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18.07.2011
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Machtkampf bei Media-Saturn

Streit ist geil

Von Maria Marquart
Klein gegen groß: Media-Markt-Gründer legt sich mit Metro an
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dapd

Die Elektronikkette Media-Saturn ist sehr erfolgreich. Noch. Denn zwischen Firmengründer Erich Kellerhals und Haupteigentümer Metro tobt ein erbitterter Machtkampf - öffentliche Lästereien und Indiskretionen inklusive. Nun soll ein Gericht entscheiden, wer künftig das Sagen hat.

Hamburg - Erich Kellerhals ist stolz auf das, was er geleistet hat. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Leopold Stiefel hat er Media Markt aus dem Boden gestampft. Die Unternehmensphilosophie hat Stiefel zu Papier gebracht, damit jeder Geschäftsführer sie nachlesen kann. In der "Media-Markt-Bibel" steht: "Führen heißt: andere groß machen und sich selbst klein."

Doch wenn es um die Macht bei der Elektronikkette Media-Saturn geht, zu der Media Markt gehört, lautet das Motto: Die Kleinen machen sich ganz groß. Die Altgesellschafter Kellerhals und Stiefel halten zusammen nur rund 25 Prozent an dem Unternehmen. Doch sie haben sich ein Vetorecht gesichert - und können den Haupteigentümer Metro bei wichtigen Geschäftsentscheidungen ausbremsen.

Mit juristischen Winkelzügen will der Handelskonzern nun die Macht der Firmengründer brechen. Denn er sieht sich bei wichtigen Entscheidungen - etwa über die Online-Strategie - blockiert. Die Gründer wiederum sehen ihr Lebenswerk in Gefahr.

Der Zoff um die Vorherrschaft bei der Elektronikkette wird in aller Öffentlichkeit geführt und landet nun vor Gericht. Kellerhals klagt gegen den Handelsriesen Metro - Stiefel schlägt sich dabei öffentlich auf seine Seite. Ab Dienstag muss sich das Landgericht Ingolstadt, dem Sitz der Media-Saturn-Holding, mit dem Fall befassen.

Die Richter werden sich mit komplizierten Vertragsklauseln beschäftigen müssen. Doch in dem Machtkampf geht es um viel mehr als Sperrminoritäten. Es geht um den Streit über die richtige Strategie für das Unternehmen - und um Eitelkeiten unter Alpha-Männern.

"Unser Lebenswerk ist bedroht"

Kellerhals will sich auch mit 71 Jahren nicht zur Ruhe setzen. Der gewiefte Unternehmer startete zusammen mit seiner Frau mit einem Elektro-Fachgeschäft in Ingolstadt. Inzwischen werden die beiden mit einem Milliardenvermögen zu den reichsten Deutschen gezählt. Als Kellerhals expandierte, holte er Stiefel ins Boot. Auch er ist kein Manager, der sich mit 66 Jahren zur Ruhe setzen will.

"Wir wollen einfach unser Geschäft weiterführen", sagte Stiefel kürzlich dem SPIEGEL. "Frühere Metro-Chefs haben uns immer versichert, dass Media-Saturn ohne uns nie so groß geworden wäre." Metro Chart zeigen aber wolle nun "durchregieren, ohne uns noch fragen zu müssen". Und sein Kompagnon Kellerhals ergänzte: "Unser Lebenswerk ist bedroht."

Und darum geht es im Detail: Mit einem Anteil von rund 75 Prozent beherrscht Metro die Media-Saturn-Holding. Kellerhals hält noch 21,6 Prozent, zusammen mit Stiefels Anteilen kommen die beiden Unternehmer auf rund 25 Prozent. Doch eine Klausel im Gesellschaftsvertrag gewährt ihnen bei Beschlüssen ein Vetorecht. Denn für wesentliche Entscheidungen braucht es laut Satzung eine Mehrheit von 80 Prozent.

Doch Metro-Juristen fanden in den Vertragsunterlagen Passagen über die Möglichkeit eines Beirats. Metro-Chef Eckhard Cordes sieht darin die Chance, die Sperrminorität der Altgesellschafter auszuhebeln. Ein Beirat soll die Gesellschafterversammlung ersetzen, dann könnten Beschlüsse mit einfacher Mehrheit gefasst werden. Darauf will sich Kellerhals nicht einlassen und klagt. Durch Rechtsgutachten renommierter Kanzleien lassen sich beide Seiten jeweils ihre Sicht der Dinge bestätigen. Entscheiden soll nun das Gericht.

