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02.12.2012
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Steuerschlupflöcher

Großbritannien will Google und Co. zur Kasse bitten

REUTERS

George Osborne: Großbritanniens Schatzkanzler geht gegen Großkonzerne vor

Großbritannien will es internationalen Konzernen erschweren, Umsätze zwecks Steuervermeidung zu verschieben. Schon am Mittwoch könnte der britische Schatzkanzler eine offizielle Untersuchung einleiten. Das Ziel: Google, Starbucks und Co. sollen da Steuern zahlen, wo sie ihr Geld verdienen.

London/Hamburg - Eine der Nebenwirkungen der globalisierten Wirtschaft ist, dass die umsatzstärksten internationalen Konzerne oft die niedrigsten Steuern zahlen. Sie tun das, ohne Recht zu brechen: Sie nutzen ganz legal Widersprüche und Schwächen der international nicht koordinierten Steuergesetzgebungen aus.

In Deutschland rechnet sich beispielsweise Starbucks arm, weil die deutsche Dependance astronomisch hohe Lizenzgebühren an die Europazentrale zu zahlen hat. Apple schaffte es zuletzt in den USA, nur 1,9 Prozent Steuern auf seine im Ausland erwirtschafteten Profite zu zahlen. Und Amazon erwirtschaftete in Großbritannien 7,1 Milliarden Pfund Umsatz in drei Jahren - und zahlte dafür an Steuern das Trinkgeld von 2,3 Millionen Pfund.

Dass sie Steuerzahlungen im Promillebereich nicht mehr hinnehmen wollten, machten Wolfgang Schäuble und George Osborne, die deutschen und britischen Finanzminister, schon Anfang November auf dem G20-Gipfel in Mexiko zum Thema. Das Problem ist die mangelnde internationale Abstimmung im Steuerrecht. Die Unternehmen nutzen dabei ganz legale Buchhaltungstricks - unter Steuerplanern bekannt als "Schachtelbeteiligung" oder "Rundreisen". Dabei verschieben internationale Konzerne ihre Profite in Länder mit niedrigen Steuersätzen und kombinieren unterschiedliche Steuervorteile der einzelnen Staaten. So wird dann aus Weltkonzernen wie Google, Amazon, Starbucks oder Cisco ein Steuerzahler, der oft weniger ins Gewicht fällt als ein regionaler Mittelständler.

Einsetzung einer Untersuchungskommission

Jetzt will Osborne Nägel mit Köpfen machen, berichtet der "Telegraph". Nach Informationen der Zeitung plant er, seine Haushaltserklärung am Mittwoch dafür zu nutzen, eine offizielle Untersuchung des Finanzgebahrens internationaler Konzerne in Großbritannien auf den Weg zu bringen. Man würde dabei kaum in geheimen Akten wühlen müssen: Es geht nur darum, die Wege des Geldes zu erfassen und international eine Lösung anzustreben, die Vielzahl der Steuerlöcher zu stopfen.

Die Konzerne fühlen sich nicht verantwortlich dafür, hier von sich aus irgend etwas zu ändern. Gegenüber dem "Telegraph" sagte Matt Brittin, Chef von Google UK, dass Google nur den Regeln folge, die "von Politikern gemacht wurden". Der Internetgigant schafft es so in Großbritannien, auf einen Umsatz von 2,5 Milliarden Pfund bescheidene sechs Millionen Pfund Steuern zu zahlen.

Ein Problem, an dem zahlreiche Staaten beteiligt sind. Apple nutzt etwa ein Steuermodell namens "Double Irish with a Dutch Sandwich". Dabei wird Geld über zwei irische Tochtergesellschaften und eine Firma in den Niederlanden in die Karibik transferiert - wohlgemerkt, um Steuerzahlungen in den USA zu vermeiden.

Mit viel Widerspruch hat der britische Schatzkanzler Osborne von Kollegen in anderen Ländern darrum nicht zu rechnen. Die Forderung, dass internationale Konzerne ihre Steuern da zahlen, wo die Umsätze erwirtschaftet werden, wird von Deutschland, Frankreich und anderen EU-Staaten unterstützt.

