18.05.2012
Debüt in New York
Facebook-Aktien starten mit hektischen Kursschwankungen
New York - Der Handel hat begonnen, das Kürzel lautet: FB. Das soziale Netzwerk Facebook hat den größten Internet-Börsengang aller Zeiten eingeläutet - mit einem zunächst rasanten Kurssprung: Die an der Nasdaq notierte Facebook-Aktie legte bei ihrem Handelsdebüt anfangs bis auf 43 Dollar zu. Nach 20 Minuten sackte das Papier dann aber bis auf den Ausgabepreis von 38 Dollar ab - es fehlte jedoch an Anlegern, die bereit waren, derart viel für das junge Unternehmen auf den Tisch zu blättern.
Zurzeit liegt der Kurs bei rund 40 Dollar. Dass der Kurs nicht noch weiter abrutschte, dürfte an den Banken gelegen haben, die Facebook an die Börse brachten. Sie können stützend in den Markt eingreifen - jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt. Einige Marktbeobachter hatten für den ersten Tag mit drastischen Kurssteigerungen gerechnet.
Die Wall Street hat daraufhin Abschläge verbucht: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab um 0,4 Prozent auf 12.399 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,4 Prozent auf 1299 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,9 Prozent auf 2788 Stellen. Zu Handelsbeginn hatten die Indizes in Erwartung eines starken Facebook-Börsendebüts noch im Plus gelegen.
Der größte Internet-Börsengang war am Freitag von einer Panne überschattet, die US-Technologiebörse Nasdaq war überfordert: Der Handel mit Facebook-Aktien hätte eigentlich um Punkt 11.00 Uhr New Yorker Zeit (17.00 Uhr deutscher Zeit) beginnen sollen, verzögerte sich aber immer weiter um zuletzt 20 Minuten. Die Aktie der selbst börsengelisteten Nasdaq fiel angesichts dessen.
Aus dem fernen Silicon Valley in Kalifornien hatte Mark Zuckerberg am Freitagmorgen die Eröffnungsglocke der New Yorker Technologiebörse Nasdaq geläutet. Hunderte Facebook-Mitarbeiter hatten sich am ersten Handelstag unter freiem Himmel um den Firmengründer gescharrt. Sie feierten den größten Internet-Börsengang aller Zeiten. Viele von ihnen wurden auf einen Schlag zu Millionären.
Am Times Square in Manhattan leuchtet es Facebook-Blau
Zuckerberg stand im bekannten dunklen Kapuzenpulli vor seinen jubelnden Beschäftigten, neben ihm die fürs Tagesgeschäft zuständige Sheryl Sandberg. Die beiden umarmten sich, als die Glocke um Punkt 6.30 Uhr Westküsten-Zeit erklang. In New York war es da 9.30 Uhr und in Deutschland 15.30 Uhr. Die große Videoleinwand der Nasdaq am Times Square im Herzen Manhattans erstrahlte in Facebook-Blau.
Es ist ungewöhnlich, dass ein Firmenchef den symbolischen Termin auf dem Börsenparkett schwänzt. Allerdings ist Facebook auch ein ungewöhnliches Unternehmen - und acht Jahre nach der Gründung in einer Studentenbude endgültig ein Weltkonzern: Mit einer Bewertung von 104 Milliarden Dollar oder umgerechnet 80 Milliarden Euro ist Facebook an der Börse aus dem Stand teurer als die drei alteingesessenen deutschen Vorzeigeunternehmen BMW, Deutsche Bank und Adidas zusammen.
Facebook konnte seine Aktien am späten Donnerstag zum anvisierten Höchstpreis von 38 Dollar losschlagen. Insgesamt nahmen das Unternehmen und seine Alteigentümer damit 16 Milliarden Dollar ein. Auch Gründer und Firmenchef Mark Zuckerberg hat einen Teil seiner Aktien verkauft, aber nur, um fällige Steuern zu begleichen. Der 28-Jährige behält mit seinen verbleibenden Anteilsscheinen weiterhin die Kontrolle über das 900 Millionen Mitglieder starke Netzwerk.
Der Börsengang Facebooks ist der Höhepunkt einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Zuckerberg hatte Facebook zusammen mit Kommilitonen 2004 als digitales Jahrgangsbuch für Studenten auf die Beine gestellt. Schon im ersten Jahr zog das Netzwerk rund eine Million Nutzer an. Noch in diesem Jahr soll die Milliardenmarke geknackt werden.
Nur die Börsengänge dreier chinesischer Konzerne waren größer
Die hohe Nutzerzahl macht Facebook für die Werbeindustrie interessant und erklärt die hohe Nachfrage der Investoren. Facebook ist allerdings eine Wette auf die Zukunft, denn noch sehen die Geschäftszahlen im Vergleich zu anderen Konzernen mau aus: Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei vergleichsweise schmalen 3,7 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 1 Milliarde Dollar.
Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob die Mega-Milliarden-Wette aufgeht. So will General Motors als einer der weltgrößten Werbetreibenden vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten, weil man die Nutzer damit kaum erreiche. Überdies nutzen immer mehr Menschen Facebook auf ihren Smartphones, wo kaum Werbung zu sehen ist und entsprechend die Einnahmen ausbleiben.
Die Zweifel hielten die Investoren letztlich aber nicht davon ab zuzugreifen. Zusammen mit der sogenannten Mehrzuteilungsoption - eine Art Aktienreserve der Banken - könnte Facebook bis zu 18,4 Milliarden Dollar einsammeln.
Damit würde das Zuckerberg-Unternehmen an die beiden größten Börsengänge der US-Geschichte anschließen: Die Kreditkartenfirma Visa hatte 2008 inklusive Mehrzuteilung 19,7 Milliarden Dollar eingenommen und der Autokonzern General Motors im Jahr 2010 nach seinem Neustart 18,1 Milliarden Dollar. Weltweit waren lediglich die Börsengänge dreier chinesischer Finanzkonzerne noch größer.
Die wichtigsten Eckdaten des Facebook-Börsengangs auf einen Blick:
- Ausgabepreis der Aktie: 38 Dollar
- Zahl der platzierten Aktien: gut 421 Millionen; hinzu kommt die sogenannte Mehrzuteilungsoption - eine Art Aktienreserve der teilnehmenden Banken - von knapp 63,2 Millionen Aktien
- Einnahmen der Aktienplatzierung: gut 16 Milliarden Dollar; mit der Mehrzuteilungsoption können bis zu 18,4 Milliarden Dollar zusammenkommen
- Börsenwert des Unternehmens zum Start: 104 Milliarden Dollar
- Größter Aktionär: Gründer Mark Zuckerberg mit 503,6 Millionen Aktien
- Aktienstruktur: Es gibt zwei Arten von Aktien. Papiere der Klasse A können Investoren beim Börsengang kaufen. Sie haben jeweils eine Stimme. "Class B"-Papiere halten hingegen die Altaktionäre wie Mark Zuckerberg. Dieser Aktientyp hat zehn Mal mehr Stimmen. Damit liegen bei Zuckerberg direkt 31 Prozent der Stimmrechte. Mit Stimmen, die ihm andere anvertraut haben, kontrolliert er 57,5 Prozent. Damit kann keine wichtige Entscheidung an ihm vorbei getroffen werden.
lgr/dpa/AFP
