Lade Daten...
19.06.2012
Schrift:
-
+

ZEW-Index

Konjunkturerwartungen sinken wie seit 14 Jahren nicht mehr

Baustelle in Frankfurt am Main: Zuversicht für die deutsche Konjunktur trübt sich ein
dapd

Baustelle in Frankfurt am Main: Zuversicht für die deutsche Konjunktur trübt sich ein

Die Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend.

Mannheim - Mit der Zuspitzung der Euro-Krise in Spanien und Griechenland verlieren deutsche Börsianer ihren Optimismus: Die Zuversicht deutscher Finanzexperten hat sich im Juni stark eingetrübt. Der ZEW-Index, der ihre Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate wiedergibt, sank um 27,7 Punkte auf minus 16,9 Zähler, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mitteilte.

Laut einer Befragung der Nachrichtenagentur dpa hatten Volkswirte mit einer viel moderateren Eintrübung auf 2,4 Punkte gerechnet. Die Beurteilung der aktuellen Lage gab ebenfalls deutlich nach. Sie sank um 10,9 Punkte auf 33,2 Zähler. Mit dem jüngsten Einbruch sinkt der Erwartungsindex auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn, noch im April hatten sich Börsenprofis überaus optimistisch gegeben.

Die Gründe für den Einbruch - es ist der stärkste Rückschlag seit Oktober 1998 - sehen Experten in der Eskalation der Euro-Krise: "Zum deutlichen Rückgang des Indikators dürfte die Zuspitzung der Lage des spanischen Bankensektors beigetragen haben," teilte das ZEW mit. Außerdem hat vermutlich die Unsicherheit der Situation in Griechenland die Konjunkturerwartungen beeinflusst: Im Zeitraum der Umfrage sei noch nicht bekannt gewesen, wie die griechische Parlamentswahl ausgehen würde.

"Deutschland dürfte nicht zurück in die Rezession fallen"

"Das Barometer ist noch stärker gefallen als wir erwartet hatten," sagte Peter Meister von der BHF-Bank. Der Index der Investoren sei stark am Marktgeschehen orientiert: "Am Aktienmarkt und bei den Anleihen-Spreads der Krisenländer der Euro-Zone mehrten sich zuletzt die negativen Nachrichten." Insgesamt deuteten die ZEW-Zahlen darauf hin, dass auch Deutschland nicht immun gegen die Krise sei.

"Deutschland dürfte nicht zurück in die Rezession fallen," sagte hingegen Jürgen Michels von der Citigroup. Dazu sei die Binnennachfrage zu robust. Experten rechnen dieses Jahr einhellig mit nur einem moderaten Wachstum. Meister bezifferte die Prognose dafür auf 0,7 Prozent.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz interpretierte den Rückgang des Indikators als Warnung, die deutschen Konjunkturperspektiven "allzu optimistisch" einzuschätzen. Die Risiken einer markanten Konjunkturabschwächung in wichtigen Handelspartnerländern seien unübersehbar. Hinzu komme die nach wie vor brenzlige Lage im Euro-Raum. "Das Votum der griechischen Wähler verschafft uns eine kurze Atempause - nicht mehr und nicht weniger."

Für die Euro-Zone ergibt sich ein ähnliches Bild wie für Deutschland: Sowohl Konjunkturerwartungen als auch Lagebeurteilung gaben deutlich nach. Die Erwartungen sanken um 17,7 Punkte auf minus 20,1 Zähler. Die Lageeinschätzung fiel um 13,0 Punkte auf minus 73,2 Zähler.