Media-Saturn hat den Sprung ins Internet schlicht verpennt

Die Erfahrungen der beiden Gründer wolle man ja gern noch nutzen, heißt es im Umfeld von Metro. Doch dass Kellerhals und Stiefel die Trends im knallharten Handelsgeschäft erkennen, daran zweifelt man bei dem Konzern.

Media-Saturn ist eine Erfolgsgeschichte. Bislang. Für die Kette arbeiten 70.000 Menschen, mit knapp 900 Filialen in 16 Ländern machte das Unternehmen im vergangenen Jahr mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz. Doch in den vergangenen Monaten seien die Geschäfte nicht mehr so gut gelaufen, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Der Umsatz sei zurückgegangen.

Die größte Baustelle bei Media-Saturn ist das Online-Geschäft. Bis Frühjahr dieses Jahres gab es praktisch keins. Im März kaufte die Metro-Tochter dann den Online-Händler Redcoon. Doch weder Media Markt noch Saturn vertreiben bisher Waren über das Internet - während Konkurrenten längst kräftig Kasse machen. Für den größten europäischen Elektronikhändler ist das blamabel.

Um wachsen zu können, brauche es schnelle Abstimmungsprozesse, sagte Metro-Chef Eckhard Cordes der "Welt am Sonntag". "Die derzeitigen Stimmverhältnisse in der Gesellschafterversammlung haben zum Beispiel bei der Internetstrategie zu Verzögerungen geführt."

Metro-Verbündete lästern über die Blockierer

Dass die Tochterfirma den Online-Trend verschlafen habe, liege auch an Gründer Kellerhals, heißt es im Umfeld von Metro. Bei ihm sei das Thema Internet "schon generationsmäßig nicht verankert". Er habe sich lange gegen die Ablösung des früheren Media-Saturn-Chefs Roland Weise gewehrt. Der Manager aber habe die Öffnung hin zum Online-Geschäft behindert.

Auch beim Thema Internationalisierung und Expansion im Ausland gehe es zu langsam voran. "Ohne Metro wäre die Erfolgsgeschichte von Media-Saturn gar nicht möglich gewesen", heißt es. Durch das Vetorecht der Altgesellschafter werde vieles "zerredet". Kritische Themen würden gleich ganz ausgeklammert. Kurz gesagt: Kellerhals und Stiefel gelten bei Metro als Blockierer.

Die beiden sehen das natürlich ganz anders. "In allen wichtigen Fragen waren wir uns mit der Metro einig: Internetangebot, Expansion nach China, Verkauf des Frankreich-Geschäfts", sagte Stiefel dem SPIEGEL.

Er galt lange als diplomatischer als Kellerhals und soll auch versucht haben, zwischen ihm und Metro-Chef Cordes zu vermitteln. "Stiefel sieht die Herausforderungen und Probleme des Geschäfts realistischer als Kellerhals", heißt es im Umfeld des Konzerns.

Doch auch Stiefel fordert Metro mit flotten Sprüchen heraus. "Es ist mir egal, wer unter mir Metro-Chef ist", verkündete er im SPIEGEL - nur "spaßeshalber", wie er versicherte. Metro-Boss Cordes wird darüber kaum lachen können. Er hat den Ruf eines Alpha-Managers. Doch die beiden Media-Markt-Gründer bringen dem Leitwolf nicht allzu viel Ehrfurcht entgegen. Kellerhals forderte in einem Brief an Metro-Aufsichtsratschef Jürgen Kluge gar, Cordes im Konzern die Zuständigkeit für Media-Saturn zu entziehen.

Ein brisanter Brief und Besuch von der Staatsanwaltschaft

Kein Wunder also, dass auch von Seiten der Metro mit harten Bandagen gekämpft wird. So wurde der Inhalt eines Briefes bekannt, mit dem sich Kellerhals bei der Belegschaft von Media-Saturn keine Freunde macht: In einem Schreiben an Cordes vom September vergangenen Jahres macht er Front gegen Betriebsräte in den Märkten. "Der Unternehmenswert von Media Saturn würde wesentlich fallen, wenn die radikale Verdi Gewerkschaft Fuß fasst", heißt es in dem Brief.

