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24.11.2012
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Neue ICE-Modelle

Eine Sekunde bis zum Stopp

dapd

Montage des neuen ICE 3: Eine Art Gedenksekunde, bis das Kommando umgesetzt wird

Ein digitales Detail stellt die Deutsche Bahn und den Siemens-Konzern vor große Probleme: Das Kommando zum Anhalten eines ICE-3-Zugs irrt etwa eine Sekunde lang durch den Rechner, bis es ausgeführt wird. Nach SPIEGEL-Informationen verweigerte das Eisenbahn-Bundesamt deshalb die Zulassung.

Hamburg - Die acht neuen ICE vom Typ Velaro sind schon lange bestellt, doch Siemens darf nicht liefern - wegen Problemen an der Steuerungssoftware. Nach Informationen des SPIEGEL traten bei Testfahrten des ICE 3 mit den bei der Deutschen Bahn üblichen Doppelzügen schwerwiegende Kommunikationsprobleme in der Software auf.

Wird der Befehl zur Aktivierung der Bremsen ausgelöst, erlaubt sich die Steuerung eine Art Gedenksekunde, ehe sie das Kommando umsetzt. Bei einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern kommt der Zug nach einer Vollbremsung deshalb erst rund 70 Meter später zum Stehen als die alten ICE. Trotzdem strebte Siemens die Zulassung des ICE 3 an.

Doch ein Gutachter sperrte sich, das Eisenbahn-Bundesamt verweigerte daraufhin die Freigabe. Ein Schock für die Deutsche Bahn: Sie hatte die für Dezember zugesagten acht neuen ICE bereits als Reserve für den Weihnachtsverkehr und harte Wintertage einkalkuliert. Die Züge sollten ab dem 9. Dezember im Deutschlandverkehr eingesetzt werden. Zugesagt war die Lieferung von insgesamt 16 Zügen ursprünglich schon für 2011.

Entsprechend sauer ist man nun bei der Bahn auf Siemens und dessen Chef Peter Löscher. Der hatte noch im September eine Auslieferung vor Ende dieses Jahres zugesagt. Wie lange Siemens nun brauchen wird, um das Problem zu beheben, ist ungewiss.

Der Konzern kämpft schon länger mit der Software der neuesten ICE-Baureihe. Diese muss kompatibel sein mit einem guten Dutzend verschiedener Signalsysteme europäischer Länder, in denen der Zug verkehren soll.

Vor Weihnachten wollen sich die Spitzen von Bahn und Unternehmen nun auf einem Krisengipfel zusammensetzen. Die Deutsche Bahn bereitet ihre Kunden bereits auf Ausfälle und Verspätungen im Winter vor und prüft zudem Schadensersatzforderungen.

Der Kauf neuer Züge in Asien jedenfalls scheint keine Lösung zu sein. Als Bahn-Chef Rüdiger Grube vor einiger Zeit bei einem japanischen Hersteller vorfühlte, winkte dieser ab: Das Zulassungshickhack mit dem Eisenbahn-Bundesamt wolle man sich für keinen noch so großen Auftrag antun.

Diese Meldung kommt aus dem neuen SPIEGEL. Hier können Sie das Heft ab Sonntag um 8 Uhr kaufen.

heb

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insgesamt 307 Beiträge
1. Die Bahn versucht jeden Trick, um Geld zu sparen
johanneso 24.11.2012
Eine Sekunde Verzögerung - bei den international Auflagen an die Software - das ist Spitze ! Man kann Siemens keinen Vorwurf machen - nur die Bahn versucht mal wieder Geld zu sparen zu Lasten der Kunden.
Eine Sekunde Verzögerung - bei den international Auflagen an die Software - das ist Spitze ! Man kann Siemens keinen Vorwurf machen - nur die Bahn versucht mal wieder Geld zu sparen zu Lasten der Kunden.
2. Zu bräsig geworden
JuergenM 24.11.2012
Auch in anderen Bereichen ist Siemens sehr sehr schwer- und selbstgefällig. Deshalb ist wohl der Spruch entstanden: Wollen sie Siemens oder gleich was Gutes?
Auch in anderen Bereichen ist Siemens sehr sehr schwer- und selbstgefällig. Deshalb ist wohl der Spruch entstanden: Wollen sie Siemens oder gleich was Gutes?
3. So einen Zirkus wegen 70 Metern ?
iffel1 24.11.2012
Ersteinmal kann Software upgedated werden, also nur eine Frage der Zeit ! Und die 70 Meter gelten ja nur bei Höchstgeschwindigkeit und da ist es wohl wurscht, ob der Bremsweg 70 Meter länger ist oder nicht, denn der Lokführer [...]
Ersteinmal kann Software upgedated werden, also nur eine Frage der Zeit ! Und die 70 Meter gelten ja nur bei Höchstgeschwindigkeit und da ist es wohl wurscht, ob der Bremsweg 70 Meter länger ist oder nicht, denn der Lokführer kann bei der Geschwindigkeit ohnehin kaum Hindernisse erkennen, vor denen er bremsen kann. So what ? Ich verstehe auch nicht, warum sich das SIEMENS antut, lernt von den Kollegen aus Japan und baut nichts für die deutschen Bürokraten !
4. Eisenbahnbundesamt
verkehrs-freund 24.11.2012
Man sollte auch mal überlegen, ob die Zulassungsvorschriften für Bahnfahrzeuge noch zeitgemäß sind. Alles historisch gewachsen und weit aus dem letzten Jahrhundert. Niemand will unsicheren Schienenverkehr, aber der [...]
Man sollte auch mal überlegen, ob die Zulassungsvorschriften für Bahnfahrzeuge noch zeitgemäß sind. Alles historisch gewachsen und weit aus dem letzten Jahrhundert. Niemand will unsicheren Schienenverkehr, aber der behördliche Sicherheitsfanatismus des Eisenbahnbundesamtes entwickelt sich immer mehr zur Fortschrittsbremse. Wie viel schwerer sind z.B. unsere Züge, weil auch für jeden Bummelzug gigantische Steifigkeiten vorgeschrieben sind?
5. wieso
germanvirgin 24.11.2012
Japan? Erst habt ihr deutsche Technologie nach China verhoeckert. Die haben euch mittlerweile ueberholt, jetzt koennt ihr es auch dort wieder kaufen. Ist zudem viel billiger als in Deutschland,da macht ihr ja noch ein [...]
Japan? Erst habt ihr deutsche Technologie nach China verhoeckert. Die haben euch mittlerweile ueberholt, jetzt koennt ihr es auch dort wieder kaufen. Ist zudem viel billiger als in Deutschland,da macht ihr ja noch ein Schnaeppchen.

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Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.

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