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23.02.2012
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Iran-Krise

Öl in Euro so teuer wie noch nie

Ein Liter Super kostet derzeit knapp 1,67 Euro - und der Benzinpreis könnte weiter steigen. Davor warnen die Mineralölkonzerne. Sie begründen das mit dem hohen Ölpreis, der in Euro gerechnet einen neuen Rekord erreicht hat. Doch Kartellwächter kritisieren den mangelnden Wettbewerb in der Branche.

Berlin - Deutschlands Autofahrer müssen sich auf weitere Rekordpreise beim Tanken einstellen. Trotz aktueller Höchstmarken schließen die Erdölerzeuger neue Kostensteigerungen nicht aus. "Es gibt einen gewissen Trend zu höheren Preisen", sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), Gernot Kalkoffen, am Donnerstag in Hannover mit Blick auf die weltweiten Rohölmärkte. Wesentlicher Grund für den Preisauftrieb der vergangenen Jahre sei die enorm wachsende Nachfrage der Schwellenländer.

Für Superbenzin E10 meldete die Mineralölindustrie abermals einen durchschnittlichen Preis von etwas weniger als 1,64 Euro. Die meistgetankten Sorte Super E5 kostete knapp 1,67 Euro je Liter, Diesel 1,54 Euro. Auch der Heizölpreis blieb mit 94,20 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern) stabil. Erstmals seit April 2011 stieg aber der Rohölpreis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent über 124 US-Dollar. Etwas Entlastung brachte den Angaben zufolge der verbesserte Wechselkurs des Euro zum Dollar.

Der Mineralölwirtschaftsverband teilte mit, erst die Kombination von Rohölpreis und Währungseinflüssen mache das Öl in Euro so teuer wie noch nie. "Im Rekordpreisjahr 2008, als Rohöl in der Spitze 144 Dollar kostete, lag der Wechselkurs bei 1,57 Dollar für einen Euro", hieß es. Aktuell liegt der Euro bei 1,33 Dollar. Damit koste der Barrel Rohöl mit 93 Euro sogar zwei Euro mehr als 2008.

Grüne wollen freie Tankstellen stärken

Allerdings kritisiert das Bundeskartellamt auch fehlende Konkurrenz als Preistreiber. "Der Markt wird von fünf großen Mineralölkonzernen gemeinsam beherrscht, die sich gegenseitig wenig Wettbewerb machen", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Rheinischen Post". "In diesem Oligopol sind die Konzerne in der Lage, Preissteigerungen im Großhandel an die Benzin-Verbraucher weiterzugeben." Zwar könnten die Wettbewerbshüter verbotene Preisabsprachen nicht nachweisen. Die Konzerne könnten jedoch allein durch ihre "Reaktionsverbundenheit" den Preiswettbewerb ausschalten.

An dieser Stelle wollen die Grünen nachbessern und fordern mehr Rechte für freie Tankstellen. Bisher könnten die Öl-Konzerne ihren Konkurrenten höhere Preise für Kraftstoffe diktieren. Auch Tankstellenkäufe durch große Unternehmen müssten einer strengen Fusionskontrolle unterzogen werden, erklärte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae. Allerdings sind auch die Kunden verantwortlich für die Macht der Konzerne. Viele Kunden steuern immer wieder die gleiche Kette an, manche sogar immer dieselbe Tankstelle - auch wenn sie woanders deutlich billiger tanken könnten.

Aral, Shell und Co. fördern diese Haltung, indem sie ein Extra an Leistung suggerieren. Doch der Nutzen von "V-Power", "Fuel Save" oder "Ultimate Diesel" lässt sich laut Experten kaum messen. "Die Qualität der Kraftstoffe ist zwar wirklich höher", sagt Bruno Schulwitz von der Gesellschaft für Mineralöl-Analytik. Wenn man den Premiumsprit aber mit marktüblichen Qualitätskraftstoffen vergleichen würde, wären die Unterschiede nicht besonders groß. Das tun die Konzerne aber nicht - um mit einem besonders spektakulären Mehrwert werben zu können.

cte/dpa-AFX

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Brent, WTI, Bonny Light - Die Ölsorten und ihr Preis

Qualität
Die Erdölindustrie klassifiziert ihr Rohöl nach drei Kriterien: Herkunft, Dichte (Gewicht im Verhältnis zu Wasser) und Schwefelgehalt. Rohöl mit einer hohen Dichte wird entsprechend als "schwer" ("heavy"), mit einer geringeren Dichte als leicht ("light") bezeichnet. Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt gilt als "sauer", ein geringer Schwefelgehalt macht das Öl "süß". Je schwerer und saurer das Rohöl ist, desto aufwendiger ist seine Verarbeitung zum Beispiel zu Benzin oder Kerosin. Leichtes und schwefelarmes Rohöl ist gefragter und damit teurer als schweres.
Sorten
Weltweit gibt es mehrere Dutzend Rohölsorten aus unterschiedlichen Regionen, die unterschiedlich in ihrer Qualität sind. Die Herkunft reicht von Algerien bis Venezuela. Wichtigste Sorten sind die amerikanische Marke West Texas Intermediate (WTI) und das aus 15 Nordseeölfeldern stammende Brent. Hinzu kommen die Rohölsorten aus den Erdöl exportierenden Ländern (Opec), zum Beispiel die Sorte "Arab Light" aus Saudi-Arabien und "Bonny Light" aus Nigeria.
Preise
An den Terminbörsen werden mehrere sogenannte Referenzöle gehandelt mit einem standardisierten Leitwert. Abhängig von ihrer Qualität werden die übrigen Sorten mit einer Prämie oder einem Abschlag zur Leitsorte gehandelt.

Referenzsorte ist die vor allem in Amerika gehandelte Marke WTI und das aus der Nordsee stammende und in London gehandelte Brent. WTI ist leichter und schwefelärmer als Brent und somit meist einige Dollar teurer pro Barrel. Die Produktion beider Sorten geht seit einiger Zeit zurück, dennoch sind sie nach wie vor die beiden wichtigsten Referenzöle.

Hinzu kommt etwa der von der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) veröffentlichte Korbpreis für Rohöl. Er wird auf Grundlage der elf von seinen Kartellmitgliedern produzierten Sorten berechnet. Opec-Öl ist meist schwerer und saurer als WTI und Brent und damit billiger.

Preisanstiege und -abschläge verlaufen also meist für alle Sorten parallel. Jedoch schwanken die Preise jeder Sorte, wenn sie mehr oder weniger nachgefragt oder gefördert werden.

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