Die Elektronikkette hat aber derzeit ganz andere Probleme als widerspenstige Mitarbeiter. Kürzlich durchsuchten Ermittler die Zentrale von Media-Saturn in Ingolstadt. Manager stehen unter Verdacht, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Den Tipp bekam die Staatsanwaltschaft von Metro, heißt es im Umfeld des Konzerns. Man gibt sich pikiert, wie "hemdsärmelig" es bei der Tochter zugeht.

Die Media-Saturn-Holding dagegen teilte mit, dass sie nach einem anonymen Hinweis selbst den Tipp an die Ermittler gab. "Wir arbeiten sehr eng mit der ermittelnden Staatsanwaltschaft Augsburg zusammen und unterstützen sie mit allen unseren Möglichkeiten, ihre Untersuchungen zu Ende zu führen", sagte Media-Saturn-Chef Horst Norberg. SPIEGEL ONLINE liegt zudem ein Schreiben der Ermittler vor, in dem diese erklären, das Ermittlungsverfahren beruhe auf einem Hinweis von Media-Saturn.

"Man redet noch miteinander"

Immerhin heißt es bei Metro: "Man redet noch miteinander." Das operative Geschäft dürfe nicht leiden, versichern beide Seiten. "Das läuft sehr professionell", sagte Cordes. Er hofft auf eine außergerichtliche Einigung beim anstehenden Verfahren: "Wir bleiben an einer konstruktiven Lösung interessiert." Dieses Angebot habe man Kellerhals mehrfach gemacht. "Aber bislang geht er darauf nicht ein."

Kellerhals selbst hat angekündigt, bis zu einer gerichtlichen Lösung könnten Monate oder gar Jahre vergehen. "Wir ziehen das jetzt durch."

Es bleibt abzuwarten, ob Kellerhals und Metro es schaffen, ihren Streit aus dem Geschäftsalltag herauszuhalten. Denn sollte Media-Saturn bei strategischen Entscheidungen blockiert werden, könnte für die Kette eine Regel aus der Grundsatz-"Bibel" der Gründer wahr werden: "Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen."

