Lade Daten...
13.11.2012
Schrift:
-
+

Teures Gesundheitssystem

Privatversicherten droht Beitragsschock

Von
Corbis

Behandlung im Krankenhaus: Laut Schätzungen gibt es in der PKV 150.000 Nichtzahler

Für Mitglieder der privaten Krankenversicherungen wird es teurer. Die Beiträge für Neukunden steigen um bis zu 41 Prozent - das zeigen Zahlen von elf großen Gesellschaften, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Auch langjährig Versicherte müssen mit teils drastischen Erhöhungen rechnen.

Hamburg - Michael Hogrefe* hat die Nachricht bereits bekommen, auf die Mitglieder der privaten Krankenversicherung warten. In den kommenden Tagen informieren die Unternehmen ihre Kunden, wie hoch der Beitrag im kommenden Jahr sein wird. Hogrefe erfuhr es vorab: Er soll ab Januar rund 100 Euro mehr zahlen, statt 921 Euro verlangt seine Krankenversicherung, die Gothaer, 1022 Euro.

Hogrefe will das nicht akzeptieren. Seit 1988 ist der 51-Jährige bei der Gothaer, doch schon 921 Euro Monatsbeitrag waren ihm zu viel. Ende Oktober schaltete Hogrefe den Versicherungsmakler Javier Garcia ein. Der soll für ihn nun einen günstigeren Tarif bei der Gothaer finden. Bei der Suche erfuhr der Makler, wie sich der Tarif seines Kunden entwickelt - und fand entsprechende Alternativen.

Doch wie sieht es sonst aus? Das Gros der Privatversicherten weiß noch nicht, wie viel Beitrag sie im kommenden Jahr zahlen müssen. Die Unternehmen halten sich bedeckt und wollen keine konkreten Zahlen herausgeben. SPIEGEL ONLINE liegt jedoch eine Übersicht der Tarifentwicklung im Neugeschäft von elf der größten Anbieter vor. Die Zahlen zeigen, wie sich die Beiträge für jemanden entwickeln, der aktuell in die private Krankenversicherung wechseln will. Dabei handelt es sich nicht um Unisex-Tarife, die ab dem 21. Dezember nach einem EuGH-Urteil eingeführt werden müssen. Im Extremfall beträgt das Plus im Vergleich zum Vorjahr 41 Prozent.

Maximale Erhöhung der PKV-Beiträge für einen Neukunden

Private KV 1.1.2013 (%) Tarif
Allianz 17,77 AktiMed Plus 90 P
AXA 41,65 Vision1-4500
Barmenia 10,58 easyflex dent 1+
Deutscher Ring 11,39 Classic+
Gothaer 13,23 MediVita
Hallesche 20,12 KS2
Hanse Merkur 12,79 KV2
LVM 12,90 A1050, S1, Z100/50
Münchener Verein 34,64 Royal 891
R+V 19,22 AGIL premium TN3
Universa 17,35 VE1300H

Quelle: "PKV Premium Selection, Volz-ITSC GmbH, Weingarten"

SPIEGEL ONLINE hat bei allen elf Gesellschaften nachgefragt. Die Unternehmen spielen die Zahlen herunter. Der Tenor: Die stärksten Erhöhungen seien Einzelfälle in bestimmten Altersgruppen und Tarifen, bei denen der Beitrag in den vergangenen Jahren stabil gewesen sei. Zudem betonen die Versicherungen, dass die Erhöhungen im Durchschnitt aller Kunden niedrig seien. So nennt die Allianz ein durchschnittliches Plus von 3,0 Prozent, die LVM erhöht um 2,76 Prozent, die Hanse Merkur um 2,6 Prozent und die Axa spricht von 2,0 Prozent. Die Durchschnittswerte sind allerdings nur begrenzt aussagekräftig, da dabei alle Versicherten mitgerechnet werden, die dieses Mal keine Erhöhung bekommen.

