31.07.2012
Wirtschaftskrise
US-Tochter Chrysler rettet Fiat vor Verlusten
Wagen von Fiat in Turin: Italienischer Hersteller leidet unter Kaufzurückhaltung
Turin - Nach Peugeot
und Opel muss nun auch Fiat schlechte Zahlen vermelden. Zwar fällt das Ergebnis des italienischen Konzerns nicht so verheerend aus wie das der beiden Konkurrenten. Doch Fiat
kam in seiner Halbjahresbilanz nur dank der US-Tochter Chrysler ohne Verluste aus.
Fiat alleine hätte im ersten Halbjahr einen Verlust von mehr als 500 Millionen Euro eingefahren, wie der Konzern am Dienstag in Turin mitteilte. Der Umsatz fiel um fast sieben Prozent auf rund 18 Milliarden Euro. Damit trifft die Krise in Europa Fiat mit den Tochtermarken Alfa Romeo und Lancia immer härter.
Vor allem der Einbruch des italienischen Automarkts macht dem Konzern schwer zu schaffen. Bei der Tochter Chrysler dagegen laufen die Geschäfte gut. Diese profitiert von seiner starken Präsenz in Nordamerika. Während viele Autohersteller in Europa schwere Verluste hinnehmen mussten und mit sinkenden Absatzzahlen auch in China und Südamerika zu kämpfen hatten, ist Chrysler auf diesen Märkten kaum aktiv. Das Unternehmen erzielt 75 Prozent seines Umsatzes in den USA und weitere 12 Prozent in Kanada. In beiden Ländern ist der Automarkt seit drei Jahren im Aufwind.
Die US-Tochter polierte das Fiat-Konzernergebnis auf: Der Gewinn im zweiten Quartal betrug unterm Strich 358 Millionen Euro, nach 1,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Gesamtumsatz der Fiat-Gruppe, also mit der Tochter Chrysler, erreichte 21,5 Milliarden Euro, wobei Fiat allein lediglich 9,2 Milliarden Euro ausmachte. Weil Analysten bessere Ergebnisse erwartet hatten, gab die Fiat-Aktie in Mailand um 4,5 Prozent nach.
Vor allem Massenhersteller wie Fiat, PSA Peugeot Citroen oder Opel leiden unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher speziell in Südeuropa.
Audi, Porsche und Honda vermelden hohen Gewinn
Dagegen bekommen die deutschen Ober- und Luxusklassehersteller Audi
und Porsche
die Krise bisher nicht zu spüren. Umsätze und Gewinne der beiden Unternehmen stiegen im ersten Halbjahr kräftig. Die VW-Tochter Audi vermeldete im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Gewinnsprung von 34,1 Prozent auf rund 2,27 Milliarden Euro. Die Umsätze stiegen um 16,2 Prozent auf 25,02 Milliarden.
Trotz kräftiger Zuwächse im ersten Halbjahr sieht Audi die Krise in Europa aber mit Sorge. Das Marktumfeld in Südeuropa sei deutlich schwieriger geworden, der Preiswettbewerb habe sich verschärft. "Man kann sich dem Markt nicht ganz entziehen", sagte Finanzchef Axel Strotbek.
Der Autobauer Porsche steigerte sein Betriebsergebnis im ersten Halbjahr um 20,6 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 29,3 Prozent auf 6,76 Milliarden.
Auch beim japanischen Hersteller Honda
laufen die Geschäfte gut. Der Konzern steigerte seinen Gewinn im Quartal von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 300 Prozent auf 131,7 Milliarden Yen (1,32 Milliarden Euro). Der Umsatz stieg um 42,1 Prozent.
mmq/dpa/Reuters
