30.05.2012
Handel mit Aktienoptionen
Profis gefällt der Facebook-Absturz
Momentaufnahme: Kurzen Kursanstiegen der Facebook-Aktien folgten große Verluste
New York - Elf Tage nach dem euphorischen Börsengang bleibt vor allem die Ernüchterung: Am Dienstag fiel die Facebook-Aktie an der Wall Street zum ersten Mal unter die Marke von 29 Dollar - offenbar auch, weil die Papiere jetzt auch auf dem Optionsmarkt handelbar sind. Mit diesen Termingeschäften können Investoren auf die Kursentwicklung wetten, und das haben sie einem Bericht des "Wall Street Journal" ("WSJ") zufolge auch kräftig genutzt. Die Mehrheitsmeinung: Es geht weiter abwärts.
Die Facebook-Optionsscheine haben dem Bericht zufolge den zweithöchsten Handelsumsatz hinter Apple
erzielt, bis zum Abend seien 365.000 Optionen gehandelt worden. Zwar setzten einige Investoren auf einen Kursanstieg und rechneten mit einem Wert von 65 Dollar im Januar 2014, schreibt das "WSJ". Die meisten der gehandelten Optionsscheine liefen allerdings nur bis Mitte Juli - und setzten auf einen Preis von 25 Dollar je Aktie zu diesem Zeitpunkt. Weil viele Händler die Tendenz auf dem Optionsmarkt aufmerksam beobachteten, habe sich am Dienstag auch der Kursverlust der Facebook
-Aktie verstärkt.
Seit der Erstnotierung für 38 Dollar hat das soziale Netzwerk mittlerweile mehr als 20 Prozent an Wert eingebüßt, die Marktkapitalisierung fiel von 104 Milliarden Dollar auf rund 79 Milliarden Dollar. Dem Datendienstleister Dealogic zufolge hat Facebook damit eines der schlechtesten Handelsdebüts großer Unternehmen hingelegt - ein krasser Gegensatz zur Aufregung vor dem Börsengang am 18. Mai. Das "WSJ" zitiert einen New Yorker Aktienhändler mit den Worten "Ich kann mich an einen solchen drastischen Umschwung in der Stimmungslage in 15 Jahren nicht erinnern."
Angeblich weiterer Zukauf geplant
Zu den Kursverlusten am Dienstag könnte auch das Gerücht beigetragen haben, dass Facebook den norwegischen Software-Entwickler Opera übernehmen will. Zwar lehnten beide Unternehmen eine Stellungnahme ab, der Opera-Kurs stieg an der Osloer Börse aber zeitweise um 26 Prozent - das Unternehmen war damit rund 800 Millionen Dollar wert.
Analysten sehen in Opera ein ideales Übernahmeziel für Facebook. Der Internet-Browser von Opera läuft als Alternative zu Microsofts Internet Explorer, Google Chrome oder Mozilla Firefox nicht nur auf Computern, sondern auch auf Smartphones. Ende des ersten Quartals lag die Zahl der mobilen Nutzer bei knapp 170 Millionen.
Facebooks erklärtes Ziel ist es, mehr Einnahmen aus der steigenden Internetnutzung über Smartphones und Tablet-Computer zu erzielen. Branchenexperten gehen davon aus, dass dies schneller gelingt, wenn das von Mark Zuckerberg gegründete Unternehmen nicht selbst einen Browser entwickelt, sondern Opera übernimmt.
nck/Reuters

