18.05.2012
Verzockte Milliarden
US-Senat bestellt JP-Morgan-Chef zum Rapport
JP-Morgan-Chef Jamie Dimon: Der Bankenausschuss will Antworten
Washington - Es ist ein deutliches Signal der Politik an die Banker der Wall Street: Nach den verlustreichen Fehlspekulationen bei JP Morgan muss der Chef der Großbank vor dem US-Senat Rede und Antwort stehen. Jamie Dimon solle in das Gremium eingeladen werden, teilte der Vorsitzende des Bankenausschusses, der demokratische Senator Tim Johnson, mit.
Ein genaues Datum nannte er noch nicht. Laut Johnson soll sich der Ausschuss am 22. Mai und am 6. Juni mit dem Fall befassen. Dabei sollen auch Aufsichtsbehörden zu Wort kommen. Dimon soll demnach in einer dritten Sitzung vorgeladen werden. Eine Sprecherin von JP Morgan teilte mit, Dimon werde dem Ausschuss Fragen beantworten. Noch im April hatte der Manager mehrere Medienberichte über ungewöhnlich große und riskante Finanzwetten der Bank als "Sturm im Wasserglas" abgetan.
Die Bank steckt wegen riskanter Geschäfte in großen Schwierigkeiten. Vergangene Woche räumte JP Morgan ein, bei Kreditmarktwetten innerhalb von nur sechs Wochen rund zwei Milliarden Dollar in den Sand gesetzt zu haben. Doch laut "New York Times" gibt es inzwischen einen weiteren Spekulationsverlust im Umfang von einer Milliarde Dollar. Hedgefonds und Spekulanten hätten die Notlage der Bank ausgenutzt und auf eine weitere Verschlechterung der Handelspositionen gewettet. Damit summierten sich die Verluste bereits auf rund drei Milliarden Dollar.
Die Konkurrenz setzt JP Morgan unter Druck
JP Morgan
hat das Problem, dass viele Teilnehmer an den Finanzmärkten nun wissen, in welche Papiere die Bank investiert hat. Sie können darauf setzen, dass sich der Wert dieser Papiere weiter verschlechtert - und dabei selbst Gewinne machen.
Berichten zufolge ermittelt inzwischen das US-Justizministerium gegen das Bankhaus. Dimon musste bereits vor den Aktionären Abbitte leisten. "Das hätte niemals passieren dürfen", sagte er vor einigen Tagen auf der Hauptversammlung. "Ich kann es nicht rechtfertigen und die Fehler waren selbstverschuldet." Er übernehme die Verantwortung dafür.
Mindestens zwei Anleger haben Klagen eingereicht, weil die Aktien der US-Großbank nach der Verlustankündigung um neun Prozent abgestürzt waren. Die Aktionäre werfen dem Management vor, die Risiken der Finanzwetten schöngeredet zu haben.
Mit ihren riskanten Geschäften wollte sich die Bank nach eigenen Angaben gegen Verluste aus den von ihr vergebenen Krediten absichern. Die größte US-Bank hatte in großem Stil in komplizierte Indexprodukte investiert, die die Wertentwicklung von Unternehmensanleihen nachbilden.
Bankenkritiker fordern schärfere Regeln
Analysten des Investmenthauses Oppenheimer & Co. halten es für wahrscheinlich, dass JP Morgan durch die Geschäfte insgesamt einen Verlust von unter fünf Milliarden Dollar machen wird. Potentiell könne das Minus bis zu 5,9 Milliarden Dollar betragen, hieß es.
Angesichts der Milliardenverluste fordern vor allem demokratische Politiker in den USA schärfere Regeln für Banken. Mit der sogenannten "Volcker Rule", die das Spekulieren mit eigenem Geld bei den Banken unterbinden soll, wollen Bankenkritiker die Geschäfte der Geldhäuser stärker kontrollieren. JP-Morgan-Chef Dimon ist einer der größten Gegner der Regel.
mmq/AFP/AP