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insgesamt 61 Beiträge
1. Also ich habe in der Consumer Electronic Sparte trainiert...
verbal_akrobat 18.07.2011
...und kann nur sagen, inhaltlich völlig richtig dieser Artikel. Habe mich schon lang gefragt warum mit "dem Hintergrund" nicht längst einer der profitabelsten Onlinehändler entstanden ist. Dachte immer "die" [...]
...und kann nur sagen, inhaltlich völlig richtig dieser Artikel. Habe mich schon lang gefragt warum mit "dem Hintergrund" nicht längst einer der profitabelsten Onlinehändler entstanden ist. Dachte immer "die" wollen den stationären Handel schützen... (Persönlich beziehe ich alle CE Waren online, bin doch nicht blöd, als Handelsfachwirt;) Herr Kellerhals wäre als ein ganz großer Manager in die deutsche Geschichte eingegangen wenn Er diesen Erfolg, praktisch, online nochmals wiederholt "hätte". Das schlimmste ist das die Medianer und Saturaner alle glauben (feste hoffen soweit sich damit schon mal auseinander gesetzt) ihre Arbeitsplätze gäbe es in 10 oder gar 20 Jahren noch!!! LOL
2. Vobis....
keksguru 18.07.2011
es gab ja schon mal einen Versuch, der letztenendlich kläglich gescheitert ist. Vobis Microcomputer AG. Theo Lieven und sein Partner hatten eine änliche Konstellation der Metro gegenüber, wenn auch indirekt über den Kaufhof. [...]
es gab ja schon mal einen Versuch, der letztenendlich kläglich gescheitert ist. Vobis Microcomputer AG. Theo Lieven und sein Partner hatten eine änliche Konstellation der Metro gegenüber, wenn auch indirekt über den Kaufhof. JEdenfalls hat der Theo mit seinem Kumpel 30% gehalten, aber 1998 wurd der Laden extrem unprofessionell gesundgeschrumpft und später stießen die beiden Firmengründer ihre Anteile dann doch ab. Bei der Vobis gabs auch nen Grundsatz: gute Zahlen müssen durch bessere Zahlen übertroffen werden, und bei schlechten Zahlen flogen schon mal Faxgeräte tief. Dabei ging durchaus mal das ungünstig geparkte Auto eines Werkstudenten zu bruch (was aber mit 5000 Mark großzügig entschädigt wurde). Das Ganze gepaart mit einer geradezu sozialistisch anmutenden Mangelwirtschaft, zumindestens Ende der 90er, und was hat's am Ende genützt? nichts. Daß man keine Mediamarkt-Artikel im Web kaufen kann? Krank. Wer heutzutage nicht in allen Kanälen präsent ist, der hat schon die Verliererstraße genommen, und auf der gibts bekanntermaßen nur eine Richtung: abwärts.
3. Titelverweigerer
Boandlgraber 18.07.2011
Media-Saturn hat das Internet nicht verschlafen, aber die Struktur, die den Laden groß gemacht hat, hat das Online-Engagement effektiv verhindert. Die Märkte sind mit ihren Interessen und einer gewissen Unabhängigkeit von der [...]
Media-Saturn hat das Internet nicht verschlafen, aber die Struktur, die den Laden groß gemacht hat, hat das Online-Engagement effektiv verhindert. Die Märkte sind mit ihren Interessen und einer gewissen Unabhängigkeit von der Mutter relativ stark in solchen Entscheidungsprozessen vertreten. Jetzt kann man sagen, ja, hätten sie sich halt strukturell verändert - nur: Warum? Media Markt gibt einen der prominentesten Werbe-Flyer Deutschlands regelmäßig heraus, der ein Billig-Image transportiert, während die Märkte gleichzeitig Hochpreis-Höllen sind. Um dieses Marketing wird der Laden beneidet. Wenn ihr Geschäftsmodell nicht mehr geht - und so wahnsinnig gefährdet ist es kurzfristig nicht - werden sie sich auch gegen den Willen der Gründer was einfallen lassen. Sie haben ja auch schon was getan und mit Redcoon einen recht erfolgreichen Online-Händler einfach gekauft. Was mir bei aller Sympathie für ein so erfolgreiches Unternehmen immer wieder sauer aufstößt ist die Art wie sie gegen Fachhändler und Konkurrenten auf der Abmahn-Schiene beißen. Das ist ohne Anstand und Ehre.
4. Plakat
sloven 18.07.2011
Ich sehe es schon: Alle Produkte des Mediamarktes auch im Internet. Einfach online aussuchen, sich zuschicken lassen oder bei uns abholen. Nutzen Sie den Preisvergleich! Stellen Sie fest, dass wir bei allen nicht beworbenen [...]
Ich sehe es schon: Alle Produkte des Mediamarktes auch im Internet. Einfach online aussuchen, sich zuschicken lassen oder bei uns abholen. Nutzen Sie den Preisvergleich! Stellen Sie fest, dass wir bei allen nicht beworbenen Produkten einfach sau teuer sind. Nutzen Sie die preistransparenz schon von zuhause aus, so dass unsere Mitarbeiter sie nicht mehr mit überflüssigen Informationen solange zutexten, bis Sie das eventuell gewünschte Produkt bei uns kaufen. Oder in anderen Worten: Viele Menschen fahren wegen irgendwelcher Angebote zum Bediamarkt, assozieren Mediamarkt mit günstig und kaufen dann ein "günstiges" Produkt vor Ort. Würde der MM sein gesamtes Sortiment im Inet veröffentlichen, bräche der geschütze Raum (gesehen an der Preisvergleichsmöglichkeit) zusammen. Zwar kann man den geizhals punkt at auch via Smartphone aufrufen, aber das nutzen die meisten nicht so gewohnt wie das Netz zuhause.
5. Teuer
brendan.may@gmx.de 18.07.2011
Das Problem ist einfach dass Media Markt und Saturn sind teuer - und fürchten den Online Vergleich bzw. deren hart erkämpfte "billig" Positionierung zu verlieren. Allerdings - ohne Online sind die irgendwann tot... [...]
Das Problem ist einfach dass Media Markt und Saturn sind teuer - und fürchten den Online Vergleich bzw. deren hart erkämpfte "billig" Positionierung zu verlieren. Allerdings - ohne Online sind die irgendwann tot... Ich schlage vor "Vertrauen ist Geil". Viel besser als Geiz...

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