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12.12.2012
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Anleihekauf

US-Notenbank startet neues Konjunkturprogramm

AFP

Händler an der Wall Street: Freude über neue Konjunkturhilfen der Fed

Die amerikanische Zentralbank will die Geldpolitik weiter lockern, um die schwache US-Konjunktur zu stützen: Vom kommenden Jahr an wird die Fed jeden Monat Staatsanleihen im Wert von rund 45 Milliarden Dollar kaufen - und damit frische Dollar in den Markt pumpen.

Washington - Der US-Leitindex Dow Jones Chart zeigen reagierte prompt: Um kurz vor halb eins Ortszeit knickte die Kurve scharf ab - und zwar nach oben. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hatte zu dem Zeitpunkt ein neues Stützungsprogramm für die US-Konjunktur bekanntgegeben. Von Januar an werde man jeden Monat für 45 Milliarden Dollar Staatsanleihen kaufen, teilte der geldpolitische Ausschuss am Mittwoch in Washington mit.

Ziel der Maßnahme ist es, zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen und so Investitionen anzukurbeln. Zudem setzt die Fed den Kauf von Immobilienpapieren in einem monatlichen Volumen von 40 Milliarden Dollar fort.

Die Notenbanker in Washington ersetzen mit dem Kaufprogramm - wie an den Finanzmärkten - schon erwartet ein auslaufendes Anleihetauschprogramm: die sogenannte Operation Twist. Dabei tauschten sie zuletzt kurz laufende Staatsanleihen in ihrem Portfolio in lang laufende Papiere um. Mit dem Anleihenaufkauf pumpt die Fed zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf. Damit sollen die langfristigen Zinsen in den USA gedrückt und die Wirtschaft stimuliert werden.

Insgesamt habe sich das Portfolio der Notenbank durch die verschiedenen Ankäufe auf derzeit 2,9 Billionen Dollar (2,2 Billionen Euro) erhöht, berichteten US-Medien. Es sei damit rund dreimal so groß wie vor Ausbruch der Finanzkrise 2008.

Leitzins soll "außergewöhnlich niedrig" bleiben

Kritiker stellten die Effektivität der erneuten geldpolitischen Lockerung in Frage. Es sei ungewiss, ob die Maßnahmen tatsächlich den gewünschten Erfolg der Konjunkturankurbelung haben. Zudem bestehe die Gefahr, dass durch das Drucken von frischem Geld die Inflation angeheizt werde.

Der US-Leitzins wurde am Mittwoch außerdem in der Spanne von null bis 0,25 Prozent belassen. Der Leitzins soll "außergewöhnlich niedrig" bleiben, solange die Arbeitslosenquote über der Marke von 6,5 Prozent liegt und die Inflationsrate auf Sicht von einem bis zwei Jahren unter der Marke von 2,5 Prozent erwartet wird.

Die neue Selbstverpflichtung der Zentralbanker könnte dazu führen, dass der Niedrigzins noch viel länger bestehen bleibt, sollte die Wirtschaft zwischen Chicago und Los Angeles nicht Tritt fassen. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote in den USA bei 7,7 Prozent und war damit weit entfernt von der neuen Zielmarke. Sollte die Wirtschaft jedoch in Schwung kommen, könnte es in den Vereinigten Staaten viel schneller zu einer Zinswende kommen als von vielen Fachleuten bisher erwartet. Im Gegensatz etwa zur Europäischen Zentralbank (EZB), die ausschließlich das Ziel stabiler Preise verfolgt, muss die Fed wegen ihres gesetzlichen Auftrags auch dafür sorgen, dass möglichst Vollbeschäftigung herrscht.

Die Wall Street hatte auf weitere Konjunkturhilfen der Notenbank gesetzt - schon vor der Bekanntgabe hatten die wichtigsten Indizes mehrheitlich zugelegt. Der S&P 500 lag den sechsten Tag in Folge im Plus - die längste Gewinnphase seit August. Auch in Europa spekulierten Anleger auf eine Erholung der US-Wirtschaft: Der Dax Chart zeigen setzte seine Rallye fort und schloss 0,3 Prozent höher bei 7614 Punkten.

