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07.08.2012
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Fall Standard Chartered

Skandalwochen für Britanniens Banken

Von Carsten Volkery, London
Reklame von Standard Chartered: Schmutzige Geschäfte mit dem Iran
AFP

Reklame von Standard Chartered: Schmutzige Geschäfte mit dem Iran

Die britische Bank Standard Chartered soll Sanktionen gegen Iran unterlaufen haben, nun droht der Entzug der Lizenz in den USA. Zuvor waren amerikanische Behörden in einer anderen Sache gegen Barclays und HSBC vorgegangen. Hinter den Attacken auf Londoner Geldkonzerne steckt Kalkül.

Keine Bank ist sicher. Diese Erkenntnis dürfte sich in globalen Finanzkreisen allmählich durchsetzen. Am Montag erwischte es Standard Chartered (kurz StanChart), die einzige der fünf britischen Großbanken, die bisher von Skandalen verschont geblieben war.

StanChart wird vorgeworfen, in den vergangenen zehn Jahren Transaktionen mit Iran in Höhe von 250 Milliarden Dollar verschleiert zu haben. Insgesamt 60.000 geheime Geldgeschäfte sollen gegen US-Sanktionen verstoßen haben, darunter Aufträge der iranischen Zentralbank und der Geldhäuser Saderat und Melli. So steht es in einem 27-seitigen Bericht des Department of Financial Services (DFS), einer neuen Finanzaufsichtsbehörde des US-Bundesstaats New York.

Die Bank habe das US-Finanzsystem für Terroristen, Waffenhändler, Drogenbarone und korrupte Regime verwundbar gemacht, sagte DFS-Chef Benjamin Lawsky. Er drohte mit Entzug der US-Banklizenz.

Der Aktienkurs von StanChart stürzte prompt ab: 15 Prozent im Handel in Hongkong, 23 Prozent in London. Ein Verlust der US-Banklizenz würde das Institut teuer zu stehen kommen. Es wickelt in New York jeden Tag Geschäfte in Höhe von 190 Milliarden Dollar ab.

Selbst wenn es nicht so weit kommt - eine saftige Geldstrafe ist der Bank wohl sicher.

Damit ist der Skandalsommer der Londoner City perfekt. Erst vor drei Wochen war die britische HSBC von einem US-Senatsausschuss der Geldwäsche bezichtigt worden. Und Barclays hatte in einem Vergleich 453 Millionen Dollar an das US-Justizministerium gezahlt, um den Vorwurf der Libor-Zinsmanipulation aus der Welt zu schaffen. Auch Lloyds und Royal Bank of Scotland hatten in den vergangenen Jahren bereits dreistellige Millionenstrafen an die US-Regierung zahlen müssen.

Es sind jedoch nicht nur britische Banken, die seit 2009 ins Visier der US-Ermittler geraten. Credit Suisse musste vor drei Jahren 536 Millionen Dollar Strafe zahlen, die niederländische ING vor einigen Monaten die Rekordsumme von 619 Millionen Dollar aufbringen. Der Vorwurf lautet stets: Umgehung der US-Finanzsanktionen gegen Staaten wie Iran, Kuba, Libyen und Syrien.

Vorwurf der politischen Effekthascherei

Bei der Untersuchung von Standard Chartered förderte das DFS einen aufschlussreichen E-Mail-Wechsel zutage. Der Chef des Amerikageschäfts warnte die Zentrale im Oktober 2006, dass die Iran-Geschäfte einen "katastrophalen Imageschaden" und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Darauf erreichte ihn eine gepfefferte Antwort aus London. "Ihr verdammten Amerikaner. Wer seid ihr, dass ihr uns, dem Rest der Welt, verbieten wollt, mit den Iranern zu handeln", schrieb der Chef des Risikomanagements.

Dieser Austausch zeige, dass die Bank bewusst US-Gesetze missachtet habe, sagte DFS-Chef Lawsky.

Lawsky muss sich jedoch auch den Vorwurf der politischen Effekthascherei gefallen lassen. In New York konkurrieren inzwischen mehrere Behörden darum, illegale Machenschaften von Banken aufzudecken. Die Ämter des New Yorker Generalstaatsanwalts und des Bezirksstaatsanwalts von Manhattan werden seit jeher als politische Sprungbretter genutzt. Je mehr Schlagzeilen der Amtsinhaber macht, desto sicherer sein politischer Aufstieg. Der Kampf gegen die Großbanken der Wall Street hat sich schon für einige Staatsanwälte ausgezahlt.

Lawsky, der im Oktober 2011 den Posten bei der neugegründeten Behörde DFS antrat, ist ein politischer Ziehsohn des New Yorker Gouverneurs Andrew Cuomo. Er weiß, wie das Geschäft läuft. Bei seinen Vorwürfen gegen Standard Chartered fällt auf, dass er die gleichen drastischen Worte wählt ("Terroristen", "Waffenhändler", "Drogenbarone") wie der US-Senatsausschuss im Fall HSBC.

