16.11.2012
EADS-Ermittlungen
Kieler Werft HDW gerät in Korruptionsaffäre
Von Jörg Schmitt
U-Boot der Dolphin-Klasse bei HDW: Werft im Visier der Staatsanwaltschaft
Hamburg - Die Affäre um den Verkauf von EADS-Kampfjets des Typs "Eurofighter Typhoon" an Österreich breitet sich immer weiter aus. Auch die Kieler Werft HDW ist nach Informationen des SPIEGEL ins Visier der Ermittler geraten.
Im Zuge der Ermittlungen wegen mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen in Höhe von mindestens 50 Millionen Euro hatte die Münchner Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche drei Standorte des Eurofighter-Herstellers EADS durchsuchen lassen. Das Geld soll, getarnt als Bezahlung für Gegengeschäfte mit der Republik Österreich, über eine Londoner Firma an verschiedene Beraterfirmen in Österreich, Schweden und auf der Isle of Man geflossen sein. Im Kaufvertrag hatte EADS zugesichert, für die doppelte Summe des "Eurofighter"-Preises Waren bei Firmen in der Alpenrepublik zu bestellen.
In den Büchern der britischen Firma finden sich nach Erkenntnissen der Münchner Staatsanwaltschaft auch Zahlungen an die ThyssenKrupp-Tochter HDW: Die Kieler Werft erhielt demnach in den Jahren 2006 und 2009 insgesamt knapp 400.000 Euro.
Für diese Zahlungen gibt es eine scheinbar einleuchtende Erklärung: EADS liefert seit Jahren Bauteile für die U-Boote von HDW. Daher wunderte sich in Kiel niemand, als EADS-Manager die Werft im Jahr 2002 baten, bei den Gegengeschäften mit Österreich zu helfen. Als Ansprechpartner wurde HDW die Londoner Firma genannt. Tatsächlich kaufte die Werft daraufhin Kräne in der Alpenrepublik. Die 390.000 Euro, die HDW von der Londoner Firma erhielt, waren das vertraglich festgeschriebene Dankeschön für die Hilfe.
Die Ermittler glauben jedoch, dass den angeblichen Vermittlerdiensten anderer Firmen keine realen Leistungen gegenüberstanden und mit den entsprechenden Millionenbeträgen möglicherweise Entscheider in Österreich bestochen wurden. "Wir gehen davon aus, dass ganz bewusst legale und illegale Geschäfte miteinander vermengt wurden, um illegale Zahlungen zu verschleiern", sagte ein Fahnder.
EADS wollte sich wegen der laufenden Ermittlungen zu konkreten Fragen nicht äußern. Man kooperiere aber in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft.

