24.01.2012
Strom-Notabschaltung
Regierung lockt Industrie mit Blackout-Prämien
Stahlarbeiter: Erste Netzbetreiber haben mögliche Notabschaltungen vereinbart
Berlin - Flexibilität soll belohnt werden: Große Energieverbraucher in der Industrie sollen künftig Geld bekommen, wenn ihnen im Notfall der Strom abgestellt werden kann. Das sieht eine vom Bundeswirtschaftsministerium erarbeitete "Abschaltverordnung" vor, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Für diese Bereitschaft, im Falle von Engpässen kürzerzutreten, soll es ein pauschales Entgelt von höchstens 60.000 Euro je Abnehmer und Jahr geben. Die Kosten würden auf das Netzentgelt umgelegt, das die Verbraucher über den Strompreis zahlen.
Da nur wenige Großverbraucher dafür in Frage kommen, dürften die Mehrkosten nach Schätzung der Regierung den Betrag von 102 Millionen Euro im Jahr nicht übersteigen, hieß es. Das Ministerium war für eine Stellungnahme bisher noch nicht zu erreichen.
Seit der Abschaltung von acht Atomkraftwerken und der zunehmenden Einspeisung von Sonnen- und Windstrom, dessen Verfügbarkeit schwankt, hatte es Warnungen vor zu starken Belastungen für das Netz gegeben. Es fehlen noch mehrere tausend Kilometer an Höchstspannungsleitungen, um das Netz fitzumachen für die Energiewende.
Zuletzt häuften sich die Warnungen vor einem sogenannten Blackout. So hatte die "Financial Times Deutschland" erst kürzlich unter Berufung auf Netzbetreiber von möglichen Ausfällen in Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet berichtet. Der Betreiber 50 Hertz Transmission soll demnach bereits in seinem Vertrag mit einem Großkunden - der Aluminiumschmelze Trimet - erstmals mögliche Notabschaltungen bis zu einer Stunde vereinbart haben. Eine solche Anfrage gebe es auch an die Kupferhütte Aurubis, berichtete die "FTD". Die Schmelze Trimet braucht mit 400 Megawatt fast ein Drittel der Leistung des Atomkraftwerks Brokdorf. Reiche die Abschaltung nicht, um das Netz zu stabilisieren, solle die Bevölkerung aufgerufen werden, Strom zu sparen. Der Chef der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hat jedoch wiederholt vor einer Blackout-Panik gewarnt.
yes/dpa
