14.05.2012
Künftig nur noch zwei Astra-Werke
Opel-Chef bereitet Mitarbeiter auf Sparkurs vor
Rüsselsheim - Für die Opel-Arbeiter in Deutschland könnten bald schwere Zeiten anbrechen. Firmenchef Karl-Friedrich Stracke kündigte am Montag an, die Produktion des Astra von bisher drei Werken auf zwei Werke zu konzentrieren.
"Angesichts der erwarteten Nachfrage sind wirtschaftlich nur zwei Astra-Werke sinnvoll", sagte Stracke während der Betriebsversammlung, zu der rund 8000 Beschäftigte in Rüsselsheim gekommen waren. "Wenn wir diese zwei Werke im Dreischichtbetrieb laufen lassen, werden die Produktionskosten für die nächste Astra-Generation deutlich unter den heutigen liegen."
Bisher wird das aktuelle Astra-Modell in drei Werken im Zweischichtbetrieb gefertigt - in Rüsselsheim, im britischen Ellesmere Port und im polnischen Gleiwitz (Gliwice). Im Bochumer Werk laufen zudem noch Versionen des Vorgängermodells als Astra Classic für den Export nach Osteuropa vom Band. Nach Informationen aus Gewerkschaftskreisen erwägt der Konzern, die Astra-Produktion aus Rüsselsheim abzuziehen und dem Stammwerk als Ausgleich den bisher in Bochum gefertigten Zafira zu geben. Das könnte für das Bochumer Werk mit 3200 Opel-Mitarbeitern das Aus bedeuten.
Stracke äußerte sich dazu nicht. Er sagte lediglich, man wolle auch künftig das Rüsselsheimer Werk auslasten. Es müsse aber auch wettbewerbsfähig bleiben. Dazu müssten die Produktionskosten je Fahrzeug sinken, zudem werde mehr Flexibilität benötigt.
"Die Stimmung ist angespannt"
Stracke blieb auch die Antwort auf die Frage schuldig, ob sein Sanierungsplan weitere Werksschließungen oder einen neuerlichen Stellenabbau in Europa vorsieht. Der Unternehmensplan solle im Juni dem Aufsichtsrat vorgelegt werden, sagte Stracke: "Er ist keineswegs ein Sparplan, sondern eine umfassende Strategie, mit der wir schnell wieder in die Gewinnzone fahren werden, ganz egal ob mit oder ohne Rückenwind des Marktes." Damit werde Opel bis 2016 seine Margen, Marktanteile und den Umsatz deutlich steigern.
Auf der Betriebsversammlung soll es nach Angaben von Teilnehmern häufig sehr laut geworden sein - vor allem dann, wenn die Belegschaft die Antworten ihres Chefs für unzureichend hielt. "Die Stimmung ist angespannt", betonte Opel-Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die Betriebsversammlung müsse bald fortgesetzt werden.
Stracke präsentierte einen Zehn-Punkte-Plan, wonach die Materialkosten gesenkt und die bislang weitgehend auf Europa beschränkte General-Motors-Tochter neue Exportmärkte erschließen soll. Zudem werde aktuell geprüft, ob Modelle der Konzernschwester Chevrolet in Europa gebaut werden könnten.
Beides fordert der Betriebsrat seit Jahren als wichtigen Baustein, um Werksschließungen zu vermeiden. "Wir sind weiter der Auffassung, dass es Möglichkeiten gibt, die Werke hier auch in Dreischicht auszulasten, wenn man entsprechendes Volumen hat, wenn man Chevrolet-Fahrzeuge hier produziert, wenn man die Fahrzeuge, die im Moment außerhalb der europäischen Werke vorgesehen sind, nach Europa holt", sagte Schäfer-Klug.
Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt allerdings nicht, dass diese Vorschläge viel Aussicht auf Erfolg haben: "GM wird das wegen der Kostenunterschiede nicht machen, denn Chevrolet soll in Europa als Billigmarke etabliert werden."
stk/dpa/AFP
