21.06.2010
KfW-Studie
Deutsche machen sich vor allem aus Verzweiflung selbständig
Förderbank KfW: Ein Viertel der Neugründungen verschwindet spätestens nach drei Jahren
Frankfurt am Main - Zum ersten Mal seit 2003 haben im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen in Deutschland den Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Das geht aus einer Studie der Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hervor. Insgesamt gründeten 872.000 Menschen ein Unternehmen. Dies entspricht einem Zuwachs um zehn Prozent im Vergleich zu 2008.
Der Anstieg ist laut Studie zu großen Teilen auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen. So war jeder fünfte Unternehmensgründer zuvor arbeitslos. In der Gruppe derjenigen, die ihre Selbständigkeit zum Vollerwerb starteten, war sogar jeder Zweite zuvor langzeitarbeitslos. Der Studie zufolge kam es zu diesen Gründungen oft aus Verzweiflung, weil nur noch wenig Hoffnung auf eine abhängige Beschäftigung bestand. Zudem habe die Krise viele sogenannte Chancengründer hervorgebracht.
So gab jeder fünfte Befragte an, nur dank der wirtschaftlich schwierigen Lage auf eine Geschäftsidee gekommen zu sein. "Die Krise hat über unterschiedliche Kanäle die Gründungsaktivitäten belebt, wobei sie auch Impulsgeber für die Umsetzung vielversprechender Gründungsprojekte war", sagte KfW-Vorstandsmitglied Axel Nawrath. Wirtschaftliche Krisen gäben Menschen immer wieder Anlass, über ihre beruflichen Perspektiven nachzudenken, erklärte die Förderbank.
Die Überlebenszeit vieler Neugründungen ist der KfW zufolge aber weiterhin gering. Rund ein Viertel der Gründungen sei nach spätestens drei Jahren wieder verschwunden. Besonders oft treffe es die Kleinstgründungen. Im Schnitt schufen die Existenzgründer fast 1,7 Vollzeitstellen. So entstanden im vergangenen Jahr Hunderttausende Arbeitsplätze, die zusammen gut eine halbe Million Vollzeitjobs ergaben.
fdi/dpa-AFX/Reuters/AFP
