23.03.2012
Bedrohter Standort Bochum
Opel-Betriebsrat warnt vor Werksschließung
Opel-Werk in Bochum (Archivbild): Bange Stunden für die Belegschaft
Bochum - Der Opel-Betriebsrat fordert das Ende der Debatte über Werksschließungen. Das Aus von deutschen Produktionsstätten würde dazu führen, dass die GM-Tochter auch in den kommenden Jahren keine Gewinne schreibt, sagte Wolfgang Schäfer-Klug, der Chef des Betriebsrats, am Freitag. Die US-Konzernmutter General Motors müsse Opel stattdessen den Export von Autos außerhalb Europas erlauben.
General Motors will hart durchgreifen und Kosten senken, um die defizitäre Tochter aus den roten Zahlen zu führen. Zwei Werke stehen dabei auf der Kippe, berichteten das "Wall Street Journal" und die Nachrichtenagentur Reuters: das deutsche Bochum und das englische Ellesmere Port. Laut "Handelsblatt" hat GM bereits das Aus für zwei Fertigungsstätten durchgerechnet. Es würde den Konzern rund 1,5 Milliarden Euro kosten.
Auch ein weiterer Lohnverzicht und der Wegfall von Zuschlägen werden Berichten zufolge diskutiert. Wie in Arbeitnehmerkreisen zu hören ist, spüren die Mitarbeiter den Druck von allen Seiten, die Angst vor Stellenstreichungen geht um.
Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke reagierte am Freitag auf die Debatte. In einem Brief an die Mitarbeiter versprach er, die Zukunft für Opel/Vauxhall zu sichern. Allerdings sei die gesamte Autoindustrie mit einem schwachen europäischen Markt konfrontiert: "Deshalb müssen wir jetzt handeln, um unsere Profitabilität dauerhaft zu verbessern." Es gebe Pläne, das Nutzfahrzeuggeschäft auszubauen, den Marktanteil in Russland zu steigern und die Exporte auszuweiten. Zum möglichen Aus von Werken äußerte er sich nicht.
"Spiel mit der Angst"
Wegen der schwachen Nachfrage wird momentan in den Werken Eisenach und Rüsselsheim auf Sparflamme produziert. Im spanischen Werk bei Saragossa will GM vorübergehend 316 Arbeitsplätze streichen.
Mögliche Entscheidungen über einen Kahlschlag bei Opel wurden noch nicht getroffen. Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel scheint aber auf einiges gefasst zu sein. "Die Landesregierung muss jetzt sofort eine Task Force gründen, um das Bochumer Opel-Werk zu retten", fordert er in der "Rheinischen Post". NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) sagte, ein Aus für Opel in Bochum wäre "ein Stück De-Industrialisierung".
Die Sparpläne könnten bei der Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch für Ärger sorgen. Schon jetzt gehen Betriebsräte und Gewerkschaften gegen die Schrumpfkur auf die Barrikaden. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild warf dem Management von Opel und GM am Freitag vor, mit dem Feuer zu spielen: "Statt automobile Konzepte zu liefern, werden jetzt wieder die Sparschweine durch die europäischen Standorte getrieben."
Die Arbeitnehmer fordern eine Offensive: Nur mit neuen Modellen und neuen Märkten könne das Volumen erhöht und Opel saniert werden, sagte Wolfgang Nettelstroth, Sprecher der IG Metall in Nordrhein-Westfalen: "GM muss sich entscheiden, mehr Autos zu verkaufen, nicht Opel klein zu sparen. Das gefährdet die Marke und damit alle Standorte."
NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kritisierte General Motors scharf: "Dieses jahrelange Spiel von GM mit der Angst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze ist unverantwortlich."
ssu/dpa/Reuters
