10.12.2011
Occupy-Bewegung
Polizei räumt Protestcamp in Boston
Boston - Die Stadt Boston an der US-Ostküste war bislang einer der wenigen Orte, an denen die Polizei noch keine Demonstranten der Occupy-Bewegung zur Räumung ihrer Zeltlager aufgefordert hatte. Am Samstag hat die Polizei dort nun ein Protestcamp im Finanzdistrikt aufgelöst und laut Nachrichtenagentur Reuters 47 Menschen festgenommen.
Nach Angaben des Bostoner Polizeipräsidenten William Evans verlief die Aktion ohne schwere Zwischenfälle. Die Aktivisten berichten auf ihrer Internetseite, die Polizei habe den Zugang zu ihrem Zeltlager am Bostoner Dewey Square gesperrt und mit schwerem Gerät die Zelte entfernt. Die Demonstranten geben an, dass bei der Räumung ihres Camps mindestens 100 Polizeibeamte im Einsatz gewesen und rund 35 Protestteilnehmer festgenommen worden seien. Zum Zeichen des Protests gegen die Räumung strahlten sie Sprüche per Videoprojektion an Gebäudewände, etwa: "Eine Idee könnt ihr nicht räumen."
Nachdem der Bostoner Bürgermeister Thomas M. Menino eine Räumungsfrist bis Donnerstag um Mitternacht gesetzt hatte, hatten erste Demonstranten bereits damit begonnen, ihre Zelte abzubauen. Die anschließende Räumung verlief auch Reuters zufolge ohne die gewalttätigen Ausschreitungen, zu denen es bei ähnlichen Räumungsaktionen der Polizei gegen die Occupy-Bewegung in anderen Städten gekommen war. Wie die Teilnehmer der Bewegung "Occupy Wall Street" in New York prangerten auch die Demonstranten in Boston die Macht der internationalen Finanzmärkte und soziale Ungerechtigkeiten an.
Seit Mitte September hatten sich die Proteste von New York aus auf zahlreiche Städte in den USA und auf andere Länder ausgedehnt. Die US-Behörden schritten zuletzt verstärkt gegen die Protestcamps ein, beispielsweise wegen der teils schlechten hygienischen Zustände in den Zeltlagern sowie wegen Sicherheitsproblemen.
Mitte November hatte die New Yorker Stadtverwaltung bereits das Protestcamp am Geburtsort der Bewegung im Zuccotti-Park in Manhattan räumen lassen. Auch in San Francisco, Dallas, Philadelphia, Los Angeles und New Orleans beendeten die Behörden in den vergangenen Wochen die Dauerproteste.
bos/AFP/Reuters


