14.05.2012
Milliarden verzockt
JP Morgan trennt sich von Top-Bankern
Lobby im Hauptsitz der US-Bank JP Morgan: Spitzenmanager vor Abgang
New York - Der milliardenschwere Spekulationsverlust von JP Morgan Chase, zieht erste Konsequenzen nach sich. Wie das "Wall Street Journal" und die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf eingeweihte Personen berichten, wird der Abgang von drei ranghohen Bankmanagern erwartet. Sie alle arbeiten im sogenannten Chief Investment Office. Die Sparte hatte mit ihren Finanzwetten binnen sechs Wochen rund zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) verloren und damit die Reputation der größten US-Bank schwer beschädigt.
Das erste Opfer des Skandals wurde am Montag bereits namentlich: Nach mehr als 30 Jahren bei JP Morgan habe Ina Drew entschieden, die Bank zu verlassen, erklärte das Unternehmen. Drew führte seit 2005 das Chief Investment Office. Die 55-Jährige war eine der mächtigsten Frauen an der Wall Street. Im vergangenen Jahr kassierte sie noch ein Gehalt von 15,5 Millionen Dollar und damit mehr als so mancher Bankchef. Laut "New York Times" hatte Drew JP Morgan-Chef Jamie Dimon bereits mehrfach ihren Rücktritt angeboten, seit das Ausmaß der Fehlspekulationen Ende April deutlich wurde. Doch Dimon hatte sie bislang nicht ziehen lassen.
Die beiden weiteren genannten Banker arbeiten unter Drew im Londoner Wertpapierhandel von JP Morgan, wo die Verluste aufgelaufen sind. Die Bank selbst äußerte sich zu diesen Namen nicht.
Drew gilt als eine der engsten Vertrauten von JP Morgan-Chef Jamie Dimon. Sie hatte mit ihrem Team dazu beigetragen, dass JP Morgan glimpflich durch die Finanzkrise kam und die Bank of America als größtes Kreditinstitut der Vereinigten Staaten überholte.
Auf der Abschussliste steht angeblich auch Börsen-Bösewicht Bruno Iksil
Nach Angaben des "Wall Street Journal" dürfte auch Bruno Iksil die Bank verlassen. Iksil, der ebenfalls in London handelte, erlangte mit seinen risikoreichen Geschäften in der Szene die Spitznamen "Wal von London" und "Voldemort" - nach dem Bösewicht aus den weltberühmten "Harry-Potter"-Büchern von J.K. Rowling. Für den nun eingefahrenen Verlust soll der französischstämmige Iksil angeblich der Hauptverantwortliche sein.
JP Morgan-Chef Jamie Dimon hatte das Debakel am späten Donnerstag eingeräumt, am Freitag war der Aktienkurs um rund neun Prozent eingebrochen. Nach US-Medienberichten schauen sich nun die Finanzaufseher die schiefgegangenen Geschäfte an. "Es gibt dafür eigentlich keine Entschuldigung", sagte der mächtigste Banker des Landes in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit den Sender NBC.
Für eine Bank von der Größe JP Morgans ist der Verlust des Geldes nicht das Problem. Das Problem ist der Imageschaden. Dimon ist unter den Wall-Street-Größen der wortgewaltigste Gegner einer strengeren Bankenregulierung. "Das ist eine ziemlich unglückliche Zeit für einen solchen Fehler", räumte Dimon in dem Interview ein. Politiker in Washington forderten übers Wochenende mit Nachdruck strengere Auflagen für die Branche.
bos/AFP/dapd
