10.08.2012
Konzern auf Sparkurs
RWE streicht weitere 2400 Stellen
RWE-Mitarbeiter auf einer Bohranlage: Tausende Stellenstreichungen geplant
Essen - Beim Energiekonzern RWE steht ein großangelegter Stellenabbau bevor. Der neue Vorstandschef Peter Terium treibt den Sparkurs voran. Wie mehrere Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Konzernkreise am Freitag berichteten, sollen bis Ende 2014 weitere 2400 Stellen gestrichen werden. Das habe der Vorstand am Donnerstag beschlossen. Kürzen wolle Terium vor allem bei Verwaltungsaufgaben wie dem Rechnungs-, Finanz- und Personalwesen. Die nun beschlossenen Streichungen kommen zu dem bereits angekündigten Abbau von 8000 der 72.000 Arbeitsplätze hinzu.
Auf betriebsbedingte Kündigungen werde Terium nicht ausdrücklich verzichten, hieß es. Damit wolle der Manager den Druck auf die Beschäftigten aufrechterhalten, Jobangebote auch an anderen Standorten anzunehmen. Der Stellenabbau bei Deutschlands zweitgrößtem Energieversorger solle aber sozialverträglich erfolgen und nicht in jedem Fall würden die Betroffenen ihren Job verlieren. So könnten rund 3000 Mitarbeiter durch den Verkauf von Unternehmensteilen von der RWE-Gehaltsliste fallen. Weitere 1500 Stellen seien derzeit gar nicht besetzt.
Der Jobabbau bei RWE hat in etwa dieselbe Größenordnung wie der des Konkurrenten E.on. Dort hatte Vorstandschef Johannes Teyssen bereits vor einem Jahr bis zu 11.000 Stellenstreichungen angekündigt.
Gasgeschäft soll in neue Gesellschaft eingebracht werden
RWE
leidet unter den Folgen des Atomausstiegs und einem großen Schuldenberg. Der Konzern hat zudem Probleme im Gasgeschäft. Hier will Terium im Rahmen des Projekts "Julio II" eine länderübergreifende Erzeugungsgesellschaft gründen, wodurch rund 100 Millionen Euro eingespart werden sollen.
"Das Konzept des Julio-II-Projektteams sieht vor, die deutschen Steinkohle- und Gaskraftwerke der RWE Power in die europäische Erzeugungsgesellschaft einzubringen, die ihren Sitz in Deutschland haben soll", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters aus einem internen Papier des Konzerns. Die Tochter mit Sitz in Nordrhein-Westfalen soll in der Form einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) Anfang 2013 an den Start gehen. In der neuen Sparte sollen 18.000 Menschen arbeiten.
Terium hat erst im Juli sein Amt angetreten. Der neue RWE-Chef will den Versorger umbauen und hat "harte Entscheidungen" angekündigt. Laut Terium wird RWE auf Dauer "mit weniger Mitarbeitern auskommen müssen". Erläuterungen zu seinen Plänen dürften am kommenden Dienstag folgen, dann legt RWE seine Zahlen für das erste Halbjahr vor.
Deutsche stehen Energiewende skeptischer gegenüber
Die Probleme bei dem Konzern sind nicht zuletzt der Energiewende geschuldet. Laut einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) lässt die Begeisterung der Deutschen für den Atomausstieg deshalb auch nach. Die Bereitschaft, für den Ausbau der erneuerbaren Energien höhere Stromkosten in Kauf zu nehmen oder Stromleitungen in unmittelbarer Nachbarschaft zu akzeptieren, ging leicht zurück, teilte die GfK am Freitag mit.
Kurz nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatten sich noch 60 Prozent der Deutschen für den Ausbau der erneuerbaren Energien ausgesprochen, auch wenn dadurch die eigenen Energiekosten steigen. Inzwischen ist nur noch knapp die Hälfte der Bürger zu Mehrausgaben bereit.
Für die Energiewende benötigte neue Stromleitungen hatten 2011 noch 76 Prozent der Befragten auch in unmittelbarer Nähe ihres Hauses akzeptiert. Inzwischen wollen das nur noch 69 Prozent der Befragten tolerieren. Ähnlich ist die Situation bei Windanlagen: Knapp zwei Drittel statt wie zuvor gut 70 Prozent würden neue Windräder in ihrer Nachbarschaft billigen.
Eine Rückkehr zur Kernkraft ist für den Großteil der Bevölkerung aber offenbar auch keine Lösung. Denn mehr als vier Fünftel der Befragten sagte, die Nutzung von Atomkraft sei unverantwortlich. Laut der Umfrage stehen vor allem Ältere dem Ausbau der erneuerbaren Energien kritischer gegenüber.
mmq/Reuters/dapd/dpa
