16.05.2012
Härtere Regeln
EU-Kommissar will Manager-Boni begrenzen
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier: Aktionäre sollen Top-Gehälter bestimmen
Brüssel - Vor allem in den USA und Großbritannien kritisieren Aktionäre immer häufiger unangemessen hohe Vergütungen von Vorstandschefs. Sie verwehrten Citigroup-Chef Vikram Pandit die Zustimmung zu seinem 15-Millionen-Dollar-Gehaltspaket. Beim Pharmakonzern AstraZeneca und dem britischen Medienkonzern Trinity Mirror kostete der Widerstand der Anteilseigner die jeweiligen Chefs sogar den Posten.
EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat diese Stimmung aufgegriffen und einen weitreichenden Vorschlag präsentiert: Aktionäre sollen bei Gehältern und Boni des Managements mehr mitreden dürfen. Börsennotierte Unternehmen müssten transparenter werden und Anteilseigner mehr Verantwortung erhalten, sagte der für Binnenmarkt und Dienstleistungen zuständige EU-Kommissar.
So könnten zum Beispiel Abstimmungen von Aktionären über die Gehälter des Vorstandes fest vorgeschrieben werden. Die Anteilseigner könnten künftig festlegen, wie hoch der individuelle Bonus eines Managers im Verhältnis zu seinem Fixgehalt ausfallen darf. Zudem sollten die Aktionäre auch das Verhältnis des niedrigsten zum höchsten Gehalt einer Firma festlegen dürfen.
Mit einer Begrenzung von Bonuszahlungen soll Managern der Anreiz genommen werden, zu hohe Risiken einzugehen. Ähnliche Gesetze gibt es in Europa bisher nur in Schweden, Norwegen und in den Niederlanden. Hohe Boni gelten als eine der Ursachen der Finanzkrise, die im Wesentlichen auf die Fehlspekulation von Bankern zurückgeht. Die Vorschläge von Barnier könnten den Weg für ein EU-weites Gesetz im kommenden Jahr bereiten. Zugleich erhöht er den Druck in der Debatte um Boni und hohe Managergehälter.
Ein weiterer Vorschlag könnte für größere Transparenz in der Bezahlung der Manager sorgen: Unternehmen sollen künftig veröffentlichen müssen, wie viel Geld ihre 20 bis 30 Topverdiener jährlich bekommen. In deutschen Unternehmen müssen die Vorstandsgehälter bisher lediglich als Gesamtsumme veröffentlicht werden, nicht auf einzelne Manager bezogen - einige Konzerne tun das allerdings bereits freiwillig.
nck/Reuters