nck/Reuters/dpa

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insgesamt 39 Beiträge
1.
bauklotzstauner 12.12.2012
Gäääänau! Was hilft am besten gegen eine Krise, die durch zuviel Geld in den "Märkten" entstand?: Noch mehr Geld!
Zitat von sysopAFPDie amerikanische Zentralbank will die Geldpolitik weiter lockern um die schwache US-Konjunktur zu stützen: Vom kommenden Jahr will die Fed jeden Monat Staatsanleihen im Wert von rund 45 Milliarden Dollar kaufen. Auch den Aufkauf von Immobilienpapieren will die Notenbank fortsetzen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/us-anleihekaufprogramm-federal-reserve-wirft-notenpresse-an-a-872603.html
Gäääänau! Was hilft am besten gegen eine Krise, die durch zuviel Geld in den "Märkten" entstand?: Noch mehr Geld!
2. äh...hab ich das gerade richtig...
jetzt:hördochauf 12.12.2012
..überschlagen? Sind das grob verteilt $150 pro Nase? Und das soll gut gehen? Wielange bitte?!
..überschlagen? Sind das grob verteilt $150 pro Nase? Und das soll gut gehen? Wielange bitte?!
3. Der Rubel muss rollen
staas 12.12.2012
Auch in den USA sind die Arbeitsmärkte flexibel. Sie sind aber nicht unterteilt in einen Bereich mit umfassenden sozialen Schutzrechten und einen nahezu ungeschützten Bereich. Die „Flexibilität“ gilt in den USA für fast alle [...]
Auch in den USA sind die Arbeitsmärkte flexibel. Sie sind aber nicht unterteilt in einen Bereich mit umfassenden sozialen Schutzrechten und einen nahezu ungeschützten Bereich. Die „Flexibilität“ gilt in den USA für fast alle Arbeitsplätze, einschließlich der höchsten Posten in der Verwaltung. Folglich haben fast alle Arbeitnehmer ein vitales Interesse daran, dass laufend neue Arbeitsplätze entstehen. Geldwertstabilität, für die umfassend abgesicherten Mittelschichten Deutschlands der (neben einer niedrigen Steuerquote) zentrale ökonomische Parameter, ist in den USA nahezu bedeutungslos. Regierung, Zentralbank und Verwaltung sind in Friedenszeiten nicht viel mehr als eine große Arbeitsbeschaffungsorganisation. Allen monetaristi schen Bekundungen zum Trotz ist die US-Gesellschaft deshalb eine durch und durch keynesianische Gesellschaft. Nur ein Beamtenstaat wie Deutschland kann es sich leisten, auf eine Politik, die Erwerbs-Chancen schafft, zu verzichten (wie alles so kam und warum und was noch kommt).
4. Nachfrage
Progressor 12.12.2012
Die FED kauft also Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt. Das Geld bekommen also Leute die bewiesen haben, dass sie dies nicht für Investitionen bzw. Konsum benötigen. Dazu meine Fragen: Wie soll das mehr Wachstum und [...]
Die FED kauft also Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt. Das Geld bekommen also Leute die bewiesen haben, dass sie dies nicht für Investitionen bzw. Konsum benötigen. Dazu meine Fragen: Wie soll das mehr Wachstum und Beschäftigung bewirken? Wieso sollte das zu mehr Inflation führen? Ich danke im Voraus für die Antworten.
5.
GuidoHülsmannFan 12.12.2012
durch Gelddrucken reich werden. Kinder ab 6 Jahren glauben das nicht mehr. Moderne "Ökonomen" glauben das, obwohl das Experiment schon gescheitert ist. Am Ende kollabiert die Währung. Und dann bewerben wir uns als [...]
durch Gelddrucken reich werden. Kinder ab 6 Jahren glauben das nicht mehr. Moderne "Ökonomen" glauben das, obwohl das Experiment schon gescheitert ist. Am Ende kollabiert die Währung. Und dann bewerben wir uns als Kellner in China oder kämpfen vorher gegen Fleißige oder erobern Lebensraum um Rohstoffe, die wir uns ansonsten nicht leisten könnten.

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Die Aufgaben der Fed und der EZB

EZB
Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im EU-Vertrag festgelegt. Dort heißt es: "Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Zugleich soll die Notenbank die allgemeine Wirtschaftspolitik des Währungsraums unterstützen - allerdings nur soweit, falls hierdurch nicht das Ziel stabiler Preise beeinträchtigt wird. Durch diese Formulierung wird dem Ziel stabiler Preise Vorrang gegenüber weiteren Zielen eingeräumt.
Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die gerade in Zeiten starker Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders wichtig ist.
Fed
Die US-Notenbank Federal Reserve Banks ("Fed") sieht sich im Gegensatz zur EZB mehreren Aufgaben gegenübergestellt. Der "Federal Reserve Act" schreibt drei allgemeine Ziele vor: Demnach soll die Fed mit ihrer Geldpolitik sowohl eine "maximale Beschäftigung" als auch stabile Preise und langfristig moderate Zinsen gewährleisten. Ungeachtet der Tatsache, dass das Wachstumsziel in der Aufzählungsreihenfolge vor dem Ziel der Sicherung stabiler Preise rangiert, können sich aus diesem Zielkatalog Probleme ergeben. Wenn das Preisniveau in den USA anzieht und sich zugleich das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten abschwächt, kommt es zum Dilemma: Zur Sicherung der Preisstabilität müsste die Notenbank eigentlich die Leitzinsen anheben, angesichts der Wachstumsschwäche wären hingegen Zinssenkungen angebracht.
In der Vergangenheit hat die Fed im Zweifel dem Wachstumsziel eine höhere Bedeutung beigemessen als dem Ziel stabiler Preise.

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