13.05.2012
Dax-Konzern
Infineon-Chef Bauer tritt zurück
Infineon-Chef Bauer (l. mit Aufsichtsratsvorsitzenden Mayrhuber): Plötzlicher Rücktritt
München/Neubiberg - Der Chef des Halbleiterherstellers Infineon Technologies tritt zurück. Peter Bauer werde zum Ende des laufenden Geschäftsjahres aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand ausscheiden, teilten der Dax-Konzern am Sonntag mit. Nachfolger soll zum 1. Oktober 2012 Reinhard Ploss werden, der bisher im Vorstand für Produktion, Entwicklung und Technik sowie Personal zuständig ist.
Bauer leide an Osteoporose, hieß es in der Mitteilung weiter. Er habe sich in den vergangenen Jahren bereits mehrere Brüche der Rückenwirbel zugezogen. Wegen des sich jüngst deutlich verschlechterten Krankheitsbildes habe sich Bauer nach reiflicher Überlegung nun zu diesem Schritt entschlossen und den Aufsichtsrat über seine Entscheidung informiert, hieß es.
"Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer"
Bauer begann seine Laufbahn 1985 bei Siemens
im Bereich Halbleiter. Er begleitete dessen Ausgründung in die Infineon Technologies AG
und den anschließenden Börsengang im Jahre 2000 bereits als Mitglied des Vorstandes. Im Juni 2008 wurde er CEO des Gremiums.
"Diese Entscheidung fällt mir sehr schwer", wird der Vorstandschef in der Mitteilung zitiert. "Infineon mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist mir in den vielen, so ereignisreichen Jahren sehr ans Herz gewachsen. Wegen des ungewissen Verlaufes meiner Krankheit habe ich mich jedoch aus Verantwortung gegenüber meiner Gesundheit, meiner Familie und gegenüber dem Unternehmen zu diesem Schritt durchgerungen."
Bauers Nachfolger Ploss ist seit mehr als 25 Jahren im Unternehmen tätig. Nach führenden Positionen in Entwicklung und Fertigung hat er der Mitteilung zufolge als Leiter der Bereiche Automotive und Industrie die Basis für den größten Teil des heutigen Umsatzes gelegt. Ploss gehört dem Infineon-Vorstand seit Juni 2007 an.
Infineon ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Halbleiterunternehmen. Der Chipkonzern hat weltweit rund 26.000 Beschäftigte. Von Januar bis März 2012 stieg der Umsatz um vier Prozent auf 986 Millionen Euro, der Gewinn legte um 16 Prozent auf 111 Millionen Euro zu.
Der Halbleiterkonzern hatte in den vergangenen Jahren vor allem vom Auto-Boom profitiert. Der jetzt scheidende Chef Bauer sah sich dadurch in der Entwicklung bestärkt, das Unternehmen auf die Märkte Automobil, Industrie und Sicherheitstechnik ausgerichtet zu haben.
Im vergangenen Jahr hatte sich die Infineon AG nach einem jahrelangen Streit mit dem früheren Chef Ulrich Schumacher auf einen Vergleich geeinigt. Dieser garantiert dem 52-Jährigen ein Ruhegehalt von 560.000 Euro pro Jahr ab 2018.
Im Streit mit dem Insolvenzverwalter der Speicherchiptochter Qimonda will sich Infineon laut "Manager Magazin Online" ebenfalls auf einen Vergleich einigen. Im März hatte die Infineon-Konzernführung unter Bauer die Aktionäre auf das Risiko der finanziellen Verpflichtungen für die Gesellschaft, das damit einhergehe, vorbereitet.
bos/dpa/Reuters

