24.07.2012
Rettungsschirme
Frankreich erwägt Tabubruch für Spanien-Hilfe
Kunden am Bankautomaten in Madrid: Immer höhere Zinsen für Spanien
Paris - Die Finanzkrise in Spanien schürt die Sorgen von Anlegern und Politikern. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hat deshalb eine mögliche Aufstockung der europäischen Rettungsfonds ins Gespräch gebracht. "Wenn wir einschreiten müssen, könnte es eine Erhöhung der Brandmauern sein oder Eingriffe durch die Zentralbank", sagte Fabius dem Fernsehsender France 2. Er hoffe aber, dass es nicht notwendig werde.
Unter der Erhöhung der Brandmauern versteht man in der Euro-Krise eine Aufstockung der Rettungsfonds EFSF oder ESM. Damit tastet Fabius ein Tabu an. Vor allem Deutschland ist nicht bereit, das Volumen der Fonds weiter zu erhöhen.
Nachdem die Euro-Länder beschlossen haben, 100 Milliarden Euro aus dem bestehenden EFSF für die Rettung spanischer Banken zur Verfügung zu stellen, sind in diesem Topf nur noch rund 140 Milliarden Euro übrig. Ab Herbst soll der dauerhafte Rettungsfonds ESM starten, der bis 2014 schrittweise auf ein Ausleihvolumen von rund 500 Milliarden Euro aufgestockt werden soll. Zuvor muss aber das deutsche Verfassungsgericht über Klagen gegen den ESM entscheiden.
Um Spaniens Refinanzierung für einen längeren Zeitraum zu sichern, reicht das Geld derzeit also nicht aus. Am Montag hatte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos ausgeschlossen, dass sein Land solche Hilfen beantragen könnte. Doch diese Aussage scheint keineswegs sicher zu sein. Die Zinsen für Staatsanleihen des Landes steigen jedenfalls täglich weiter.
Die Anleger spekulieren auf eine Umschuldung
Selbst kurzfristige Kredite werden immer teurer. Am Dienstag versteigerte der spanische Staat Schuldverschreibungen mit Laufzeiten von drei und sechs Monaten. Dabei nahm er zwar rund drei Milliarden Euro ein, musste aber auch sehr hohe Zinsen zahlen. Um dem Land für drei Monate Geld zu leihen, verlangten die Investoren eine durchschnittliche Rendite von 2,43 Prozent. Bei der letzten vergleichbaren Auktion im Juni waren es noch 2,36 Prozent gewesen. Bei den sechsmonatigen Papieren stieg die Rendite von 3,24 auf 3,69 Prozent.
Händler bezeichneten die Ergebnisse der Auktion als enttäuschend. Die heimischen Investoren hätten sich zurückgehalten und auch im Ausland sei das Interesse gering gewesen. Am Sekundärmarkt, wo bereits früher ausgegebene Anleihen gehandelt werden, blieben die Renditen auf extrem hohen Niveau. Erstmals seit 2001 überstiegen dabei die Renditen für fünfjährige Papiere mit 7,45 Prozent diejenigen der zehnjährigen Anleihen.
Üblicherweise erhalten Anleger für Anleihen mit einer kürzeren Laufzeit weniger Rendite als für langlaufende Papiere. Kehrt sich dies um, deutet das in der Regel darauf hin, dass das Risiko für einen Zahlungsausfall an den Märkten höher eingeschätzt wird.
Experten bewerten die aktuelle Situation äußerst kritisch. "Besorgniserregender als das reine Zinsniveau ist, dass die Renditen bereits ab einer Laufzeit von drei Jahren oberhalb von sieben Prozent liegen", erklärte Sebastian von Koss, Anleihen-Analyst der Bank HSBC Trinkaus. Das sich die normalerweise steigende Zinskurve umkehre, sei ein Zeichen dafür, dass die Anleger eine zeitnahe Umschuldung für relativ wahrscheinlich halten.
stk/Reuters/dpa