Von den größten Krankenversicherungen fehlen in dieser Übersicht die Debeka, die DKV und die Central. Die Debeka hat angekündigt, dass die Beiträge für fast alle Versicherten stabil bleiben sollen. Die DKV passt ihre Beiträge voraussichtlich erst zum 1. April an. Im vergangenen Jahr sorgte die Central mit kräftigen Erhöhungen für Schlagzeilen. Im Durchschnitt stiegen die Beiträge um 12,9 Prozent, in Einzelfällen betrug das Plus mehr als 40 Prozent. Für 2013 sind bei der Central moderatere Erhöhungen zu erwarten, allerdings werden auch die Selbstbehalte heraufgesetzt.

Klar ist: Auch wenn die maximalen Erhöhungen von 41 Prozent bei der Axa oder 34 Prozent beim Münchener Verein Extremfälle sind - für viele Versicherte dürften die Beiträge deutlich steigen. Denn eine Erhöhung im Neugeschäft bedeutet in der Regel, dass Bestandskunden, also langjährig Versicherte, noch mehr draufzahlen müssen. Versicherungsmakler Garcia gibt ein Beispiel: "Wenn ein Tarif für einen Neukunden um fünf Prozent teurer wird, dann fällt die Steigerung für einen langjährig Altversicherten in demselben Tarif deutlich höher aus, unter Umständen doppelt so hoch."

Der Grund: Die Unternehmen kalkulieren beim Beitrag mit Alterungsrückstellungen. Diese dienen dazu, die höheren Kosten im Alter abzufedern. Wenn nun die Beiträge steigen, heißt das, dass auch die Alterungsrückstellungen zu niedrig kalkuliert wurden. Werden diese dann nachgebessert, kommen stärkere Erhöhungen als im Neugeschäft zustande.

Problem der geschlossenen Tarife

Noch extremer ist es in den sogenannten geschlossenen Tarifen. Manche Gesellschaften bezeichnen diese als "nicht mehr beworbene Tarife". Im Kern ist es aber dasselbe. Es sind Tarife, in die keine neuen Versicherten mehr aufgenommen werden. Der Anteil der Versicherten mit höheren Krankheitsrisiken steigt, was für höhere Kosten sorgt. Die Folge: Die Beiträge steigen überproportional. Garcia rechnet damit, dass es in diesen geschlossenen Tarifen viele Versicherte gibt, die mit Beitragssteigerungen von bis zu 30 Prozent rechnen müssen.

Für jemanden, der ohnehin schon Probleme hat, seine Beiträge zu zahlen, ist das ein herber Schlag. Schätzungen zufolge können sich mehr als 150.000 Privatversicherte ihre Gesundheitsversorgung nicht mehr leisten. Wer seinen Beitrag über einen längeren Zeitraum nicht zahlen kann, für den stellt die Kasse das Ruhen der Leistungen fest. Das bedeutet: Die Versicherung muss nur noch die Behandlung von akuten Krankheiten und Schmerzen zahlen, nicht mehr. Wer sich bei einem Unfall ein Bein bricht, kann also trotzdem zum Arzt gehen. Eine Vorsorgebehandlung oder eine Reha ist dagegen ausgeschlossen.

Um Beiträge zu sparen, können Versicherte in einen anderen Tarif wechseln. Diese Möglichkeit steht theoretisch jedem Versicherten offen. In der Praxis blockieren die Gesellschaften dies jedoch häufig: Kunden werden hingehalten, falsch informiert und verängstigt.

* Name von der Redaktion geändert.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 46/2012
Charisma
Das Geheimnis der besonderen Ausstrahlung

