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Wirtschaft

Exportboom

Deutsche Wirtschaft wächst noch stärker als gedacht

Der Handel mit dem Ausland floriert, die Unternehmen investieren mehr: Im dritten Quartal hat sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft beschleunigt. Nahrungsmittel werden deutlich teurer.

DPA

Mitarbeiter des Maschinenbauers Schuler

Dienstag, 14.11.2017   12:58 Uhr

Die deutsche Wirtschaft hat ihren Aufschwung im dritten Quartal überraschend beschleunigt. Steigende Exporte und höhere Investitionen ließen das Bruttoinlandsprodukt von Juli bis September um 0,8 Prozent wachsen, teilte das Statistische Bundesamt in einer Schätzung mit. Ökonomen hatten mit lediglich 0,6 Prozent gerechnet - auf diese Rate war das Wachstum im zweiten Vierteljahr gefallen, nachdem zum Jahresbeginn noch 0,9 Prozent erreicht worden waren.

Impulse brachte in den Sommermonaten nach Angaben der Wiesbadener Behörde unter anderem der internationale Handel. "Die Exporte legten im dritten Quartal stärker zu als die Importe", betonte das Statistikamt. Grund ist die verbesserte Weltkonjunktur und der Aufschwung in der Eurozone. Im Vertrauen auf anhaltend gute Geschäfte investierten die Unternehmen mehr, vor allem in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge.

Die Unternehmen waren laut Ifo-Institut zuletzt so zuversichtlich wie nie zuvor. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat ein neues Allzeithoch erreicht", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest jüngst. "Die deutsche Wirtschaft steht unter Volldampf."

Dagegen lagen die staatlichen und privaten Konsumausgaben in etwa auf dem Niveau des Vorquartals. Die Verbraucher sind angesichts der historisch günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und der Zinsflaute zwar weiter in Kauflaune. Zuletzt hatte allerdings nach Angaben der GfK-Konsumforscher der Anstieg der Inflation die Stimmung etwas gedämpft.

Ökonomen erwarten anhaltenden Aufschwung

Das könnte sich nun wieder ändern: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Oktober gesunken. Waren und Dienstleistungen kosteten laut Statistischem Bundesamt nach endgültigen Berechnungen im Schnitt nur noch 1,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Dies ist der niedrigste Wert seit Juni. Im August und September lag die Teuerungsrate noch bei jeweils 1,8 Prozent.

Verantwortlich für den Rückgang sind vor allem die Energiepreise. Sie erhöhten sich mit 1,2 Prozent weniger als halb so stark wie im Vormonat. Preistreiber hingegen waren erneut Nahrungsmittel: Für sie mussten Verbraucher 4,3 Prozent mehr bezahlen als im Oktober 2016 - das ist der kräftigste Anstieg seit acht Monaten. Dies spüren Konsumenten vor allem bei Butter, die sich um 54 Prozent verteuerte.

Nach Einschätzung von Ökonomen wird sich der ungewöhnlich lange Aufschwung in Europas größter Volkswirtschaft in der nächsten Zeit fortsetzen. Im Vergleich zum dritten Quartal 2016 wuchs Europas größte Volkswirtschaft um 2,3 Prozent. Zahlreiche Bank-Volkswirte und Wirtschaftsforscher haben ihre Konjunkturprognosen heraufgesetzt. So trauen beispielsweise die "Wirtschaftsweisen" Deutschland 2017 ein Wachstum von 2,0 Prozent und im kommenden Jahr von 2,2 Prozent zu.

kig/Reuters/dpa

insgesamt 114 Beiträge
Gartenweg 14.11.2017
1. Toll!
Ist ja schön für die Wirtschaft, dass sie wächst. Das bedeutet aber nicht, dass es den Menschen in diesem Land einen Deut besser geht.
Ist ja schön für die Wirtschaft, dass sie wächst. Das bedeutet aber nicht, dass es den Menschen in diesem Land einen Deut besser geht.
FinWir.de 14.11.2017
2. Exporterfolg auf dem Rücken der Beschäftigten?
Haben sich denn die Lohnentwicklungen inzwischen an dem Produktivitätszuwachs angeglichen und die letzten 20 Jahre aufgeholt? Immerhin ist die Produktivität um 40 Prozent seit 2000 gewachsen, dann sollten die Reallöhne ja auch [...]
Haben sich denn die Lohnentwicklungen inzwischen an dem Produktivitätszuwachs angeglichen und die letzten 20 Jahre aufgeholt? Immerhin ist die Produktivität um 40 Prozent seit 2000 gewachsen, dann sollten die Reallöhne ja auch in einem ähnlichen Umfang gewachsen sein.
ohnefilter 14.11.2017
3.
Geht's auch mal ohne Egoismus? Immer soll es allen besser gehen. Man muss auch mal zugunsten der Gemeinschaft zurückstecken.
Zitat von GartenwegIst ja schön für die Wirtschaft, dass sie wächst. Das bedeutet aber nicht, dass es den Menschen in diesem Land einen Deut besser geht.
Geht's auch mal ohne Egoismus? Immer soll es allen besser gehen. Man muss auch mal zugunsten der Gemeinschaft zurückstecken.
chillshock 14.11.2017
4. Auf Kosten der Arbeitnehmer...
Auf der einen Seite brummt die Wirtschaft, auf der anderen stehen die Millionen von Arbeitnehmern in prekären Arbeitsverhältnissen, Kettenbefristungen ("Sie können ja auf Entfristung klagen!") und Abstiegs- und [...]
Auf der einen Seite brummt die Wirtschaft, auf der anderen stehen die Millionen von Arbeitnehmern in prekären Arbeitsverhältnissen, Kettenbefristungen ("Sie können ja auf Entfristung klagen!") und Abstiegs- und Verlustängsten unter Bezahlungen, die absehbar in H4-Rente enden... Aber Hauptsache der neuen Religion "die Wirtschaft" geht es gut...
ofmuc 14.11.2017
5. Ist ja schön für die Unternehmen
Nur geht der BOOM am Ottonormalverbraucher völlig vorbei. Mehr Jobs? Ja vielleicht, aber meist nur befristet oder über Dienstleister. Befinde mich selbst in diesem Dilemma. Bin im Ingenieursbereich tätig und schlage mich [...]
Nur geht der BOOM am Ottonormalverbraucher völlig vorbei. Mehr Jobs? Ja vielleicht, aber meist nur befristet oder über Dienstleister. Befinde mich selbst in diesem Dilemma. Bin im Ingenieursbereich tätig und schlage mich seid fast 7 Jahren bei Dienstleistern durch, die mich an Global Player in der Pharmabranche verleihen (für mich eine Art moderne Prostitution). Festvertrag?-> Fehlanzeige. Ist nur möglich wenn man bereit ist seine bestehende Existenz aufgibt und den Wohnort wechselt. Also Eigentum aufgeben, Freunde und Familie verlassen, Kinder von der Schule nehmen, Frau soll sich dann auch nen neuen Job suchen, weil es so von den Unternehmen und der fortschrittlichen Wirtschaft gewollt ist. Ist doch toll der BOOM (für die Gewinne und Überschüsse der Unternehmen). Aber noch schöner wäre es doch wenn man aufgrund des BOOMS eine planbare Existenz und Sicherheit für sich und seine Liebsten damit aufbauen könnte und nicht mit Existenzängsten in eine Depression rutschen würde!... Und da wundert man sich tatsächlich über den (pseudo) Fachkräftemangel.

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