21.07.2011
Gipfel in Brüssel
Griechen-Retter schicken Euro-Kurs auf Achterbahnfahrt
Börsenhändler in New York; Krisen-Gipfel sorgt für Zick-Zack-Kurs des Euro
Frankfurt am Main - Die Euro-Staaten stehen kurz vor einer Einigung in der Griechenland-Krise: Das hochverschuldete Land soll weniger Zinsen für seine Notkredite zahlen, außerdem sollen die Rückzahlfristen von siebeneinhalb auf 15 Jahre verlängert werden.
An den Kapitalmärkten sorgten die Nachrichten für einen massiven Kursanstieg des Euro
: Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich zeitweise von 1,4137 auf 1,4403 Dollar. Das ist ein Plus von knapp zwei Prozent.
Gegen Mittag hatten Aussagen von Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zu einem möglichen teilweisen Ausfall griechischer Staatsanleihen die Währung noch stark belastet - der Euro verlor mehr als einen Cent. Als dann am Nachmittag jedoch immer mehr Nachrichten zur Einigung beim Gipfel durchsickerten, ging es auch für den Euro steil bergauf.
"Die Nervosität am Finanzmarkt ist mit der Einigung zur Griechenland-Rettung erst einmal verflogen", sagte Marc Burgheim, Leiter des Devisenhandels bei der Bayerischen Landesbank. Es sei klar, dass die Politik nun liefern und eine Art Marshall-Plan vorlegen müsse, der Lösungswege sowohl für Griechenland als auch für die anderen klammen Staaten in Südeuropa einschließe. "Andernfalls wird es mit dem Euro ganz schnell wieder nach unten gehen", so der Devisenexperte.
Private Gläubiger sollen sich beteiligen
Ziel des Euro-Sondergipfels in Brüssel ist die Einigung auf ein zweites Hilfspaket für Griechenland. Es geht aber auch um Strategien, wie sich eine weitere Ausbreitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone verhindern lässt.
Am Donnerstag zeichnete sich ab, dass sich am zweiten Griechenland-Hilfspaket erstmals auch private Gläubiger wie Banken und Versicherungen beteiligen werden. Im Gespräch war eine Kombination aus zwei Lösungsmodellen:
- Nach dem ersten Modell sollen die Gläubiger ihre griechischen Anleihen gegen solche mit längeren Laufzeiten eintauschen. Dabei würden die neuen Bonds durch Garantien des Rettungsfonds EFSF abgesichert.
- Nach dem zweiten Modell soll der europäische Krisenfonds EFSF zum Ankauf griechischer Staatsanleihen genutzt werden - entweder indem der Fonds selbst die Anleihen am Markt erwirbt, oder indem er dem griechischen Staat Kredite gibt, um die Papiere zurückzukaufen. Besonders die erste Variante war von deutscher Seite bislang sehr kritisch gesehen worden.
Um die Ausbreitung der Krise auf andere Euro-Staaten zu verhindern, soll der EFSF zudem vorbeugend eingreifen und Kreditlinien für gefährdete Länder bereitstellen. Das könnte zum Beispiel Spanien und Italien betreffen, die in den vergangenen Wochen immer größere Probleme bekamen, sich günstig am Kapitalmarkt zu finanzieren.
Aus dem Rennen sind nach Angaben aus Diplomatenkreisen der französische Vorschlag einer Bankenabgabe als Beitrag zum Rettungspaket sowie die von vielen Experten geforderten gemeinsamen europäischen Anleihen, sogenannte Eurobonds.
cte/dpa/Reuters