bos/dpa/Reuters

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
1.
Dirty Diana 19.06.2012
Mein Eindruck ist, dass auch der Ausbruch der Krise, der Verlauf der Krise, die Ursachen der Krise etc. für viele - um nicht zu sagen alle - Ökonomen völlig überraschend kam. Damit stellt sich die Frage, wozu man Ökonomen [...]
Zitat von sysopDie Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend.
Mein Eindruck ist, dass auch der Ausbruch der Krise, der Verlauf der Krise, die Ursachen der Krise etc. für viele - um nicht zu sagen alle - Ökonomen völlig überraschend kam. Damit stellt sich die Frage, wozu man Ökonomen braucht? Sie sind doch wohl offenbar vollkommen ungeeignet, die Zukunft auch nur ansatzweise zu erahnen. Sie sind nicht einmal geeignete Historiker, die aus dem Vergangenen irgendwelche Schlüsse auf die zukunft treffen können.
2. .
frubi 19.06.2012
"Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend." Ich kann es nicht mehr hören. Kaum ein Ökononm hat in den letzten Jahren mal öffentlich gesagt "Ich weis es nicht". Diese Typen [...]
Zitat von sysopDie Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend. ZEW-Index: Börsianer bangen um Aufschwung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839719,00.html)
"Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend." Ich kann es nicht mehr hören. Kaum ein Ökononm hat in den letzten Jahren mal öffentlich gesagt "Ich weis es nicht". Diese Typen sind schon eine lustige Spezies. Erst hat kaum einer von denen die Immobilienblase 2007/2008 hervorgesehen und im Laufe der Zeit konnte keiner eine wirklich plausible Lösung auf den Tisch werfen und dennoch genießen diese Wendehälse ein derartiges Ansehen, dass man selber nur noch den Kopf gegen eine Wand rammen möchte. Das was die Ökonomen mit den Krisen machen ist einfach nur pervers. Es wäre in etwa so, als würden die Top-Mediziner einer Klinik vor einem Unfallopfer stehen, dass kurz vorm sterben liegt und die Mediziner diskutieren, welche Behandlung die beste wäre. Es wird aber nichts davon umgesetzt. Am Ende, wenn der Patient stirbt, behauptet jeder, er hätte es von Anfang an gewusst und man hätte doch auf ihn hören sollen und schwups sind alle fein raus.
3.
ökos teuer 19.06.2012
Naja, dann kann der Staat der Schlüsselbrance "Automobil", die sich vergangenes Jahr mit Rekordgehältern (z.B 17 Mio. für Winterkorn) und Prämien belobt hat, wieder mit Kurzarbeitgeld bis zum nächsten Hoch unter der [...]
Zitat von sysopDie Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend. ZEW-Index: Börsianer bangen um Aufschwung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839719,00.html)
Naja, dann kann der Staat der Schlüsselbrance "Automobil", die sich vergangenes Jahr mit Rekordgehältern (z.B 17 Mio. für Winterkorn) und Prämien belobt hat, wieder mit Kurzarbeitgeld bis zum nächsten Hoch unter der Arme greifen.
4. Gerade das Geschwätz von Börsianern
prontissimo 19.06.2012
derart hoch zu hängen. Die sind so weit von der Realität entfernt wie der Mars von der Erde. Wir werden uns noch wundern wieviel weiter abwärts es noch geht.
Zitat von sysopDie Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend. ZEW-Index: Börsianer bangen um Aufschwung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839719,00.html)
derart hoch zu hängen. Die sind so weit von der Realität entfernt wie der Mars von der Erde. Wir werden uns noch wundern wieviel weiter abwärts es noch geht.
5. Wie bitte?
cemi 19.06.2012
Was sind denn das für Ökonomen? Wenn man (1.) durch Lohndumping Exportweltmeister wird und (2.) durch prozyklisches "Sparen" in der Krise, besser gesagt Merkels Austeritätskurs, die Wirtschaft der Handelspartner in [...]
Zitat von sysopDie Börsianer bangen um den Aufschwung in Deutschland: Das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartung fiel so stark wie zuletzt im Oktober 1998. Die Krisen in Griechenland und Spanien haben die Stimmung belastet. *Das Ausmaß des Einbruchs kam für viele Ökonomen völlig überraschend.* ZEW-Index: Börsianer bangen um Aufschwung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839719,00.html)
Was sind denn das für Ökonomen? Wenn man (1.) durch Lohndumping Exportweltmeister wird und (2.) durch prozyklisches "Sparen" in der Krise, besser gesagt Merkels Austeritätskurs, die Wirtschaft der Handelspartner in die Knie zwingt, wundert man sich doch nicht, dass der Blödsinn irgendwann auf die eigene Wirtschaft durchschlägt. Na, wenn diese "Ökonomen" unsere Regierung beraten, wundert mich langsam gar nichts mehr...

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Fotostrecke

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Konjunktur
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten