08.02.2012
Mögliche Standortschließung
Opel-Betriebsrat nennt GM-Drohung Unsinn
Opel-Mitarbeiter in Bochum (Bild vom September): "Das ist Unsinn"
Rüsselsheim - Den Opel-Mitarbeitern droht erneut Zoff mit General Motors. Am Mittwoch sorgte ein Bericht des "Wall Street Journal" für Aufregung beim Betriebsrat des Autoherstellers. Demnach verliere die Konzernmutter in den USA die Geduld mit Opel - und drohe mit tiefen Einschnitten. GM ziehe angesichts der schwachen Absatzzahlen und der drohenden Verluste sogar in Betracht, das Werk in Bochum zu schließen.
Die Arbeitnehmervertreter wiesen den Bericht als Spekulation zurück. "Ich habe überhaupt keinen Hinweis darauf, dass GM plant, bestehende Verträge mit uns zu verletzen", sagte der Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Demnach seien Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 ausgeschlossen.
Deutlicher als Schäfer-Klug äußerte sich der Betriebsratschef des Bochumer Werks Rainer Einenkel. Er bezeichnete den Bericht schlicht als Unsinn. Das Bochumer Werk mit derzeit 4300 Stammbeschäftigten und knapp 700 Leiharbeitern sei derzeit mit der Produktion des Modells Zafira Tourer gut ausgelastet. Seit Jahresbeginn seien an fast allen Samstagen Zusatzschichten gefahren worden. Hinzu kämen Nachtschichten an den Sonntagen.
"Diese Gerüchte werden immer wieder in die Welt gesetzt", sagte Einenkel der Essener WAZ-Mediengruppe. "Das brauchen wir nicht, wir brauchen Ruhe, um gute Autos zu bauen." Er frage sich, "wer da bewusst Geschäftsschädigung betreibt" und erwarte, dass GM sich an die Verträge halte.
Experte warnt vor "Schrecken ohne Ende"
GM hat zwar im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn der Firmengeschichte erzielt, in Europa machte der Konzern zuletzt jedoch Verluste. Zwar fielen diese mit 580 Millionen Dollar in den ersten drei Quartalen niedriger aus als im Vorjahr. Die Ziele wurden allerdings deutlich verpasst. Das vierte Quartal ist laut "Wall Street Journal" ebenfalls schlecht ausgefallen.
Der Autoexperte Stefan Bratzel bezeichnete die erneuten Gerüchte um Opel als schädlich. Das Unternehmen komme nicht aus den Negativschlagzeilen heraus, sagte der Leiter des Center of Automotive in Bergisch-Gladbach. Bereits 2009 war das Bochumer Werk von einer Schließung bedroht. Wenn in diesem Jahr die Spekulationen wieder losgingen, dann sei das ein "Schrecken ohne Ende", der auch dem Opel-Image schade.
