24.02.2012
Vorstoß auf Passagiermarkt
Russlands Superjet 100 drängt nach Europa
Hamburg - Europas Himmel könnte bald ein neues Flugzeug kreuzen: der Superjet 100, ein neues Passagierflugzeug des Herstellers Suchoi. Das russische Unternehmen war bislang vor allem für den Bau von Militärflugzeugen und Kunstflug-Maschinen bekannt.
Jetzt baut Suchoi ein Flugzeug für zivile Zwecke. Und darf bald in Europa loslegen: Der Chef der Europäischen Luftsicherheit-Agentur EASA überreichte den Russen am Freitag offiziell die Zulassung für die Europäische Union - bei einer Zeremonie in Moskau. Die mündliche Zusage hatte das Unternehmen bereits Anfang Februar erhalten. Suchoi darf den Superjet nun in alle EU-Staaten sowie weitere Länder verkaufen, welche die EASA-Normen anwenden.
Der Superjet 100 gilt als große Hoffnung der einst so mächtigen russischen Luftfahrt-Industrie, die sich seit dem Ende der Sowjetunion im Niedergang befindet. Nach Angaben der Fachzeitschrift "Aviation Week" ist es das erste kommerzielle Flugzeug aus Russland, das seit der Jahrtausendwende an den Start geht.
Das Flugzeug bietet 98 Passagieren Platz und wurde bislang auf Strecken von bis zu 4000 Kilometern eingesetzt. Es kann gut als Regionaljet eingesetzt werden. Und es macht vor allem dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier und der brasilianischen Firma Embraer Konkurrenz.
Suchoi liegt mit dem Superjet bereits mehr als ein Jahr hinter dem ursprünglichen Zeitplan. An dem Flieger sind auch europäische Firmen beteiligt: Der zur Safran-Gruppe gehörende französische Motorenbauer Snecma ist wichtiger Zulieferer. Und die Firma Alenia aus der italienischen Finmeccanica-Gruppe ist an der Passagierflugzeug-Sparte von Suchoi zu einem Viertel beteiligt.
Regierungschef Wladimir Putin hatte in seiner Amtszeit als Präsident (2000 bis 2008) die Wiedergeburt des zivilen Flugzeugbaus zu einer Priorität der Industriepolitik erklärt. Die Krise in den neunziger Jahren hatte die russische Flugzeugindustrie an den Rand des Ruins gebracht. Während zu Sowjetzeiten etwa hundert Passagiermaschinen jährlich verkauft wurden, waren es zeitweise weniger als zehn.
ssu/AFP


