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Wirtschaft

Dieselskandal

Inhaftierter Audi-Ingenieur siegt vor Gericht

Seit mehr als vier Monaten sitzt Giovanni P. in Untersuchungshaft - er soll eine Schlüsselrolle in der Abgasaffäre gespielt haben. Nun könnte er bald auf freien Fuß kommen.

picture alliance / Julian Strate

Audi-Logo

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Montag, 13.11.2017   14:59 Uhr

Der Ingenieur war als langjähriger Chef der Thermodynamik bei Audi an der Entwicklung jener Dieselmotoren beteiligt, deren Abgaswerte im VW-Konzern über Jahre manipuliert wurden. Anfang Juli dieses Jahres wurde er festgenommen, seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt in München-Stadelheim in Untersuchungshaft.

In den Vernehmungen durch die Staatsanwaltschaft soll P. mehrere Vorgesetzte schwer belastet haben. Seine Verteidiger sehen ihn als Bauernopfer. Im September hatte das Landgericht München den Haftbefehl gegen P. gegen Zahlung von 80.000 Euro Kaution und Abgabe seines Passes aufgehoben, die Staatsanwaltschaft hatte dagegen allerdings Beschwerde eingelegt. Jetzt hat das Oberlandesgericht entschieden, dass der Beschluss der ersten Instanz Bestand hat, die Einwände der Strafverfolger seien unbegründet.

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"Unser Mandant hat von Anfang an keine Zweifel daran gelassen, dass er sich dem Verfahren stellt und seinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts leistet", erklärten seine Verteidiger Walter Lechner und Klaus Schroth. "Dem hat der zweite Senat des Oberlandesgerichts München mit seinem Beschluss nun Rechnung getragen."

Auf freien Fuß kommt P. aber noch nicht. Der Ingenieur wird auch von amerikanischen Behörden verfolgt, die einen Auslieferungshaftbefehl erwirkt haben. In den nächsten Wochen dürfte der erste Senat des Oberlandesgerichts entscheiden, ob auch dieser Haftbefehl außer Kraft gesetzt wird.

Die Aussagen des Audi-Ingenieurs dürften auch dazu beigetragen haben, dass vor einigen Wochen erstmals ein ehemaliger Vorstand wegen seiner möglichen Rolle in dem Dieselskandal verhaftet wurde, der ehemalige Chef der Motorenentwicklung Wolfgang Hatz. Er gilt als Vertrauter von Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und wird nun wie P. von der Staatsanwaltschaft vernommen.

Der Anwalt von Hatz weist die Betrugsvorwürfe zurück: Die gegenüber Hatz erhobenen Vorwürfe seien falsch. Er mutmaßt, der einzige Belastungszeuge in dieser Sache beschuldige seinen Mandanten nur, um selbst aus der Haft herauszukommen.

Die Diesel-Affäre hat den VW-Konzern bislang rund 25 Milliarden Euro gekostet, in Deutschland ermitteln die Staatsanwaltschaften in Braunschweig, München und Stuttgart gegen Mitarbeiter und Manager des Konzerns.