Zum digitalen SPIEGEL

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 606 Beiträge
1. Panikmache!
Konradii 13.11.2012
Meine PKV hat ihren Beitrag dieses JAhr um 61 Cent erhöht, um zusätzliche gesetzlich vorgesehene Leistungen zu finanzieren... Drastische Preiserhöhungen hat man meines Erachtens nur zu erwarten, wenn man auf Lockangebote [...]
Zitat von sysopCorbisFür Mitglieder der privaten Krankenversicherungen wird es teurer. Die Beiträge für Neukunden steigen um bis zu 41 Prozent - das zeigen Zahlen von elf großen Gesellschaften, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Auch langjährig Versicherte müssen mit teils drastischen Erhöhungen rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pkv-krankenversicherungen-erhoehen-beitraege-a-866766.html
Meine PKV hat ihren Beitrag dieses JAhr um 61 Cent erhöht, um zusätzliche gesetzlich vorgesehene Leistungen zu finanzieren... Drastische Preiserhöhungen hat man meines Erachtens nur zu erwarten, wenn man auf Lockangebote eingestiegen ist. Selbst schuld, wenn man denkt, dass man für Hundert Euro eine ordentliche PKV dauerhaft erhält.
2.
LH526 13.11.2012
Bevor hier wieder auf die "Aus der Solidargemeinschaft ausgestiegenen Besserverdiener" draufgekloppt wird, nochmal zum Mitschreiben: Dönerbudenbesitzer: Privatversichert Selbständiger Schuhmachermeister: [...]
Bevor hier wieder auf die "Aus der Solidargemeinschaft ausgestiegenen Besserverdiener" draufgekloppt wird, nochmal zum Mitschreiben: Dönerbudenbesitzer: Privatversichert Selbständiger Schuhmachermeister: Privatversichert Angestellter Banker: Gesetzliche Krankenkasse
3. Och - DAS tut mir aber leid.
gifmemore 13.11.2012
Wenn die Privatversicherten dann vielleicht auch mal soviel zahlen müssen, wie die gesetzlich Zwangsversicherten. 150000 Privatversicherte können sich ihre Versicherung nicht mehr leisten ... nasowas ... wessen Problem ist das [...]
Wenn die Privatversicherten dann vielleicht auch mal soviel zahlen müssen, wie die gesetzlich Zwangsversicherten. 150000 Privatversicherte können sich ihre Versicherung nicht mehr leisten ... nasowas ... wessen Problem ist das jetzt. Erst sich aus dem Solidarsystem verabschieden - und dann rummeckern, wenn man am Ende dumm dasteht. Mein Mitgleid hält sich in Grenzen.
4. wsd
juergenwolfgang 13.11.2012
Wir schaffen gestern die Praxisgebühr ab da die Krankenkassen gestern nicht wussten wohin mit dem vielen angesparten Geld und heute erhöhen die Krankenkassen die Beiträge weil die Kassen angeblich schon wieder leer sind. [...]
Zitat von sysopCorbisFür Mitglieder der privaten Krankenversicherungen wird es teurer. Die Beiträge für Neukunden steigen um bis zu 41 Prozent - das zeigen Zahlen von elf großen Gesellschaften, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Auch langjährig Versicherte müssen mit teils drastischen Erhöhungen rechnen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pkv-krankenversicherungen-erhoehen-beitraege-a-866766.html
Wir schaffen gestern die Praxisgebühr ab da die Krankenkassen gestern nicht wussten wohin mit dem vielen angesparten Geld und heute erhöhen die Krankenkassen die Beiträge weil die Kassen angeblich schon wieder leer sind. Für wie blöd hällt uns denn wirklich der Großkopferter aus Politik und Wirtschaft??
5. Wie bitte?
Pavel Nowottny 13.11.2012
Der exemplarisch dargestellte Kunde zahlte bislang 921 Euro für seine Krankenversicherung? Wie geht denn das? Wird er persönlich von einem ganzen Team von Chefärzten behandelt? Bei so einem Horror-Beitrag wäre ich schon vor [...]
Der exemplarisch dargestellte Kunde zahlte bislang 921 Euro für seine Krankenversicherung? Wie geht denn das? Wird er persönlich von einem ganzen Team von Chefärzten behandelt? Bei so einem Horror-Beitrag wäre ich schon vor Jahren gewechselt. Du liebe Güte...

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Chronologie der Gesundheitsreformen

1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Private Krankenversicherungen
RSS
Rubriken

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten