großbritannien um 39 Prozent zum Vorjahr.

"Es ist die gleiche Debatte, die wir mit Facebook, Google, Airbnb und Uber haben", zitiert das Blatt einen britischen Steueranwalt. Ebay und Netflix seien bloß Beispiele für das, was auch andere US-Technologiefirmen tun, um ihre Steuern so niedrig wie möglich zu halten.

Die britische Regierung versucht seit 2015, mit der sogenannten Google-Steuer Unternehmen daran zu hindern, sich vor Abgaben zu drücken. Gewinne, die ins Ausland abgeführt werden, sollen so mit 25 statt der üblichen 19 Prozent belastet werden.

Ebay teilte "FT" mit, an allen seinen Standorten die dort geltenden Steuergesetze einzuhalten. Netflix äußerte sich gegenüber "FT" nicht zu den geschätzten Umsatzzahlen und verwies demnach auf die für die Steuerbemessung herangezogenen Zahlen.

ire

insgesamt 1 Beitrag
lathea 12.10.2017
1. Hätten wir ein EU-Finanzministerium, das.....
.......für die steuerliche Erfassung und Veranlagung aller steuerpflichtigen Firmen zuständig wäre, die in den meisten EU-Staaten tätig werden, und hätten wir in der EU eine einheitliche Unterbehnensbesteuerung, dann hätten [...]
.......für die steuerliche Erfassung und Veranlagung aller steuerpflichtigen Firmen zuständig wäre, die in den meisten EU-Staaten tätig werden, und hätten wir in der EU eine einheitliche Unterbehnensbesteuerung, dann hätten wir mit Internetriesen ganz wenige Probleme und viel mehr Geld in der EU-Kasse. Wie diese Firmen nach dem Brexit in UK besteuert werden würden, könnte uns dann auch egal sein

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