insgesamt 8 Beiträge
INGXXL 13.11.2017
1. Hier wurde doch nur ein Mitarbeiter
aus der 3. Führungsebene angeklagt. Ein typisches Bauern Opfer
aus der 3. Führungsebene angeklagt. Ein typisches Bauern Opfer
Jacky Thrilla 13.11.2017
2. Siescher, siescher ...
Der Ingenieur hat vollkommen eigenmächtig und ohne das Wissen der höheren Managementebenen gehandelt. Frei nach dem Motto: "Warum leckt sich der Kater seine Eier? Weil er's kann!". So hat der Ingenieur sich gedacht, [...]
Der Ingenieur hat vollkommen eigenmächtig und ohne das Wissen der höheren Managementebenen gehandelt. Frei nach dem Motto: "Warum leckt sich der Kater seine Eier? Weil er's kann!". So hat der Ingenieur sich gedacht, dass man einfach - weil man's kann und ohne Auftrag von weiter oben - eine Abschaltautomatik/Steuerelektronik zum Beschumsen einbaut. Wer das glaubt, glaubt alles. Der Weihnachtsmann rauscht mit drölfzigfacher Lichtgeschwindigkeit durch die Gegend, um in einer Nacht, jedem Kind auf der Welt seine Geschenke zu bringen. Weil er's kann! Es wird doch immer argumentiert, das Manager- und Vorstandsgehälter so hoch sind, weil diese Leute eben auch in der Verantwortung stehen. Anscheinend nur, wenn es darum geht, Boni zu kassieren, nicht aber, wenn es um Betrug geht. Wann sitzt denn endlich mal einer vom Format eines Winterkorn ein? Ach so, an die kommt man ja nicht ran... Was würden so Leute ohne den guten alten Sündenbock machen?!
spon-facebook-10000132861 13.11.2017
3. man sollte noch weiter oben ansetzen...
Gerüchten zu Folge war es die Politik selber, die auf die Idee kam, unrealistisch niedrige Grenzwerte vorzuschreiben (niedriger als in Innenräumen vorgeschrieben), um so ausländische Konkurrenz vom Markt fernzuhalten (da man [...]
Gerüchten zu Folge war es die Politik selber, die auf die Idee kam, unrealistisch niedrige Grenzwerte vorzuschreiben (niedriger als in Innenräumen vorgeschrieben), um so ausländische Konkurrenz vom Markt fernzuhalten (da man gleichzeitig den eigenen Herstellern zu Verstehen gibt, dass man nicht genau hinschauen werde). Und dann ging das top-down. Warum sonst ist die Politik so ruhig? Alle anderen, auch die Ausländer, nachdem sie es begriffen haben, haben dann auch kräftig mitgeschummelt. VW ist sogar der sauberste aller Hersteller! Aber wenn man die Anderen jetzt anklagen würde, dann könnten weitere unliebsame Details ans Tageslicht kommen.
Peter Meyer01 13.11.2017
4. Schlupfloch
Man streitet es heute ab, aber die Politik war es, die ein Schlupfloch gelassen hatte: Die Fahrzeuge mussten einen 'unrealistisch' tiefen Wert erfüllen. Im Labor. Bei einer genau definierten Drehzahl etc. Das taten sie dann [...]
Zitat von spon-facebook-10000132861Gerüchten zu Folge war es die Politik selber, die auf die Idee kam, unrealistisch niedrige Grenzwerte vorzuschreiben (niedriger als in Innenräumen vorgeschrieben), um so ausländische Konkurrenz vom Markt fernzuhalten (da man gleichzeitig den eigenen Herstellern zu Verstehen gibt, dass man nicht genau hinschauen werde). Und dann ging das top-down. Warum sonst ist die Politik so ruhig? Alle anderen, auch die Ausländer, nachdem sie es begriffen haben, haben dann auch kräftig mitgeschummelt. VW ist sogar der sauberste aller Hersteller! Aber wenn man die Anderen jetzt anklagen würde, dann könnten weitere unliebsame Details ans Tageslicht kommen.
Man streitet es heute ab, aber die Politik war es, die ein Schlupfloch gelassen hatte: Die Fahrzeuge mussten einen 'unrealistisch' tiefen Wert erfüllen. Im Labor. Bei einer genau definierten Drehzahl etc. Das taten sie dann auch. Über realen Straßenbetrieb war ja nichts vorgeschrieben. Und so hat man das zwischen Industrie und Politik absichtlich gestaltet, so konnten alle glücklich sein: Die Politik tat was für die Umwelt, die Industrie erfüllte es und konnte verkaufen, die Kunden konnten dickere Autos ordern als 2-Zylinder 500 kg Sparmobile.
spontanistin 13.11.2017
5. Erfüllungsgehilfe!
Ein Personal–, Produktions– oder Finanzvorstand dürfte kaum die Technikkompetenz benötigen, um technische „Verbesserungen“ eines Verbrennungsmotors kompetent beurteilen zu können. Aber der Technik– und Entwicklungsvorstand [...]
Ein Personal–, Produktions– oder Finanzvorstand dürfte kaum die Technikkompetenz benötigen, um technische „Verbesserungen“ eines Verbrennungsmotors kompetent beurteilen zu können. Aber der Technik– und Entwicklungsvorstand sollte schon wissen und beurteilen können, was da nun durch seine Entwickler optimiert wurde. Wozu braucht man ihn sonst? An jedem Motorprüfstand kann er sich die Abgaswerte demonstrieren lassen, die durch nachgeschaltete Abgasaufbereitungssysteme gesetzeskonform zu minimieren sind. Verbrennungsmotortechnik und Abgasaufbereitung ist weder Hexenwerk noch rocket science. Skrupellos und feige, eine tolle Kernkompetenz–Mischung unserer Topmanager.

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