20.12.2010
Ernst & Young
Wirtschaftsprüfern droht Klage wegen Lehman-Pleite
Ex-Lehman-Zentrale in New York: Anklage könnte sehr bald erfolgen
New York - Die Pleite der US-Skandalbank Lehman Brothers könnte für die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young ein böses Nachspiel haben: Mehr als zwei Jahre nach dem folgenschweren Kollaps stehe der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo kurz vor der Veröffentlichung einer Anklage, berichtet das "Wall Street Journal". Er will Ernst & Young demnach dafür belangen, dass die Buchprüfer die Bilanzierungstricks von Lehman haben durchgehen lassen.
Lehman hatte sich mit umstrittenen Geldgeschäften namens "Repo 105" schöngerechnet und dadurch die wahre Finanzlage verschleiert, die am Ende in die Pleite führte. Ein Sonderermittler war dem Treiben im Nachhinein auf die Schliche gekommen und hatte die Verfehlungen im März diesen Jahres öffentlich gemacht.
Sonderermittler Anton Valukas hatte bereits damals Ernst & Young scharf kritisiert. Nach Informationen des "Wall Street Journals" könnte die Anklage nun diese Woche erfolgen, wenn sich Ernst & Young nicht vorher mit den Ermittlern auf einen Vergleich einigt. Es wäre das erste Mal, dass eine der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften für ihre Rolle in der Finanzkrise belangt wird.
Lehman hatte am 15. September 2008 nach 158 Jahren Insolvenz anmelden müssen. Die Investmentbank hatte sich massiv am US-Hypothekenmarkt verspekuliert - und löste mit ihrer Pleite die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg aus.
Ernst & Young hatte Lehman Brothers über Jahre eine saubere Buchführung attestiert. Die Investmentbank war einer der größten Kunden der Wirtschaftsprüfer. Die Bank of America
hatte ähnliche Bilanzierungstricks wie Lehman benutzt und steht nun ebenfalls unter Beobachtung. Sie musste vom Steuerzahler mit 45 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die Hilfen sind allerdings wieder zurückgeflossen.
yes/dpa-AFX
