19.07.2012
Folgen der Krise
Morgan Stanley verdient nur halbe Milliarde Dollar
Zentrale von Morgan Stanley am Times Square: Schlechter als die Konkurrenz
New York - Investmentbanken haben es derzeit schwer, das große Geld zu verdienen. Das bekam nun auch Morgan Stanley zu spüren. Das Institut verdiente im zweiten Quartal 2012 nur noch 564 Millionen Dollar. Ohne die Neubewertung eigener Schulden wären es noch gut 200 Millionen Dollar weniger gewesen. Die Einnahmen lagen bei 6,95 Milliarden Dollar - das ist fast ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor.
Auch zu Jahresbeginn hatte die Bank einen Verlust gemacht. Die Zahlen sind allerdings nicht vergleichbar. Damals lief das operative Geschäft noch deutlich besser. Der Verlust entstand nur deshalb, weil die Finanzinstitute laut einer Bilanzierungsregel ihre eigenen Schulden zum Marktpreis bewerten. Ist die Lage gut, steigen deshalb die Schulden. Sieht es - wie derzeit - schlechter aus, sinken die Verbindlichkeiten. Die Regel war während der Finanzkrise eingeführt worden und verzerrt seitdem die Ergebnisse der US-Banken.
Mit den schwachen Zahlen reiht sich Morgan Stanley in die Liste der Institute ein, die Schwierigkeiten im Investmentbanking bekommen. Allerdings schneidet die Bank noch schlechter ab als die Konkurrenten. Erzrivale Goldman Sachs etwa hatte am Dienstag zwar ebenfalls einen Gewinnrückgang vermeldet, kam aber immer noch auf fast eine Milliarde Gewinn.
Grund für die insgesamt schwachen Ergebnisse vieler Banken sind die Schwierigkeiten an den Finanzmärkten. Sie vermasseln den Instituten das Geschäft im Wertpapierhandel. Hinzu kommen strengere Regulierungsauflagen. Auch mit Fusionen, Übernahmen und Börsengängen lässt sich derzeit kaum Geld verdienen - die Unternehmen halten still und wagen wenig.
Bei Morgan Stanley gingen die Einnahmen durch Beratung bei Fusionen und Übernahmen im zweiten Quartal um mehr als die Hälfte zurück, im Aktienhandel um rund ein Drittel. Deshalb will das Institut nun Personal abbauen: Die Belegschaft werde bis Jahresende um sieben Prozent schrumpfen, sagte Bankchef James Gorman. Bereits im vergangenen Jahr hat die Bank von fast 62.000 Stellen rund 3000 abgebaut.
In Deutschland war Morgan Stanley zuletzt wegen der Affäre um die Verstaatlichung des Energiekonzerns EnBW in die Schlagzeilen geraten. Deutschland-Chef Dirk Notheis, der tief in den Fall verstrickt ist, war Anfang der Woche zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
stk/Reuters/dpa