pat

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insgesamt 67 Beiträge
1. Kopfschüttel....
dauergrinser 02.12.2012
... Die Frage, die sich mir beim Lesen solcher Artikel immer aufdrängt: Warum erst jetzt? Ist die Lobby wirklich soooooo stark?
... Die Frage, die sich mir beim Lesen solcher Artikel immer aufdrängt: Warum erst jetzt? Ist die Lobby wirklich soooooo stark?
2. Scheingefechte
kannmanauchsosehen 02.12.2012
Ein unverschämtes und scheinheiliges Ablenkungsmanöver. Google und Starbucks nehme ich ja noch irgendwie als innovative Dienstleister wahr, der eine serviert mir fantastische Informationen, der andere leckeren Kaffee. Was [...]
Zitat von sysopGroßbritannien will es internationalen Konzernen erschweren, Umsätze zwecks Steuervermeidung zu verschieben. Schon am Mittwoch könnte der britische Schatzkanzler eine offizielle Untersuchung einleiten. Das Ziel: Google, Starbucks und Co. sollen da Steuern zahlen, wo sie ihr Geld verdienen. Großbritannien will Steuerschlupflöcher für Großkonzerne schließen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/grossbritannien-will-steuerschlupfloecher-fuer-grosskonzerne-schliessen-a-870538.html)
Ein unverschämtes und scheinheiliges Ablenkungsmanöver. Google und Starbucks nehme ich ja noch irgendwie als innovative Dienstleister wahr, der eine serviert mir fantastische Informationen, der andere leckeren Kaffee. Was ist aber mit den ganzen korrupten Windhändlern in der Londoner City, den Cayman Islands, etc.. Die dürfen offensichtlich einfach mal so weitermachen, ... und gedeckt von den Tories den nächsten Börsencrash vorbereiten. Thank you, guys!!!
3.
Battlemonk 02.12.2012
das passt zu den briten dass sie sich jetzt aus dem ausland finanzieren lassen wollen (das ganze wird dann nett steuern genannt) kolonalismus 2.0 nur ohne die nachteile
das passt zu den briten dass sie sich jetzt aus dem ausland finanzieren lassen wollen (das ganze wird dann nett steuern genannt) kolonalismus 2.0 nur ohne die nachteile
4. Tja, wenn die USA es nicht schaffen,
bold_ 02.12.2012
Firmen mit Hauptsitz und Umsatz in den USA dort angemessen zu besteuern, dann werden es die Europäer hoffentlich packen! Es muß doch wohl möglich sein - bei aller Souveränität der Mitgliedsstaaten - in kürzester Zeit eine [...]
Firmen mit Hauptsitz und Umsatz in den USA dort angemessen zu besteuern, dann werden es die Europäer hoffentlich packen! Es muß doch wohl möglich sein - bei aller Souveränität der Mitgliedsstaaten - in kürzester Zeit eine Verordnung zu erarbeiten und im Amtsblatt der EU zu veröffentlichen, die umgehend und ohne Abschläge, Zusätze und Schlupflöcher überall verbindlich und sofort umzusetzen ist. Natürlich werden die Großkonzerne ihre Top-Anwälte vorschicken, aber schließlich hat die EU sogar Microsoft schon mal bluten lassen - und da ging es "nur" um den Brauser und keine Steuerflucht. Als der Chinesische Langhornkäfer bereits ganze Wälder im Osten der USA kahlgefressen hatte, war die EU schnell bei der Hand mit einer Notverordnung. Da wird man doch wohl noch eine Verordnung gegen Steuerflucht hinbekommen, auch wenn dafür eine andere DG zuständig ist... ---- quote ------- Mit viel Widerspruch hat der britische Schatzkanzler Osborne von Kollegen in anderen Ländern darum nicht zu rechnen. Die Forderung, dass internationale Konzerne ihre Steuern da zahlen, wo die Umsätze erwirtschaftet werden, wird von Deutschland, Frankreich und anderen EU-Staaten unterstützt. ----- unquote -------
5. Wie überraschend...
tripleeight 02.12.2012
... Einfach es doch sein kann, wenn man mal neidisch geworden ist. Die Iren kassieren auch bei Niedeigsätzen ganz gut, der Rest der EU schaut in die Röhre. Ähnlich hat es Deutschland in Bezug auf die Wettsteuer nun endlich [...]
... Einfach es doch sein kann, wenn man mal neidisch geworden ist. Die Iren kassieren auch bei Niedeigsätzen ganz gut, der Rest der EU schaut in die Röhre. Ähnlich hat es Deutschland in Bezug auf die Wettsteuer nun endlich gemacht. Aber wie auch dort, wird es auch bei der Körperschaftssteuer wiederum zu einem Gemurkse mit unausgegorener Umsetzung kommen. Wetten?? ;)

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