StanChart wies die Vorwürfe zurück. Man arbeite seit längerem mit den US-Behörden in dieser Frage zusammen und sei überrascht über den Bericht, teilte das Institut mit. 99,9 Prozent der beanstandeten Iran-Transaktionen seien im Rahmen des Gesetzes erfolgt, nur Geschäfte in Höhe von 14 Millionen Dollar verstießen gegen US-Sanktionen.

In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wer recht hat. Und noch etwas ist sicher: Es werden nicht die letzten Enthüllungen sein. Die US-Behörden ermitteln wegen Libor-Manipulationen, Geldwäsche und sonstigen illegalen Machenschaften gegen Dutzende Banken, darunter auch deutsche.

Forum

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insgesamt 12 Beiträge
1. optional
cibag 07.08.2012
Bleibt abzuwarten wie ernst es der Politik wirklich damit ist, einige ihrer Geldgeber zur Verantwortung zu ziehen.
Bleibt abzuwarten wie ernst es der Politik wirklich damit ist, einige ihrer Geldgeber zur Verantwortung zu ziehen.
2. Warum sollten sich auch ausländische Banken
berlinjens 07.08.2012
um USA Sanktionen kümmern? Es geht nicht nur um die Amis.
um USA Sanktionen kümmern? Es geht nicht nur um die Amis.
3. Grossmaulige USA
wuerfel2 07.08.2012
Nun ist auch bekannt geworden, dass sich die US-Banken nur über Wasser halten können weil sie in riesigen Mengen Drogengelder waschen! Wir sollten von den Amis verlangen, dass sie erstmal im eigenen Land aufräumen. Vielleicht [...]
Nun ist auch bekannt geworden, dass sich die US-Banken nur über Wasser halten können weil sie in riesigen Mengen Drogengelder waschen! Wir sollten von den Amis verlangen, dass sie erstmal im eigenen Land aufräumen. Vielleicht trägt der Liborskandal etwas dazu bei, da wird noch einiges kommen!
4. Bankenkrieg!!!
mouth 07.08.2012
"Hinter den Attacken auf Londoner Geldkonzerne steckt Kalkül." Aber klar... schon bei Barkleys dachte ich mir... Holla, man sägt an den Banken. Je mehr an die Oberfläche kommt, Libor etc... und nun die [...]
Zitat von sysopDie britische Bank Standard Chartered soll Sanktionen gegen Iran unterlaufen haben, nun droht der Entzug der Lizenz in den USA. Zuvor waren amerikanische Behörden in einer anderen Sache gegen Barclays und HSBC vorgegangen. Hinter den Attacken auf Londoner Geldkonzerne steckt Kalkül. Standard Chartered: Bank hat US-Sanktionen gegen Iran umgangen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,848724,00.html)
"Hinter den Attacken auf Londoner Geldkonzerne steckt Kalkül." Aber klar... schon bei Barkleys dachte ich mir... Holla, man sägt an den Banken. Je mehr an die Oberfläche kommt, Libor etc... und nun die Waffengeschäfte, ich sage das ist occupy wallstreet von innerhalb der Politikerriege. Wenn die Brieten nicht am Fiskalpakt mitstricken, weil 10% der Wirtschaft/Einnahmen von den Banken kommt, dann wird von aussen nun mal fleissig aufgedeckt... wie wurmstichig das ganze Gefüge ist. Bankenkrieg als Nebenschauplatz... Die Deutsche Bank steht neuerdings mit ihren unmoralischen amerikanischen Immobielenfond nun auch nackig da. Wer hat da geplaudert? Bin gespannt welche britische Bank als nächstes entblättert wird.
5. Man sollte
dutchinnz 07.08.2012
in Europa mal genau die gleiche Regeln auf alles der USA anwenden, die dieses Irrenland für Europa zwingend macht. Das fängt an mit Visumpflicht (man erinnere sich, wie dort empört geschrien wurde als Brasilien das tat), mit [...]
in Europa mal genau die gleiche Regeln auf alles der USA anwenden, die dieses Irrenland für Europa zwingend macht. Das fängt an mit Visumpflicht (man erinnere sich, wie dort empört geschrien wurde als Brasilien das tat), mit Datenübertragung von Reisenden nach Europa, mit allen Banküberweisungen aus und auch innerhalb der USA und allem, was sie noch meinen, als Weltherrscher auf berechtigt zu sein. Identisch an ihrem Gesetz sollte auch hier ein Gesetz gemacht werden, wonach Amerikaner, für denen es die EU es notwendig achtet, weltweit geahndet und ohne Form von Prozess umgebracht werden können. Das übrigens wäre der allererste nützliche Entschluß der europäischen "Regierung". Und wenn sie es nicht wollen, dann gleich ausschließen und zuerst mal den Kredithahn zudrehen. Aber dafür sind die Europäer zu feige; die beschäftigen sich lieber mit Miljarden in korrupte Drittewelt- EU-Länder zu versenken, oder mit je 35-seitige Vorschriften zu machen, wie Zwiebeln, Gurken und Bananen auszusehen haben.

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