09.11.2012
Schnäppchenportal
Anleger verramschen Groupon-Aktie
Groupon-Logo in der Zentrale in Chicago: Sinkendes Vertrauen
Chicago - Etablierte Firmen können von solchen Zahlen nur träumen, doch für die Internetfirma Groupon ist ein Umsatzplus von 32 Prozent schwach. Das einst steile Wachstum des Schnäppchenportals ist im dritten Quartal weiter abgeflaut. Anleger reagierten prompt: Nach Bekanntgabe der Geschäftszahlen brach die Aktie nachbörslich um 15 Prozent auf 3,33 Dollar ein. Das ist ein neuer Tiefstand. Beim Börsengang vor einem Jahr hatte das Papier noch 20 Dollar gekostet.
Groupons Problem: Dem Portal fällt es immer schwerer, neue Kunden für seine Schnäppchen zu begeistern. Während US-Verbraucher und Kanadier noch zuschlugen, stagnierte das internationale Geschäft beinahe. Im dritten Quartal setzte Groupon 569 Millionen Dollar um - das war ein Plus von 32 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal hatte Groupon jedoch noch um 45 Prozent zulegen können und im ersten Quartal sogar um 89 Prozent.
Gewerbetreibende können bei Groupon Rabattcoupons anbieten. Der Deal kommt zustande, wenn eine bestimmte Anzahl von Interessenten zuschlägt. Das Unternehmen erhält dann einen Teil der Einnahmen. Groupon versucht bereits, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten. Das bereitet offenbar vor allem in Europa Probleme. Dort gebe es "anhaltende Herausforderungen", sagte Gründer und Firmenchef Andrew Mason.
Groupon steckt viel Geld in das Aufspüren und Verwalten der Schnäppchen. Immerhin dämmte das Unternehmen seinen Quartalsverlust auf unterm Strich drei Millionen Dollar ein, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 54 Millionen Dollar aufgelaufen war.
Vertrauen mit Schlamperei verspielt
Schon seit einiger Zeit hegen die Anleger Zweifel daran, dass das Geschäftsmodell überhaupt funktionieren kann. Die Frage ist, ob sich die hohen Kosten für das Aufspüren und die Vermarktung der Schnäppchen rechnen. Zudem machte Groupon mit schlampiger und zweifelhafter Buchführung Schlagzeilen. Das Unternehmen musste bereits Zahlen korrigieren. Bereits im Sommer sollen mindestens vier hochkarätige Investoren dem Unternehmen den Rücken gekehrt und dabei kräftig Kasse gemacht haben.
Einige Groupon-Konkurrenten haben bereits aufgegeben. Amazon
schrieb jüngst fast seine gesamte Investition in den Groupon-Rivalen LivingSocial ab. Groupon galt als Hoffnungsträger unter den Internetfirmen und sogar als Wegbereiter für das soziale Netzwerk Facebook
an den Kapitalmarkt. Auch die Facebook-Aktie hat inzwischen einen enormen Kursverfall hingelegt, wenngleich der Absturz weniger dramatisch ausfiel als bei Groupon.
mmq/dpa-AFX

