24.07.2012
Einkaufsmanagerindex
Deutsche Industrie verliert deutlich an Tempo
Opel-Werk in Eisenach: Index entfernt sich immer weiter von Wachstumsschwelle
Berlin - Die Euro-Krise wirkt zunehmend auf die deutsche Wirtschaft aus. Die Geschäfte der Industriebetriebe liefen im Juli so schlecht wie zuletzt vor drei Jahren, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage unter mehreren hundert Firmen hervorgeht. Der sogenannte Einkaufsmanagerindex sank von zuvor 45,0 Punkten auf 43,3 Punkte. Damit entfernt sich der Index immer weiter von der wichtigen 50-Zähler-Marke, die als Wachstumsschwelle gilt.
Laut der Umfrage drosselten die Industriefirmen den vierten Monat in Folge die Produktion, verzeichneten sinkende Auftragseingänge und strichen unterm Strich Jobs. Das Neugeschäft mit dem Ausland ließ so stark nach wie zuletzt im Mai des Rezessionsjahres 2009. Einen Lichtblick gab es auf der Kostenseite. Die Einkaufspreise stiegen insgesamt so schwach wie seit November 2009 nicht mehr, weil auch der Preisdruck bei Rohstoffen etwas nachließ.
Das Service-Barometer hielt sich im Vergleich dazu besser. Der Indikator für den Dienstleistungssektor fiel nach vorläufigen Daten leicht um 0,2 Punkte auf 49,7 Punkte. Auch den Dienstleistern machen eine geringere Produktion und schrumpfende Nachfrage zu schaffen. Ihr Optimismus für die nächste zwölf Monate ist so gering wie zuletzt im Oktober. Dennoch stellten sie unterm Strich den dritten Monat in Folge Personal ein.
Lange konnte sich die deutsche Wirtschaft - allen voran die Industrie - scheinbar vom Rest der Euro-Zone abkoppeln und gute Geschäfte machen. Doch nun zeichnet sich eine Abschwächung ab. Zwischen April und Juni dürfte das Wirtschaftswachstum etwas niedriger ausgefallen sein als noch im ersten Quartal, erwartet das Finanzministerium. In den ersten drei Monaten des Jahres war das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal noch um 0,5 Prozent gestiegen. "Die Juli-Umfrage zeigt, dass die Bedingungen für die deutsche Wirtschaft bei weitem nicht mehr so gesund sind wie noch im ersten Halbjahr", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.
Wie derzeit der deutschen Industrie ergeht es laut Einkaufsmanagerindex dem gesamten Sektor im Euro-Raum. Der Index sank im Juli um einen Punkt auf 44,1 Zähler. Kleiner Hoffnungsschimmer: Der Indikator für den Dienstleistungssektor konnte leicht zulegen, liegt aber ebenfalls unter der wichtigen Wachstumsschwelle von 50 Punkten.
Chinas Industrie verlangsamt Abwärtstrend
Während sich die Krise in der Euro-Zone weiter zuspitzt, zeichnet sich in China womöglich eine leichte Stabilisierung ab. So hat die Industrie der Volksrepublik ihren Abwärtstrend im Juli verlangsamt. Zwar deutet eine Umfrage auf Unternehmensebene darauf hin, dass das verarbeitende Gewerbe bereits den neunten Monat in Folge geschrumpft ist, das Tempo hat sich aber verlangsamt.
Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC stieg im Juli um 1,3 Punkte auf 49,5 Zähler, wie HSBC mitteilte. Das ist der höchste Stand seit Februar, wenngleich die Kennzahl auch hier immer noch unter der Wachstumsschwelle liegt. Qu Hongbin, HSBC-Chefvolkswirt für China, deutete dies als Hinweis, dass sich staatliche Stützungmaßnahmen zusehends bemerkbar machten.
yes/Reuters/dpa-AFX
