02.08.2012
Skeptische Kunden
Absatz der Autobranche fällt um fünf Prozent
Autos im Hamburger Hafen: Die deutschen Verbraucher sind zurückhaltend
Berlin/Detroit - Die deutsche Autoindustrie meldet einen Absatzeinbruch. Im Juli wurden etwa 248.000 Fahrzeuge neu zugelassen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Donnerstag mitteilte. Das sind knapp fünf Prozent oder rund 13.000 Autos weniger als im Vorjahresmonat.
Noch im Juni hatte die Branche auf eine Erholung gehofft, als auf dem deutschen Markt ein Plus von 2,9 Prozent verzeichnet wurde. Im Mai hatte es dagegen bereits ein Minus von fast fünf Prozent gegeben.
"Es mehren sich die Anzeichen, dass insbesondere die privaten Käufer angesichts der Unsicherheit in Westeuropa zurückhaltender werden", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Der jüngste Absatzeinbruch sei "ein klares Signal an die Politik, Vertrauen in die Lösung der Staatsschuldenkrise im Euro-Raum nachhaltig zurückzugewinnen". Nur so könne der deutsche Automarkt weiterhin ein "Stabilitätsanker" in Westeuropa bleiben.
Exporteure hoffen auf Firmenzulassungen
Vor allem in Frankreich und Italien liefen die Verkäufe zuletzt katastrophal. Dort brachen die Neuzulassungen um mehr als 20 Prozent ein. Die Hersteller wollen in Deutschland noch nicht von einer Absatzkrise sprechen. Mit insgesamt knapp 1,9 Millionen Neuzulassungen von Januar bis Juli bleibe der deutsche Markt entgegen dem Abwärtstrend in vielen anderen Ländern Europas stabil, sagte Volker Lange, Präsident des Herstellerverbandes VDIK.
Auch der Importeursverband VDIK zeigte sich zuversichtlich, dass die deutschen Produzenten vorerst von der Krise verschont bleiben. Der auf 48 Prozent gestiegene Anteil von Dieselfahrzeugen bleibe "eine wesentliche Stütze der Marktstabilität", erklärte der Verband. Die daraus abzuleitende Zunahme an gewerblichen Zulassungen federe den Rückgang bei Privatzulassungen ab.
Die deutsche Autoindustrie profitiert angesichts der Krise in Europa vor allem von ihrer globalen Ausrichtung. Getrieben vom Absatz in den USA konnten deutsche Hersteller ihre Exporte im Juli laut VDA um fast drei Prozent auf 342.000 Autos ausweiten.
Opel beschert GM hohe Verluste
Für Opel, das größte Sorgenkind auf dem deutschen Markt, geht es allerdings weiter rasant abwärts. Der US-Mutterkonzern General Motors
schrieb im zweiten Quartal in seinem Europageschäft - das im Wesentlichen aus Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall besteht - einen operativen Verlust von 294 Millionen Euro. Die Verkäufe der beiden Marken gingen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 298.000 zurück.
Die Schuldenkrise in Europa halte die Kunden vom Kauf ab, sagte der Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Stephen Girsky. Die Rezession verfestige sich. "Wir sind nicht schnell genug gewesen, um jene Faktoren anzugehen, die wir beeinflussen können", sagte Girsky. "Wir haben einen klaren Plan, um dies zu ändern. Insbesondere wenn wir uns vor Augen führen, wie deutlich der europäische Markt zurückgeht und wie sich das auf die Automobilindustrie auswirkt."
Die Opel-Werke sind nicht ausgelastet, deshalb wird über die Schließung des Standorts Bochum spekuliert. Im Juli musste Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen. Nun soll Strategievorstand Thomas Sedran die Wende schaffen.
Die Probleme in Europa belasten den gesamten GM-Konzern. Unterm Strich verdiente der Konzern im zweiten Quartal noch 1,5 Milliarden Dollar - ein Rückgang von 41 Prozent. Der Umsatz schrumpfte um vier Prozent auf 37,6 Milliarden Dollar.
mmq/dpa/dapd
