19.07.2012
Euro-Krise
EU-Kommissarin kritisiert deutschen Ego-Kurs
Von manager-magazin-Redakteur Henrik Müller
EU-Politikerin Reding: "Kommen nicht weiter"
Hamburg - Die Vize-Präsidentin der EU-Kommission hat die Zurückhaltung der Deutschen in der Euro-Krise kritisiert. Sowohl mit der Regierung als auch mit der Privatwirtschaft ging sie hart ins Gericht. "Von den großen deutschen Unternehmen und ihren Topmanagern erwarte ich viel mehr öffentliches Eintreten für die europäische Sache", sagte Viviane Reding im Interview mit dem manager magazin. "Schließlich haben sie von Binnenmarkt und Währungsunion enorm profitiert."
Mit Unverständnis kommentierte Reding auch die Debatte über die geplante Bankenunion und die Garantien für andere Euro-Staaten. Ihr Heimatland Luxemburg stelle pro Kopf mehr Mittel in der Euro-Krise bereit als die Deutschen. "Aber das finden wir in Ordnung - weil wir die Notwendigkeit dieser Solidarunion sehr wohl verstehen."
Die Deutschen dürften nicht vergessen, dass ihr Land in der Vergangenheit stark davon profitiert habe, "dass ihm von seinen Nachbarn ein großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht wurde". Als Beispiel nannte sie die Unterstützung der europäischen Partner bei der Wiedervereinigung.
Ohne gegenseitiges Vertrauen lasse sich auch die Euro-Krise nicht lösen: "Wenn wir allein in den Kategorien von Anreizen und Sanktionen denken, kommen wir nicht weiter", sagte Reding mit Blick auf die Linie der Bundesregierung, die eine Vergemeinschaftung von Schulden strikt ablehnt.
Weltbank-Chef warnt vor globaler Rezession
Zuvor hatten schon andere Manager internationaler Institutionen die Zurückhaltung der Euro-Krisenmanager kritisiert. Der Internationale Währungsfonds moniert, dass in der Währungsunion noch immer die grundsätzlichen Werkzeuge fehlen, die die negativen Wechselwirkungen zwischen Staatshaushalten, Banken und der Realwirtschaft aufbrechen könnten. Es gebe keine "ambitionierte Politik" zur Eindämmung der Krise.
Weltbank-Chef Jim Yong Kim forderte die europäischen Staaten auf, alles daran zu setzen, die Stabilität ihrer Finanzmärkte wiederherzustellen. "Um es deutlich zu sagen: Was heute in Europa passiert, betrifft den Fischer im Senegal und den Programmierer in Indien", sagte Kim. Selbst wenn es gelinge, die Krise im Euro-Raum einzudämmen, könnte sie zu einem Wachstumseinbruch in den meisten Regionen der Erde um bis zu 1,5 Prozent führen. Bei einer anhaltenden Euro-Krise drohe die globale Rezession.
