05.01.2011
Blamage
Infineon muss geschasstem Chef 560.000 Euro pro Jahr zahlen
Ulrich Schumacher: Beim Börsengang von Infineon im Jahr 2000 war die Stimmung noch gut
Hamburg - Es war eine jahrelange Schlammschlacht. Doch inzwischen haben sich der Top-Manager Ulrich Schumacher und sein Ex-Arbeitgeber Infineon offenbar auf ein teures Ende geeinigt. Der Chip-Konzern und sein ehemaliger Chef vereinbarten am 23. Dezember 2010 einen Vergleich. Dieser garantiert dem 52-Jährigen ein Ruhegehalt von 560.000 Euro pro Jahr ab 2018.
Die Einigung ergibt sich nach Informationen der "Financial Times Deutschland" aus der Einladung zur Hauptversammlung, die der Konzern am Dienstag im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichte. Die Hauptversammlung Mitte Februar muss der Vereinbarung allerdings noch zustimmen.
Für Schumacher, der bis vergangenen Herbst den chinesischen Chip-Hersteller Grace Semiconductor geleitet hat, ist der Vergleich mit dem Dax-Konzern ein Triumph im Kampf um die eigene Reputation und gegen seine früheren Rivalen bei Infineon. Der öffentlichkeitsbewusste Manager musste den Halbleiterkonzern 2004 nach einem Putsch dreier Vorstandskollegen rund um den heutigen Konzernchef Peter Bauer verlassen.
Für den Chip-Hersteller bedeutet die Einigung dagegen eine schwere Schlappe. Eigentlich hatte Infineon Schadensersatz von Schumacher für angebliche Pflichtverletzungen wie Bestechlichkeit und Untreue gefordert. Das Gerichtsverfahren war im Herbst 2009 eingestellt worden. Noch im Februar 2010 reichte der Münchner Konzern einen Mahnbescheid vor Gericht ein, damit die Forderungen nicht verjähren. Jetzt muss er zahlen.
Schumacher hatte nach seinem Ausscheiden die Auszahlung seiner restlichen 2,625 Millionen Euro Abfindung plus Zinsen verlangt. Mit dem Vergleich erledigen sich alle gegenseitigen Ansprüche. Das heißt auch: Schumacher nimmt alle Klagen gegen den Halbleiterkonzern zurück und verzichtet auf alle weitergehenden Forderungen.
böl
