20.03.2012
Insolvente Großbäckerei
Behörde findet wieder Kakerlaken bei Müller-Brot
Die Großbäckerei Müller-Brot: 1250 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs
Neufahrn - Müller-Brot ist wohl endgültig am Ende. Die Gesundheitsbehörden verweigerten dem Unternehmen am Dienstag trotz umfangreicher Umbauten und Reinigungsmaßnahmen erneut die Betriebserlaubnis. Kontrolleure hatten bei der Prüfung am Vortag schon wieder Mäusekot und Kakerlaken in der Backfabrik im Münchner Vorort Neufahrn gefunden. Daher lehnten die Behörden eine Wiederaufnahme der Produktion bereits zum zweiten Mal ab. Den meisten der mehr als 1000 Mitarbeitern droht damit zum Monatsende die Arbeitslosigkeit.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Hubert Ampferl sagte, für eine weitere Sanierung habe er im Moment weder Zeit noch Geld. Statt mit Kaufinteressenten für das gesamte Unternehmen zu verhandeln, wolle er jetzt wenigstens das Filialnetz allein verkaufen. Was mit der Brotfabrik geschieht, müsse der Gläubigerausschuss entscheiden.
Die Backfabrik war nach jahrelangen, haarsträubenden Hygienemängeln Ende Januar von der Lebensmittelaufsicht geschlossen worden und hatte zwei Wochen später Insolvenz angemeldet.
Nach einem wochenlangen Großputz und etlichen Umbauten hatten Lebensmittelinspektoren die Anlagen am Montag bis in den Abend hinein untersucht. Erst nach langem Ringen zwischen bayerischem Gesundheitsministerium, Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Landratsamt war das Backverbot schließlich belassen worden. Der für die Lebensmittelkontrolle vor Ort verantwortliche Freisinger Landrat Michael Schwaiger (Freie Wähler) sagte, trotz wochenlanger Reinigung seien wieder "Mäusekot und tote Schaben" gefunden worden. Wegen erheblicher Zweifel am Reinigungs- und Schädlingsbekämpfungskonzept könne er eine Wiederaufnahme der Produktion im Interesse der Verbraucher nicht verantworten.
Komplette Schädlingsfreiheit unmöglich
Auch Insolvenzverwalter Ampferl sah schwarz: "Die bauliche Situation erlaubt es nicht, eine komplette Schädlingsfreiheit herzustellen." In wenigen Wochen könne man keinen neuen Betrieb aufbauen. Aber schon am 1. April läuft das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit für die 1250 Beschäftigten aus. Ampferl muss Müller-Brot ab dann auf eigene Rechnung weiterführen, an einen Investor übergeben oder das Unternehmen endgültig in die Insolvenz schicken. Noch am Dienstagnachmittag wollte Ampferl mit dem Gläubigerausschuss beraten.
Auf Fragen nach der Fabrik und den Arbeitsplätzen sagte der vorläufige Insolvenzverwalter, sein Ziel sei jetzt, wenigstens das Filialnetz zu verkaufen: "Für die Filialen gibt es sehr viele Interessenten." Alle Interessenten für das Gesamtunternehmen hätten die Aufhebung des behördlichen Backverbots zur Bedingung für ihren Einstieg gemacht.
yes/dpa
