Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Drohende Haft für Drogeriekönig

Schlecker zahlt Millionen an Insolvenzverwalter

Der Strafprozess gegen Anton Schlecker neigt sich dem Ende. Der wegen des Bankrotts seiner Drogeriekette angeklagte Unternehmer will offenbar eine Gefängnisstrafe noch verhindern.

DPA

Anton Schlecker

Montag, 13.11.2017   15:22 Uhr

Im Strafprozess um die Pleite der Drogeriemarktkette Schlecker vor dem Stuttgarter Landgericht haben Unternehmer Anton Schlecker und seine Kinder ausgesagt, mehrere Millionen Euro an Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz gezahlt zu haben. Womöglich um die Kammer milde zu stimmen, flossen insgesamt vier Millionen Euro.

Die zusammen mit ihrem Vater angeklagten Kinder Lars und Meike steuerten je eine Million Euro bei, Schleckers Frau überwies auf Bitten ihres Mannes zwei Millionen Euro. Er selbst, sagte Anton Schlecker, habe durch die Insolvenz sein gesamtes Vermögen verloren. Laut "Bild"-Zeitung entschuldigte er sich im Prozess auch erstmals bei seinen Mitarbeitern. Er sagte demnach: "Ich bedauere die Insolvenz meines Unternehmens, insbesondere für meine früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Lars Schlecker sprach in einer persönlichen Erklärung von Schadenswiedergutmachung - sagte aber erneut auch, noch kurz vor der Insolvenz nicht im Geringsten mit einer Überschuldung gerechnet zu haben. Den beiden Kindern gehörte die Logistikfirma LDG.

Der Firmengründer muss sich in dem Strafprozess wegen Insolvenzverschleppung verantworten. Er soll von 2010 bis Anfang 2012 mehr als 25 Millionen Euro aus der Firma gezogen und an seine Familie verlagert haben, obwohl er dies wegen drohender Zahlungsunfähigkeit nicht hätte tun dürfen. Schlecker bestreitet das.

Fotostrecke

Prozess gegen Anton Schlecker: Plötzlich im Rampenlicht

2013 hatte die Familie schon einmal gut zehn Millionen Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt. Das Geld fließt in die Insolvenzmasse, insgesamt haben die Gläubiger inzwischen mehr als eine Milliarde Euro an Forderungen angemeldet. Einen Teil davon will der Verwalter über Schadensersatzklagen gegen einstige Lieferanten eintreiben.

Entscheidend für die Frage der Schuld ist, ab wann genau Schlecker die Zahlungsunfähigkeit drohte. Die Kürzung der Vorwurfsliste hatte für den 73-Jährigen bereits darauf hingedeutet, dass eine Verurteilung wahrscheinlicher wird. Selbst die Verteidigung hatte eingeräumt, dass die Pleite im Frühjahr 2011 wohl absehbar war - die Anklage geht von einem noch früheren Termin aus.

apr/dpa

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP