17.07.2012
Gewerkschaft schlägt Alarm
RWE will mindestens 2000 Stellen streichen
RWE-Zentrale in Essen: Anfang August will der Vorstand entscheiden
Essen/Düsseldorf - Der Energiekonzern RWE will einem Zeitungsbericht zufolge mindestens 2000 weitere Arbeitsplätze in Europa abbauen. Das berichtete die "Rheinische Post" unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. In der Information eines führenden Funktionärs der Gewerkschaft Ver.di an die Belegschaft sei sogar von einer Streichung von 2000 bis 5000 Stellen die Rede.
Jobs aus der Lohn- und Finanzbuchhaltung sowie dem Rechnungswesen sollen demnach ins Ausland verlagert werden, um Geld zu sparen. Über die Pläne hat das Unternehmen den Konzernbetriebsrat laut der Zeitung in der vergangenen Woche informiert.
RWE steht wie der Konkurrent E.on wegen des Atomausstiegs und schwächelnder Gasgeschäfte unter Druck. Zudem sind die Margen bei der Stromerzeugung gesunken. Am 1. Juli hatte Peter Terium den bisherigen Chef Jürgen Großmann abgelöst. Terium hatte bereits vor seinem Amtsantritt weitere Sparmaßnahmen angekündigt. "Durch den Kernenergieausstieg kommt weniger Geld in die Kasse, außerdem belasten uns ungünstige Gasverträge und die Brennelementesteuer", hatte Terium der Zeitung "WAZ" gesagt. RWE müsse zudem Schulden tilgen, weil der Konzern in den vergangenen Jahren Milliarden in neue Kraftwerke investiert habe.
Bereits im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass RWE
bis zu 8000 seiner damals insgesamt 72.000 Stellen streichen will. Der "Rheinischen Post" zufolge kommt der Abbau der 2000 Jobs zu dieser Zahl hinzu. Das Blatt zitierte einen Konzernsprecher mit den Worten: "Laufende Gespräche kommentieren wir nicht. Der Vorstand wird aber, wie stets bei RWE, notwendige Maßnahmen mit den Arbeitnehmervertretern erörtern." Entscheidungen des Vorstands ständen Anfang August an.
Die Gewerkschaft reagierte empört auf die neuen Informationen zum Arbeitsplatzabbau und ließ eine für diesen Montag angesetzte Verhandlung mit RWE zum Kündigungsschutzvertrag platzen. "Der Konzern will von uns einen Freibrief für ungehemmten Personalabbau und Outsourcing im großen Stil", sagte Ver.di-Sprecher Christoph Schmitz der Zeitung.
Am 31. Dezember 2012 läuft der Vertrag aus, der betriebsbedingte Kündigungen bei RWE verbietet. Verdi fordert eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Ende 2023.
stk/Reuters/dpa-AFX
